Nan, Thailand – In den Quellwaldgebieten der Provinz Nan fielen innerhalb von nur vier Stunden 200 bis 300 Millimeter Regen, während im Stadtgebiet weniger als 100 Millimeter gemessen wurden. Die Überschwemmung entstand deshalb vor allem durch plötzlich abfließendes Wasser aus den Bergen – nicht durch ein sogenanntes „Rainbomb“-Ereignis. Mehrere Faktoren machten die Flut in diesem Jahr besonders schnell und großflächig.
Nan ist zwar jedes Jahr von Überschwemmungen oder Starkregen betroffen. Diesmal entstanden in vielen Gebieten jedoch schnell großflächige Schäden an Häusern und Eigentum.
200 bis 300 Millimeter Regen in den Quellwaldgebieten
Messstationen in den Quellwaldgebieten der Bezirke Pua und Chaloem Phra Kiat registrierten innerhalb von vier Stunden 200 bis 300 Millimeter Niederschlag. Im Stadtgebiet lag die aufsummierte Regenmenge dagegen bei weniger als 100 Millimetern.
Die Zahlen zeigen: Das Wasser staute sich nicht vor allem wegen starken Regens in der Stadt. Es kam als Schlammflut aus den höher gelegenen Waldgebieten und strömte schnell in die tiefer liegenden Gemeinden.
Nan erlebte kein „Rainbomb“-Ereignis
Der Direktor der Wettervorhersageabteilung, Suraphong Sarapa, wies die Vermutung zurück, dass der Starkregen ein „Rainbomb“ gewesen sei. Bei diesem Wetterereignis fällt der Regen in einem sehr kleinen Gebiet, etwa in einem Dorf, einem Unterbezirk oder höchstens einem Bezirk.
Ein einzelner Gewitterwolkenkomplex kann dabei mehr als 100 Millimeter Regen in ein bis zwei Stunden abladen. In Nan zog dagegen eine große Regenwolkenfront gegen die Bergketten und brachte über mehrere Bezirke hinweg vier bis fünf Stunden lang Regen von durchschnittlich 40 bis 50 Millimetern pro Stunde.
Bergketten hielten die Regenwolken fest
Die steilen und zerklüfteten Gebirge Nans wirkten wie eine Barriere für die heranziehenden Monsunwolken. Dadurch fiel der Regen nicht nur punktuell, sondern über einem großen Gebiet und über längere Zeit.
Das Wasser sammelte sich in den Wäldern der oberen Einzugsgebiete. Als der Boden und die Vegetation die Mengen nicht mehr aufnehmen konnten, strömte das Wasser zeitversetzt als Sturzflut in die tiefer gelegenen Gebiete – teils in den frühen Morgenstunden nach mehreren Stunden Starkregen.
Klimawandel verstärkt das Regenverhalten
Die weltweit steigenden Durchschnittstemperaturen erhöhen die Verdunstung und die in der Luft gespeicherte Wärme. Dadurch können sich Regenwolken heftiger und schneller aufbauen, während sich das Regenverhalten gegenüber früher verändert.
Die Überschwemmung in Nan lässt sich laut Suraphong jedoch nicht mit der Erderwärmung allein erklären. Hinzu kommen Veränderungen in den Quellwaldgebieten, die besondere Topografie der Provinz und die Einflüsse von Tiefdruckgebieten und einer starken Monsunrinne.
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Die frühere Abnahme und Verschlechterung der Wälder ist dabei ein weiterer Faktor: Fehlt ausreichend dichte Vegetation, kann der Boden den Regen schlechter bremsen und beschatten, während höhere Oberflächentemperaturen die Wolkenhebung über den Bergen verstärken.
Monokulturen bremsen das Wasser schlechter
Natürliche Mischwälder bestehen aus großen und mittleren Bäumen, Sträuchern, Bodendeckern und einer dichten Schicht aus Laub. Baumkronen, Wurzeln und Pflanzenreste bremsen den Regen und halten einen Teil des Wassers zurück, bevor es talwärts fließt.
Viele Flächen in den Bergen wurden jedoch für Monokulturen gerodet oder umgewandelt, etwa für Mais, Kautschuk oder Ölpalmen. Dort trifft der Regen direkter auf den Boden und fließt schneller in tiefer gelegene Gebiete ab.
Siedlungen verändern natürliche Wasserwege
Auch Siedlungen, Straßen, Versorgungsanlagen und andere Bauten haben die Landschaft verändert. Sie liegen teilweise in Bereichen, in denen sich Wasser bei Starkregen früher auf natürliche Weise ausbreiten konnte.
Dadurch verlagern sich die Abflusswege. Das Wasser gelangt direkt in Gemeinden und Wohngebiete, anstatt wie früher vor allem in Bäche oder Flüsse abzufließen.
Schlammfluten erreichten die Stadt aus mehreren Richtungen
Die dunkle Schlammfarbe des Wassers entstand durch mitgerissene Bodensedimente aus den Bergen und den landwirtschaftlich genutzten Flächen. Weil der Regen die oberen Waldgebiete großflächig erfasste, breitete sich die Flut in der Stadt aus fast allen Richtungen aus.
Das Wasser traf dadurch direkt auf Häuser und andere Grundstücke. Es floss nicht ausschließlich in die großen Flussläufe, wie es unter normalen Bedingungen häufig der Fall ist.
Zuständigkeiten von zwei Forstbehörden überschneiden sich
Nach Angaben des Generaldirektors der Forstbehörde, Nikorn Sirirojananon, liegen 80 bis 90 Prozent der Quellgebiete, aus denen das Flutwasser kam, fast vollständig in Nationalparks auf den steilen Bergketten.
Unterhalb der Nationalparks erreichte das Wasser vor allem Dörfer und landwirtschaftlich genutzte Flächen in staatlichen Waldschutzgebieten. Diese stehen unter der Zuständigkeit der Forstbehörde, die deshalb bei der Hilfe für die betroffene Bevölkerung die Federführung übernahm.
Hilfe für Betroffene und Änderungen in den Quellgebieten
Die Forstbehörde sollte den Transport von Gegenständen an höher gelegene Orte, die Evakuierung von Betroffenen sowie die Hilfe nach dem Rückgang des Wassers koordinieren. Dazu gehören auch die Reinigung von Häusern und die Reparatur beschädigter öffentlicher Einrichtungen.
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Die Ereignisse zeigen nach Einschätzung der Verantwortlichen, dass Hochwasserschutz mehrere Bereiche verbinden muss. Neben dem Wetter und dem Klimawandel geht es um die Zusammenarbeit der zuständigen Behörden sowie um eine strengere Steuerung der Landnutzung in den Quellgebieten, damit natürliche Rückhaltefunktionen erhalten bleiben.

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