Paris, Frankreich – Eine mörderische Hitzewelle kocht Europa. 35 französische Départements wurden am Sonntag unter die höchste Alarmstufe Rot gestellt. Premier Sébastien Lecornu griff zu drastischen Mitteln und verhängte ein Alkoholverbot im Freien, während in Paris die Parks rund um die Uhr geöffnet bleiben.
Alarmstufe Rot in 35 Gebieten
Frankreich schwitzt wie schon lange nicht mehr. An diesem Sonntag gelten 35 der landesweit 96 Départements als akut gefährdet und wurden in die rote Warnstufe hochgestuft. Betroffen ist ein breiter Korridor vom Südwesten über die Hauptstadt Paris bis ins malerische Burgund.
Die Temperaturen sollen vielerorts gefährliche 39 bis 40 Grad Celsius erreichen. In einigen Hotspots sind sogar Spitzenwerte von 41 Grad möglich. Die Regierung schaltete nach einer Notfallsitzung auf Krisenmodus.
Alkohol draußen verboten
Premierminister Lecornu kündigte eine harte Maßnahme an: Während der beliebten Fête de la Musique und anderen öffentlichen Feiern ist der Alkoholkonsum in den rot markierten Gebieten draußen strikt untersagt. Das Verbot zielt darauf ab, hitzebedingte Gesundheitsrisiken bei den Feiernden zu minimieren.
Die Regierung befürchtet, dass Alkohol den Kreislauf an solch extremen Tagen zusätzlich belastet und die Gefahr von Kollapsen steigt. Feiern ist also nur noch mit kühlem Kopf und viel Wasser erlaubt.
Pariser Parks nie geschlossen
Die Pariser Stadtverwaltung zog mit einer bürgerfreundlichen Lösung nach. Sie ordnete an, die öffentlichen Grünanlagen 24 Stunden am Tag offen zu lassen. Damit sollen die Menschen der brütenden Enge ihrer Wohnungen entkommen können.
Unter den Bäumen der Parks finden Anwohner und Touristen nachts etwas Abkühlung. Für viele Stadtbewohner ohne Klimaanlage ist dies die einzige Chance, der Tropenhitze in der Betonwüste zu entkommen.
Deutschland drohen Blitzgewitter
Auch Deutschland ächzt unter der Glocke. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat für den Großteil des Landes Hitzewarnungen ausgerufen und prognostiziert bis zu 38 Grad Celsius. Doch damit nicht genug: Die Kombination aus Schwüle und hoher Luftfeuchtigkeit birgt eine explosive Mischung.
Der DWD warnte ausdrücklich vor schweren Gewittern, die sich aus der drückenden Hitze entladen können. Es drohen lokal heftige Unwetter, die auf die Gluthitze folgen.
Touristen fliehen in die Unterwelt
Italien leidet bei 36 bis 37 Grad doppelt. Der Tourismus, das Herz der Wirtschaft, wird schwer beeinträchtigt. In Rom reihten sich Besucher in sengender Sonne vor dem Kolosseum ein, während es andere vorzogen, der Hitze zu entfliehen.
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Eine willkommene Abkühlung boten die unterirdischen Ruinen des Tempels des Claudius. Dort unten ist die Luft spürbar kühler als auf den aufgeheizten Straßen der Ewigen Stadt.
Abkühlung am 400 Jahre alten Brunnen
Im Norden des Landes, im traditionell heißen Bologna, suchten Einheimische und Touristen Zuflucht unter den charakteristischen Arkadengängen. Andere steckten gleich den Kopf ins kalte Nass des Neptunbrunnens.
An dem über 400 Jahre alten Monument wuschen sich die geplagten Menschen die Gesichter und planschten im Wasser, um einen klaren Kopf zu bewahren. Der historische Brunnen wurde kurzerhand zum öffentlichen Erfrischungsbad umfunktioniert.
Fanmeile in Madrid dicht
Spanien zog drastische Konsequenzen für seine Fußballfans. Der nationale Verband schloss die Outdoor-Fanzone auf der Plaza de Colón in Madrid, wo ein riesiger Bildschirm für die Übertragung der Weltmeisterschaft aufgebaut war. Wegen der unerträglichen Hitze wurde die Public-Viewing-Fläche dichtgemacht.
Die Anhänger mussten sich hastig Kneipen und kühlere Orte suchen, um das Spiel zu verfolgen. Während die Fans schwitzten, kickten die Spieler beider Mannschaften dank einer Klimaanlage im Stadion in Atlanta bei angenehmen Temperaturen.
Wirtschaftlicher Kollateralschaden
Für die französische Notenbank sind die Hitzewellen längst eine Gefahr für den Wohlstand. Gouverneur Emmanuel Moulin erklärte, die kurzfristigen Folgen seien zwar schwer abzuschätzen, doch die Tendenz sei fatal: Der Energieverbrauch für Kühlung schieße in die Höhe, während die Arbeitsproduktivität sinke.
Langfristig, so warnte er, schädigen immer häufigere Hitzewellen unweigerlich die wirtschaftliche Aktivität und das Wachstumspotenzial des Landes. Wissenschaftler bestätigen, dass der Klimawandel Extremwetter begünstigt und besonders Alten, Kindern und Kranken gefährlich wird.



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