BANGKOK – Nach dem verheerenden Brand im Lat Phrao Beer Garden mit 31 Toten gehen die Ermittlungen in die entscheidende Phase. Die Polizei prüft, ob verschlossene Türen, fehlende Griffe und Lizenzverstöße die Flucht blockierten.
Polizei nimmt vier Türen ins Visier
National Police Commissioner General Kittirat Phanphet bestätigte am Dienstag, dass sich die Ermittler besonders auf zwei Hintertüren konzentrieren. Eine dieser Türen, die neben der Herrentoilette lag, war mit zwei Riegeln und einem Türknauf gesichert. Die ersten beiden Türen, der öffentliche Ein- und Ausgang, gelten als unproblematisch.
Neben dem Rahmen fanden die Beamten einen Tisch mit verstreuten Süßigkeiten. Die Ermittler vermuten, dass dieser Ausgang normalerweise verschlossen war, damit Gäste nicht ohne zu bezahlen verschwinden konnten. General Kittirat betonte jedoch, dass dies reine Annahme sei und noch durch forensische Beweise gestützt werden müsse.
Fehlende Griffe an der Küchentür werfen Fragen auf
Die vierte Tür führte direkt in die Küche und war eine Schiebetür. An ihr fanden die Beamten nur noch zwei Schrauben, die wie Befestigungspunkte für inzwischen fehlende Griffe aussahen.
Noch ist völlig unklar, ob die Griffe schon vor der Katastrophe entfernt worden waren oder erst durch die enorme Hitze des Feuers zerstört wurden. Forensiker sollen diese Frage nun klären.
Notausgangsschild durch Feuer vernichtet
Über der Küchentür war ein Schild angebracht, das während des Brandes vollständig zerstört wurde. Die Polizei hat Spezialisten angewiesen herauszufinden, um welche Art von Hinweis es sich handelte.
Selbst wenn es ein funktionierendes Notausgangsschild war, standen die Gäste vor einem weiteren Problem: Der Strom fiel aus und schwarzer Rauch füllte das Gebäude. Die Sicht wäre so oder so gleich null gewesen.
Besitzerin liegt bewusstlos auf der Intensivstation
Die Restaurantbesitzerin ist noch immer nicht vernehmungsfähig. Sie gilt als Hochrisikopatientin und wird auf der Intensivstation behandelt.
Bis sich ihr Zustand ändert, müssen sich die Ermittler auf physische Beweise und Zeugenaussagen stützen. General Kittirat sagte, die Untersuchung sei deshalb bereits weit über die Eigentümerin hinaus ausgeweitet worden.
Polizei zieht weiten Kreis von Verantwortlichen
Im Visier der Beamten stehen nun Geschäftspartner, Manager, Köche, normales Personal und Sicherheitskräfte. Für jede dieser Personen soll die individuelle Verantwortung geprüft werden.
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Auf die Frage, ob es auch bei einem möglichen Tod der Besitzerin eine zivilrechtliche Haftung geben könne, antwortete der Polizeichef klar: Die Verantwortung könne sich je nach Beweislage über die Eigentümerin hinaus erstrecken.
Lizenz-Trickserei unter der Lupe
Parallel prüfen Kriminalbeamte, ob das Lokal überhaupt innerhalb der Grenzen seiner Genehmigungen betrieben wurde. Zunächst soll geklärt werden, ob alle erforderlichen Lizenzen vorlagen.
Danach wird ermittelt, ob das Restaurant Aktivitäten ausübte, die von den Genehmigungen gar nicht abgedeckt waren. General Kittirat sagte, diese Prüfungen liefen noch und es gebe keine voreiligen Schlüsse.
Kein fester Zeitplan für Anklagen
Der nationale Polizeichef weigerte sich, einen Zeitrahmen für mögliche Anklagen zu nennen. Er verwies auf frühere Katastrophen wie den Santika Pub Brand und die Mountain B Nachtclub-Tragödie.
Auch diese Fälle hätten umfangreiche forensische Arbeit erfordert. General Kittirat warnte, dass Fristen oft zu überstürzten Ermittlungen führten. Genauigkeit habe jetzt absoluten Vorrang vor Schnelligkeit.
Bangkok plant neues Sicherheitssystem für Restaurants
Über den aktuellen Fall hinaus kündigte der Polizeichef ein umfassendes Reformpaket an. Das Metropolitan Police Bureau soll eine neue Inspektionsplattform mit einer Checkliste für zehn Sicherheitsbereiche entwickeln.
Geprüft werden künftig Evakuierungsverfahren, Brandschutzplanung und Notausgänge. Polizei und Bezirksämter werden gemeinsam kontrollieren. General Kittirat stellte klar, dass Profit niemals vor Kundensicherheit gehen dürfe.
Anwalt übergibt Dokumente und verspricht Hilfe
Am Dienstag um 14:00 Uhr erschien der Anwalt des Restaurants, Nithiruj Jetiyatheeranant, auf der Phaholyothin Police Station. Er übergab Registrierungspapiere, Mietverträge und andere Geschäftsunterlagen an die Ermittler.
Gleichzeitig kündigte er erste Entschädigungszahlungen an. Die Familien der Verstorbenen sollen jeweils 10.000 Baht für die Bestattungskosten erhalten. Für ein Opfer, das später in Chonburi starb, wurden bereits 10.200 Baht an medizinischen Kosten übernommen.
Reservefonds des Lokals soll Soforthilfe decken
Der Anwalt sagte, das Geld stamme aus einem Reservefonds des Restaurants. Die Familie der Besitzerin und etwa vier bis fünf weitere Personen hätten gemeinsam entschieden, die Entschädigung zur obersten Priorität zu machen. Die Polizei hat die Ermittlungen in verschiedene Sektionen unterteilt.
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