BANGKOK, THAILAND – Die thailändische Polizei hat eine 21-jährige chinesische Studentin gerettet, nachdem sie laut Behörden Opfer eines mutmaßlichen „virtuellen Entführungsbetrugs“ geworden war. Die Frau soll aus Hong Kong nach Thailand gereist sein, Bilder von angeblichen Verletzungen versandt und damit die Familie zur Zahlung von rund 12,5 Millionen Baht erpressen lassen wollen. Ermittler warnen vor dem Risiko, dass Opfer durch Aufforderungen zur Weiterreise in echtes Menschenhandels-Umfeld geraten könnten.
Studentin nach Flug und Hotelaufenthalt lokalisiert
Laut Polizei verließ die Frau Hong Kong am 31. Mai mit dem Flug HX767 und kam am 1. Juni gegen 02:36 Uhr in Thailand an. Sie checkte zunächst in einem Hotel im Bezirk Lat Krabang in Bangkok ein und zog später in ein Hotel im Bezirk Bang Phli, Samut Prakan.
Die Ermittler folgten ihren Spuren anhand von Einreisestempeln, Hotelüberwachungsaufnahmen und Zeugenaussagen und brachten sie schließlich in Sicherheit. Bei der Kontrolle im Hotel wurden keine mutmaßlichen Komplizen angetroffen.
So funktionierte der virtuelle Entführungsbetrug
Die Polizei stuft den Fall als „virtuellen Entführungsbetrug“ ein: Betrüger gaben sich den Angaben zufolge als Regierungs- oder Strafverfolgungsbeamte aus und behaupteten, die Studentin sei in einen Kriminalfall verwickelt. Die Kommunikation mit dem Vater lief laut Ermittlungen über WeChat, dabei wurden Bilder verschickt, die sie gefesselt und verletzt zeigen sollten.
Die Studentin soll auf Anweisung der Betrüger selbst Seile, Gurte, ein Messer, Körperfarbe und roten Lippenstift gekauft und diese Mittel genutzt haben, um Verletzungen vorzutäuschen und Fotos sowie Videos zu erstellen. Für einen späteren Hotel-Check-in habe sie ein online bereitgestelltes Bild eines gefälschten Reisepasses verwendet.
Millionen flossen über Strohmänner
Die Täter forderten laut Angaben 3 Millionen Hongkong-Dollar, das entspricht etwa 12,5 Millionen Baht. Der Vater überwies das geforderte Lösegeld zwar nicht, hatte aber bereits rund 1,4 Millionen HK$ verloren, das sind etwa 5,8 Millionen Baht.
Ermittlern zufolge wurde Geld zwischen dem 19. und 20. Mai als angebliche Unterstützung fürs Studium auf das Konto der Studentin bei der Bank of China eingezahlt und dann schnell über mutmaßliche Strohmannkonten verteilt. Die Spur der Überweisungen wird weiter verfolgt.
Polizei warnt vor internationalem Risiko
Polizeigeneral Tatchai Pitaneelaboot, stellvertretender nationaler Polizeichef und Direktor des Zentrums gegen Menschenhandel der Königlich Thailändischen Polizei, bezeichnete den Fall als Beispiel einer neuen Form grenzüberschreitender Kriminalität, bei der Opfer aus der Ferne psychologisch kontrolliert werden. Die Behörden betonen, dass solche Taktiken Täter in die Lage versetzen, Druck auszuüben ohne physische Entführung.
Die Polizei warnte ausdrücklich davor, Opfer könnten auf Anweisung in andere Länder weiterreisen und so in reales Menschenhandelsrisiko geraten. Die thailändischen Behörden kündigten an, die Zusammenarbeit mit der Polizei in Hong Kong und anderen internationalen Strafverfolgungsbehörden fortzusetzen.
Schutz der Frau und Stand der Ermittlungen
Die Studentin wurde den Angaben nach in Sicherheit gebracht und befindet sich außer Gefahr, während die Ermittlungen zum Netzwerk hinter dem mutmaßlichen Betrug andauern. Behörden prüfen weiterhin Überwachungsmaterial und Finanzspuren, um die Drahtzieher zu identifizieren.
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Die thailändischen Behörden arbeiten eng mit der Polizei in Hong Kong sowie internationalen Strafverfolgungsbehörden zusammen, um das kriminelle Netzwerk aufzudecken und weitere Opfer zu schützen.



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