Pheu-Thai-Partei plant Verfassungsänderung mit Direktwahl des Senats

Direktwahl statt Umwege: Pheu Thai will die Verfassung radikal umbauen. Doch obwohl das Verfassungsgericht grünes Licht gibt, fehlt die nötige Machtbasis für das Vorhaben. Wie will die Partei die fehlenden Stimmen nun gewinnen?

Pheu-Thai-Partei plant Verfassungsänderung mit Direktwahl des Senats
ThaiRath

BANGKOK – Die Pheu Thai Partei steht vor einer strategischen Kehrtwende bei ihrem geplanten Verfassungsänderungsentwurf. Nach einer klärenden Auskunft des Verfassungsgerichts prüft die Partei nun, die Mitglieder der verfassungsgebenden Versammlung vollständig direkt vom Volk wählen zu lassen. Doch mit nur 74 eigenen Sitzen braucht sie dringend Verbündete.

Paukenschlag aus dem Verfassungsgericht

Der Ausschuss für politische Entwicklung des Senats und die Opposition haben mit einem direkten Vorstoß beim Verfassungsgericht für Klarheit gesorgt. Ihr Treffen mit dem Gerichtspräsidenten brachte eine entscheidende Erkenntnis: Die Wahl der Mitglieder einer verfassungsgebenden Versammlung zu 100 Prozent durch die Bürger ist rechtlich machbar.

Diese Auskunft stellt die bisherige Planung der Pheu Thai Partei auf den Kopf. Krit Uewong, Vorstandsmitglied und Teil der Rechtsabteilung der Partei, bestätigte nun, dass eine Anpassung des eigenen Entwurfs akut auf dem Tisch liegt.

23. Juni wird zum Schicksalstag

Die Parteiführung um Pheu Thai wird sich am 23. Juni zu entscheidenden Beratungen treffen. Dann soll die alles entscheidende Frage fallen: Übernimmt man das Modell einer zu 100 Prozent direkt gewählten verfassungsgebenden Versammlung?

Ursprünglich wollte Pheu Thai die stärkste Bindung zum Bürgerschafts-Direktwahl-Modell. Man war jedoch aufgrund früherer Interpretationen von Urteilen des Verfassungsgerichts davon ausgegangen, dass eine solche Direktwahl nicht möglich sei. Daher hatte die Partei einen indirekten Wahlmechanismus entworfen.

Allein fehlen 26 Stimmen

Ein heikler Punkt bleibt die parlamentarische Mathematik. Krit Uewong gab unumwunden zu: „Mit den Stimmen der Pheu Thai allein können wir den Antrag nicht einreichen.“ Der Partei fehlen bei nur 74 eigenen Sitzen exakt 26 Stimmen für eine Mehrheit.

Dennoch sieht er das Kernproblem weniger in der Arithmetik, sondern in den grundlegenden Prinzipien des Entwurfs. „Was die Anzahl der Stimmen betrifft, sehe ich das nicht als das Problem an, sondern es liegt eher an den wichtigen Prinzipien des Entwurfs selbst, in welche Richtung er gehen soll“, so Uewong.

Der Geist vergangener Urteile

Der Umweg über die indirekte Wahl war eine direkte Reaktion auf frühere Gerichtsinterpretationen. Dieser ungeliebte Kompromiss führte jedoch zu Bedenken und schließlich zum Rückzug einiger politischer Partner.

Nach der neuen Deutlichkeit des Verfassungsgerichts kann Pheu Thai nun zum ursprünglichen Wunschmodell der Direktwahl zurückkehren. Die Partei strebt damit die stärkstmögliche Legitimation durch die Wähler an.

Rennen gegen die Uhr

Die Zeit drängt. Der Whips-Ausschuss der drei Parteien hat bereits die gemeinsame Parlamentssitzung für die erste Lesung des Verfassungsänderungsentwurfs auf den 7. und 8. Juli terminiert.

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Krit Uewong zeigt sich dennoch zuversichtlich, dass der überarbeitete Text rechtzeitig eingebracht werden kann. „Wenn eine Einigung schnell erzielt wird, kann der Änderungsentwurf rechtzeitig eingebracht werden“, erklärte er. Die Anpassung selbst nehme nicht viel Zeit in Anspruch.

Feintuning statt Neuanfang

Die letzte Entscheidung über die genaue Ausrichtung des Entwurfs liegt nun allein beim Parteivorstand. Wie genau der Inhalt angepasst wird, bleibt der Beschlussfassung am 23. Juni vorbehalten. Mit der erhofften Rückendeckung anderer Parteien könnte der Weg für eine völlig direkt gewählte verfassungsgebende Versammlung frei werden. Ein politisches Manöver, das die Spielregeln für eine neue Verfassung grundlegend verändern würde.

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Quelle: Thairath

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