BANGKOK, THAILAND – Ein Paket an Nachrichten erschüttert Politik und Alltag: Im Parlament entbrannte eine heftige Debatte um ein staatlich gefördertes KI‑Premium‑Abo für bis zu 5 Millionen Thailänder, während ein Strafgericht Thanathorn Juangroongruangkit in einem Lese‑Majestäts‑Fall freisprach und Ex‑Premier Thaksin Shinawatra zur Meldung seiner Bewährungsauflage erschienen ist. Die Themen reichen von Korruptionsvorwürfen beim DES‑Projekt über politische Kampagnen in Bangkok bis hin zu wirtschaftlichen Kennzahlen und der Entscheidung, den LPG‑Preis stabil zu halten – alles mit konkreten Folgen für Bürger und Unternehmen.
KI‑Abos: Abgeordneter spricht von Korruption
Pawoot Pongvitayapanu stellte im Parlament harte Fragen zum DES‑Projekt, das angeblich bis zu 5 Millionen Thailändern ein „Premium“-KI‑Abo geben soll. Er legte Zahlen vor, kritisierte, dass das Vorhaben allein aus dem DES‑Fonds stammt, jedem registrierten Nutzer 300 Baht zugewiesen werden sollten und die Vergabe innerhalb von nur 34 Tagen durchgezogen wurde.
Pawoot nannte zudem vier „Zufälle“, die auf politisch motivierte Korruption hindeuteten: Das Projekt schrieb Werbung in 1.500 Convenience‑Stores vor, der Zuschlag ging an ein Joint‑Venture, dem solche Werberechte gehören, und dieselbe Unternehmensgruppe setzte offenbar Richtpreise und reichte eigene Angebote ein. Nach seiner Darstellung basieren die 5‑Millionen‑Zahlen auf einer heutigen KI‑Zugangsrate von 10,67 %, die mit fünf Millionen Nutzern auf 22–23 % steigen würde.
Ministerium verteidigt Vergabe als legal
Chaichanok vom Digitalministerium wies die Vorwürfe zurück und erklärte, die Mittel stammten rechtmäßig aus dem DES‑Fonds, weil die Regierung Anutin‑1 den Budgetzyklus verpasst habe. Er verwies auf die rechtlichen Abschnitte 23 und 26 des DES‑Gesetzes als Grundlage für die Finanzierungsentscheidung.
Chaichanok stellte zudem die internationale Vergleichsrechnung dar und sagte: „Behauptungen, dass Singapur Direktkäufe getätigt habe, sind falsch.“ Er betonte, Singapur gebe deutlich mehr pro Kopf aus, während Thailand mit einem Modell arbeite, das pro Nutzer viel günstiger sei, und wies darauf hin, dass Beschwerden über etwaige Lücken über die vorgesehenen Kanäle eingelegt werden könnten.
Gericht spricht Thanathorn in Lese‑Majestäts‑Fall frei
Ein thailändisches Strafgericht wies die Anklage gegen Thanathorn Juangroongruangkit ab, die aus einem Facebook‑Livestream vom 18. Januar 2021 stammte, in dem er die Impfstoffbeschaffung kritisiert hatte. Die Klage hatte Vorwürfe nach Abschnitt 112 und dem Computer‑Kriminalitätsgesetz umfasst.
Die Richter befanden, die Äußerungen richteten sich gegen den damaligen Premierminister Prayut und die Impfstoffpolitik, nicht gegen die Monarchie. Thanathorn hatte die Vorwürfe stets bestritten und erklärt, solche Gesetze würden benutzt, um politische Kritik zu unterdrücken.
Thaksin meldet sich bei Bewährung
Der ehemalige Premierminister Thaksin Shinawatra erschien am Nachmittag zur ersten obligatorischen Meldung bei der Bewährungsbehörde in Bangkok Noi und wurde von seinem Anwalt Winyat Chatmontri begleitet. Er war ursprünglich für den 25. Mai terminiert und hatte die Meldung auf den 28. Mai verschoben.
Thaksin, der Berichten zufolge für vier Monate auf Bewährung bleibt und dessen Strafe am 9. September 2026 enden soll, beschrieb den Termin als „nur eine Formalität“ und blieb rund 20 Minuten im Gebäude.
Kandidatenflut für Bangkok‑Wahlen
Die Registrierung für die Wahlen der Bangkok Metropolitan Administration endete am ersten Tag um 16:30 Uhr: Insgesamt meldeten sich 241 Kandidaten für die 50 Bezirke des Bangkok Metropolitan Council an. In fünf Bezirken gibt es besonders viele Bewerber: Khlong Sam Wa (10), Khan Na Yao (9), Phaya Thai (7), Phasi Charoen (7) und Yannawa (7).
Für das Amt des Gouverneurs trugen sich am ersten Tag 16 Kandidaten ein. Unter den ersten 16 auf der Liste stehen M.L. Korakrit Kasemsri, Samai Lalert, Pongsak Puapornpong, Prateep Watcharachokkasem, Anucha Burapachaisri, Pisal Kittiyaowamarn, Phasapong Chaiwiriyavanich, Weeraphot Lueprasitkul, Chadchart Sittipunt, Chaiwat Sathawornwichit, Prayoon Krongyot, Pol. Lt. Gen. Chanthep Sesavej, Komsan Punwichatikul, Mallika Boonmeetrakool Mahasook, Olan Tangtratrakul und Sirarat Changphet.
Kampagnen starten sofort in der Stadt
Die Kandidaten begannen umgehend mit dem Wahlkampf: Chaiwat Sathawornwichit führte einen Konvoi von der Din Daeng Road vorbei am Victory Monument, durch Ratchathewi und Yommarat über Sanam Luang bis zum Bangkoker Rathaus am Sao Chingcha. Chadchart Sittipunt stellte vor Ort das Projekt „Rajavithi Skywalk“ vor und bekräftigte seine Strategie einer „begehbaren Stadt“.
Chadchart präsentierte später im Stadium One mehr als 250 Vorschläge und wurde von Familienmitgliedern begleitet. Anucha Burapachaisri kündigte ein 5‑Punkte‑Programm an, Mallika Boonmeetrakool Mahasook startete mit einer 14‑Punkte‑Strategie und plant tägliche Politikvorstellungen sowie nächtliche Live‑Übertragungen auf TikTok und Facebook.
Parlament debattiert Land‑Bridge, Sonderausschuss möglich
Das Repräsentantenhaus erörterte dringende Anträge zur Einsetzung eines parlamentarischen Sonderausschusses für das umstrittene Land‑Bridge‑Projekt; fünf Anträge wurden eingereicht. Die Opposition kritisierte fehlende oder ungenügende Folgenabschätzungen und warnte vor Vorteilen für Großinvestoren, die Land spekulativ erworben hätten.
Oppositionsabgeordnete unterstützen die Schaffung des Sonderausschusses zur Zusammenarbeit mit der von Ekniti Nitithanprapas geleiteten Regierungsarbeitsgruppe, während Regierungsabgeordnete, insbesondere aus der Bhumjai‑Thai‑Partei, das Projekt als wirtschaftsstärkend verteidigten. Die Sitzung wurde vertagt; heute steht ein parlamentarisches Sondertreffen zur abschließenden Aussprache und möglichen Abstimmung über die Ausschussbildung an.
„Thai Chuay Thai Plus“: Mehr als 26 Millionen registriert
Am letzten Tag der Registrierung für das Programm „Thai Chuay Thai Plus 60/40“, das bis 22:00 Uhr offen war, haben sich mehr als 26 Millionen Menschen angemeldet. Davon sind 25,4 Millionen Registrierungen erfolgreich abgeschlossen, rund 112.000 Bewerber befinden sich noch in der Prüfung.
Etwa 468.000 Registrierungen wurden als erfolglos gemeldet; darunter etwa 466.000 Inhaber staatlicher Sozialhilfekarten und rund 2.500 aus Gründen wie Tod oder Wegzug ins Ausland. Von den geplanten 30 Millionen Plätzen sind noch ungefähr 4 Millionen Plätze verfügbar.
Wirtschaft: Exporte stark, Konsum und Vertrauen geteilt
Pisit Puapan berichtete, dass die Exporte im April zum 22. Mal in Folge um 23,1 % gegenüber dem Vorjahr gewachsen seien und so die Wirtschaft stützten. Der Inlandstourismus verbesserte sich mit 25,6 Millionen thailändischen Besuchern (+2,7 %), während die Ankünfte ausländischer Touristen bei 2,37 Millionen lagen (−7,0 %).
Der private Konsum zeige erste Verbesserungen, der Verbrauchervertrauensindex sank jedoch von 51,8 auf 50,6, was auf Spannungen im Nahen Osten und gestiegene Energiepreise zurückgeführt wurde, zugleich bleibt die Öffentlichkeit laut Bericht optimistisch gegenüber den Regierungsmaßnahmen.
LPG‑Preis bleibt bis Ende Juli stabil
Das Energiepolitische Managementkomitee beschloss, den Raffineriepreis für Flüssiggas (LPG) vom 1. Juni bis zum 31. Juli bei 20,9179 Baht/kg zu belassen, wodurch der Einzelhandelspreis für eine 15‑kg‑Flasche bei 423 Baht bleibt. Minister Akanat Promphan führte diese Entscheidung auf den anhaltenden Konflikt im Nahen Osten und volatile Weltmarktpreise zurück.
Die Weltmarktpreise für LPG stiegen von März bis Mai von 542,5 auf 775 US‑Dollar/Tonne (etwa +43 %); der Importpreis lag am 19. Mai bei 918 US‑Dollar/Tonne, was 467 Baht pro 15‑kg‑Flasche entspricht, während der Einzelhandelspreis weiter bei 423 Baht gehalten wird und das Öl‑Kraftstoff‑Fund kumulierte Verluste von etwa 38,6 Milliarden Baht anhäufte. Zudem wurde das B7‑Biodiesel‑Mischverhältnis vom 14. Juni bis 13. September unverändert beibehalten.
Kommentar
Die Entscheidung, den LPG-Preis stabil zu halten, zeigt die Bemühungen der Regierung, die wirtschaftlichen Belastungen für die Bevölkerung trotz globaler Unsicherheiten zu begrenzen. Die politische Debatte um das KI-Projekt und die anstehenden Wahlen in Bangkok verdeutlichen die dynamische Lage in Thailand, die von wirtschaftlichen, sozialen und politischen Herausforderungen geprägt ist.
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