BANGKOK, Thailand – Vor der israelischen Botschaft in Bangkok haben in den vergangenen zwei Wochen zwei Proteste stattgefunden. Dahinter stehen Wut über das Verhalten einzelner israelischer Besucher und Expats in Thailand sowie Kritik am Vorgehen Israels in Gaza, im besetzten Westjordanland und im Iran. Die Entwicklung könnte die Beziehungen zwischen Thailand und Israel belasten.
300 bis 400 Menschen protestieren gegen Israel
Am Donnerstag versammelten sich nach Angaben des Artikels rund 300 bis 400 Demonstranten vor der israelischen Botschaft. Angeführt wurde der Protest unter anderem von Sondhi Limthongkul, einem erfahrenen Aktivisten und früheren Anführer der Gelbhemden.
Die Teilnehmer vertraten dabei unterschiedliche Positionen. Einige konzentrierten sich auf das Verhalten sogenannter „grauer Israelis“, andere stellten Israel wegen des Vorgehens in Gaza, im Westjordanland und im Iran grundsätzlich infrage.
Vorwürfe gegen israelische Besucher und Expats
Ein Teil der thailändischen Kritiker wirft einzelnen israelischen Touristen vor, sich respektlos gegenüber thailändischen Sitten und der Kultur zu verhalten. Auch israelische Expats werden misstrauisch gesehen, weil sie nach Ansicht von Kritikern langfristig Einfluss auf Immobilien, Unternehmen und sogar die thailändische Souveränität gewinnen könnten.
Im Mittelpunkt stehen laut dem Artikel Fälle, in denen Israelis die thailändische Staatsbürgerschaft erhalten haben. Kritiker verweisen außerdem auf den Bau eines großen Chabad-Hauses in Bangkok, die Erweiterung von Friedhöfen und Geschäfte in Orten wie Phuket.
Streit um Immobilien und Geschäfte in Phuket
Nach Darstellung der Kritiker sind Israelis in Phuket de facto Eigentümer von Unterkünften, Transportdiensten, Restaurants und Tourangeboten. Ein Teil der Einheimischen habe davon wenig oder gar keinen Nutzen.
Die Sorge richtet sich dabei nicht nur gegen einzelne Personen. Manche Thais befürchten Verbindungen zwischen „grauen Israelis“, thailändischen Netzwerken und korrupten Beamten, wenn Land, Geld, Staatsbürgerschaft und undurchsichtige Geschäftsinteressen zusammenkommen.
Kritik an Israels Vorgehen im Westjordanland
Für zusätzliche Empörung sorgen Ausschreibungen für mehr als 1.200 Wohneinheiten im Gebiet E1 im besetzten Westjordanland. Die britische Regierung wertet eine weitere Ausweitung israelischer Siedlungen dort als rote Linie.
E1 liegt nahe Jerusalem und gilt als strategisch wichtig. Nach britischer Einschätzung könnte eine weitere Bebauung das Westjordanland zerschneiden, einen zusammenhängenden palästinensischen Staat erschweren und die Aussicht auf eine Zwei-Staaten-Lösung weiter schwächen.
London prüft neue Handelsbeschränkungen
Die britische Regierung erwägt Maßnahmen gegen bestimmte Waren und Dienstleistungen aus israelischen Siedlungen im Westjordanland. Auch britische Unternehmen könnten daran gehindert werden, Siedlungsprojekte zu finanzieren, zu unterstützen oder zu bewerben.
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Die geplanten Schritte richten sich nicht gegen den gesamten Handel mit Israel. Israel weist die Vorwürfe zurück, warnt vor schweren Schäden für die diplomatischen Beziehungen und droht mit Gegenmaßnahmen. Großbritannien hat zuvor bereits Einzelpersonen und Organisationen im Zusammenhang mit Siedlergewalt im Westjordanland sanktioniert. Israel hat nach Angaben des Artikels das britische Konsulat in Jerusalem geschlossen.
Hohe Opferzahlen im Westjordanland
Der britische Sender Channel 4 News berichtete unter Berufung auf die Vereinten Nationen, dass in diesem Jahr im Westjordanland fast 2.000 Palästinenser durch israelische Soldaten oder Siedler verletzt worden seien. Zudem seien 85 Palästinenser getötet worden.
Im gleichen Zeitraum wurden dem Bericht zufolge drei Todesfälle auf israelischer Seite gemeldet.
Thailands Geschichte verstärkt die Abwehrhaltung
Der Artikel führt die Reaktionen auch auf den thailändischen Nationalismus zurück. Schüler lernen die gescheiterten Kolonialisierungsversuche Frankreichs und Großbritanniens sowie die Gebietsabtretungen unter König Rama V. im späten 19. Jahrhundert kennen.
Viele Thais seien deshalb darauf bedacht, ihr Land und seine Souveränität vor ausländischen Mächten zu schützen. Eine als unsensibel empfundene Präsenz „grauer Israelis“ oder „grauer Chinesen“ könne diese Haltung leicht auslösen.
Auch der Konflikt mit Kambodscha wirkt nach
Im vergangenen Jahr hatten zwei kurze, nicht offiziell erklärte Kriege zwischen Thailand und Kambodscha die Angst vor ausländischen Feinden verstärkt. Bei Protesten gegen Kambodscha gingen damals rund 10.000 Menschen in Bangkok auf die Straße.
Sondhi Limthongkul führte diese Kundgebungen gemeinsam mit an. Nun führte er den Protest gegen Israel an. Die aktuelle Bewegung verbindet damit nationalistische Sorgen über ausländischen Einfluss mit der Kritik an Israels Politik.
Protestbewegung mit unterschiedlichen Positionen
Die Aussagen zweier Demonstranten machten die Spannweite der Bewegung deutlich. Psi Scott forderte den israelischen Botschafter auf, Thailand zu verlassen, und wandte sich gegen die Aufnahme israelischer Soldaten im Land.
Tul Sittisomwong erklärte dagegen, gut auftretende israelische Touristen seien willkommen. Damit zeigte sich, dass die Proteste nicht von einer einheitlichen Haltung gegenüber allen Israelis getragen werden.
Regierung und Botschafterin unter Druck
Sollten in den kommenden Wochen genügend Menschen mobilisiert werden, könnte die thailändische Regierung versuchen, die Protestierenden zu besänftigen. Nach Einschätzung eines Experten würde dies die Beziehungen zwischen Thailand und Israel zurückwerfen.
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Auch der Umgang der israelischen Botschafterin Alona Fisher-Kamm mit den Protesten wird als wichtig für die weitere Entwicklung gesehen.

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