Thailand verhandelt über US-Zölle und pocht auf Rote Linien

Bangkok wehrt sich gegen US-Zölle und lehnt Auflagen bei Lebensmitteln strikt ab. Handelsministerin Supajee verhandelt hart.

Thailand verhandelt über US-Zölle und pocht auf Rote Linien
ThaiRath

BANGKOK – Thailands Regierung lässt sich von den neuen US-Strafzöllen nicht unterkriegen. Die vorläufig verhängten 12,5 Prozent wegen angeblicher Zwangsarbeit sind aus Sicht Bangkoks kein finales Ergebnis. Handelsministerin Supajee Suthumpun kündigte eine Beschleunigung der Gespräche an und warnte gleichzeitig: Wettbewerbsnachteile gegenüber Nachbarländern werde man nicht hinnehmen.

12,5 Prozent sind keine Erhöhung – sondern erst der Anfang

Nach ihrer Rückkehr aus den USA stellte die stellvertretende Premierministerin klar, dass der aktuelle Zollsatz keine Aufstockung um 10 Prozentpunkte sei, wie mancherorts befürchtet. Es handle sich um eine vorläufige Festsetzung im Rahmen der Section-301-Untersuchung.

Thailand hat bereits schriftlich Stellung bezogen und ist direkt vor Ort in die mündliche Erläuterung gegangen. Ziel ist, die USA davon zu überzeugen, dass der Satz weder endgültig noch gerechtfertigt ist.

Maximal 19 Prozent – Thailands rote Linie bei den Zöllen

Bangkok verfolgt bei den Verhandlungen ein klares Ziel: Der Gesamtzollsatz soll auf keinen Fall über 19 Prozent steigen. Ursprünglich hatten die USA sogar einen Vergeltungszoll von 36 Prozent ins Spiel gebracht.

Ein fertiger Rahmenvertrag zur Senkung auf 19 Prozent lag bereits auf dem Tisch, bevor Washington auf das Section-301-Verfahren umschwenkte. Jetzt geht es darum, dieses Niveau auch unter den neuen Bedingungen zu halten.

Bedingungen, die den Alltag treffen, lehnt Thailand ab

Knallhart bleibt die Regierung bei nichttarifären Forderungen der Amerikaner. Ein Importverbot für Fleisch, das mit Wachstumsförderern behandelt wurde, werde man nicht akzeptieren – selbst wenn Nachbarländer bereits eingeknickt sind.

„Wir unterschreiben nichts, was die Lebensqualität unserer Bevölkerung verschlechtert“, lautet die Ansage aus dem Handelsministerium. Der Schutz heimischer Standards habe hier absoluten Vorrang vor Handelsinteressen.

Eigenes Gesetz gegen Zwangsarbeit soll Bedenken ausräumen

Um den Amerikanern den Wind aus den Segeln zu nehmen, bringt die Regierung noch im August ein Gesetz zum Verbot von Waren aus Zwangsarbeit ins Parlament. Das sogenannte HRDD-Gesetz soll die Glaubwürdigkeit Thailands bei Menschenrechtsfragen untermauern.

Damit reagiert Bangkok direkt auf einen der beiden Hauptvorwürfe aus der Section-301-Untersuchung. Der zweite Punkt dreht sich um angebliche Überkapazitäten in der Industrie.

Autos, Gummi, Elektronik: Fabriken laufen auf Hochtouren

Dem Vorwurf der Überkapazitäten hält Thailand konkrete Zahlen entgegen. In den Zielbranchen Kraftfahrzeuge, Kautschuk und Elektronik liegt die tatsächliche Auslastung bei 75 bis 90 Prozent.

Stört Sie die Werbung?
JETZT den Wochenblitz WERBEFREI lesen!
ZUM ANGEBOT

Die USA waren von einer viel niedrigeren Auslastung von unter 60 Prozent ausgegangen. Diese Rechnung will Bangkok mit den offiziellen Daten nun korrigieren und so die Strafzölle abwenden.

Jeder dritte Dollar Defizit kommt von US-Firmen selbst

Ein handfestes Argument liefert Thailand mit Blick auf das Handelsbilanzdefizit. Rund 30 Prozent davon entstehen durch US-Unternehmen, die in Thailand produzieren und ihre Waren zurück in die Heimat verkaufen.

Die Amerikaner bestrafen also bei genauer Betrachtung ihre eigenen Firmen, heißt es aus der thailändischen Delegation. Diesen Punkt habe man den US-Behörden in den Gesprächen deutlich gemacht.

19,3 Milliarden Dollar Investitionen – und weitere 5,5 Milliarden geplant

Thailands Privatwirtschaft investiert bereits massiv in den USA. Nach offiziellen Angaben belaufen sich die getätigten Investitionen auf 19,3 Milliarden US-Dollar.

Weitere 5,5 Milliarden Dollar sind konkret geplant. Diese Zusagen sollen das Verhandlungsgewicht Bangkoks erhöhen und den Amerikanern zeigen, dass man ein verlässlicher Wirtschaftspartner ist.

Mehr als 2.100 Warenpositionen sind bereits zollfrei

Einen wichtigen Erfolg hat Thailand bei der Liste der von Zöllen befreiten Waren erzielt. Über 2.120 Positionen aus dem sogenannten Annex 3 sind aktuell von den Strafmaßnahmen ausgenommen.

Das entspricht rund der Hälfte des gesamten Exportwerts Thailands in die Vereinigten Staaten. Bangkok will diese Liste nun so weit wie möglich ausdehnen lassen, um heimische Firmen zu schützen.

Exportziel trotz allem auf 8 Prozent Wachstum erhöht

Trotz der handelspolitischen Unsicherheit blickt man in Bangkok überraschend optimistisch auf die Exportentwicklung. Das erste Halbjahr sei besser gelaufen als erwartet.

Die Regierung erhöhte das Exportwachstumsziel für das laufende Jahr auf 8 Prozent. Der Wert der Ausfuhren gibt also Anlass zur Hoffnung, dass die Verhandlungen nicht die einzige Stütze der Wirtschaft bleiben.

Team Thailand bleibt am Ball – Niveau der Nachbarn ist die Messlatte

Die thailändischen Unterhändler setzen ihre Gespräche fort. Oberstes Prinzip neben der 19-Prozent-Marke ist der Vergleich mit den Wettbewerbern. Sollte ein Nachbarland bessere Konditionen erhalten, wird Bangkok umgehend nachverhandeln. Das „Team Thailand“ sei darauf eingeschworen, für heimische Unternehmer langfristig das Maximum herauszuholen.

Lesen Sie auch: USA-Strafzölle: Thailand wegen schleppender Verhandlungen kritisiert

Was denkst du darüber? Schreib uns deine Meinung in die Kommentare.

Lesen Sie auch: Neue EU-Regeln bedrohen thailändische Exporte

Newsletter abonnieren

Newsletter auswählen:
Abonnieren Sie den täglichen Newsletter des Wochenblitz und erhalten Sie jeden Tag aktuelle Nachrichten und exklusive Inhalte direkt in Ihr Postfach.

Wir schützen Ihre Daten gemäß DSGVO. Erfahren Sie mehr in unserer Datenschutzerklärung.
Quelle: Thairath

Wichtiger Hinweis für unsere Leser

Wir freuen uns auf Ihren Beitrag! Bitte beachten Sie für ein freundliches Miteinander unsere Regeln:

  • Höflichkeit: Keine Beleidigungen, Kraftausdrücke oder Gewaltandrohungen.
  • Sorgfalt: Bitte achten Sie auf die korrekte Schreibweise von Namen.
  • Quellen: Zitate nur mit Namensnennung (Internet-Links/URLs sind nicht erlaubt).
  • Themen: Bitte keine Kritik an der Regierung, der Monarchie oder Diskussionen zur Moderation.
Vorbehalt der Redaktion: Wir behalten uns das Recht vor, Kommentare nachträglich zu bearbeiten oder zu löschen, sollten diese gegen unsere Regeln oder geltendes Recht verstoßen. Ein Anspruch auf Veröffentlichung besteht nicht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert


Daten bleiben 30 Tage lokal im Browser-Cookie.