BANGKOK, THAILAND – Premierminister Anutin Charnvirakul stellt ein Solarprogramm für Privathaushalte als Teil eines größeren Umbaus der Energieversorgung vor. In einer ersten Phase sollen eine Million Haushalte jeweils 50.000 Baht erhalten. Zugleich lehnt der Regierungschef eine Senkung aller Kraftstoffsteuern gleichzeitig ab und will die Landwirtschaft zum neuen Wachstumsmotor machen.
Eine Million Haushalte sollen eigenen Strom erzeugen
Anutin, der zugleich Innenminister ist, sprach am 31. Oktober in der Sendung „Gespräch mit Premierminister Anutin“ über das Programm. Er beschrieb es als Teil eines Umbaus der Energiestruktur und nicht nur als kurzfristige Hilfe gegen Stromrechnungen. Die erste Phase sieht eine Million Haushalte vor, die jeweils 50.000 Baht bekommen sollen.
Wer mehr Strom erzeugt, als er selbst verbraucht, kann den Überschuss an die staatliche Stromversorgung verkaufen. Damit entsteht für die Haushalte ein zusätzliches Einkommen. Nach Anutins Worten verringert das Programm die Abhängigkeit von importiertem Rohöl und fossiler Energie aus dem Ausland, gerade weil es in mehreren Regionen der Welt Konflikte gibt.
Opposition spricht von einem Blankoscheck
Die Opposition kritisiert, das Kreditpaket für das Solarprogramm sei ein Blankoscheck. Anutin wies diesen Vorwurf zurück und warf den Kritikern vor, ohne ausreichende Daten zu arbeiten und sich nicht gründlich einzuarbeiten. Sie wollten nur angreifen und andere schikanieren, sagte er.
Anutin behauptete zudem, die Angaben der Opposition seien bei fast allen ihrer Vorwürfe falsch. Wenn die Regierung auf solche Stimmen höre, müsse sie ihren Kurs ändern, und dann könne sie nicht regieren.
Kreditgremium soll Vorhaben prüfen
Anutin erklärte, die Politik der Regierung laufe nicht einfach von oben nach unten durch. Vorhaben müssten zuerst durch Beamte geprüft und gebilligt werden, die die Maßnahmen umsetzen. Für die Kredite nach dem Notstandsdekret (พ.ร.ก.) gibt es ein Gremium, das über die Kreditvergabe entscheidet.
Den Vorsitz in diesem Gremium hat der Ständige Sekretär des Finanzministeriums. Nach Anutins Darstellung müssen die Mitglieder nicht jeder Weisung der Regierung folgen, wenn sie dem Land nicht nützt. Die Kreditentscheidung liegt damit nicht allein bei der Regierung.
Keine Steuersenkung auf alle Kraftstoffe gleichzeitig
Anutin lehnt es ab, die Steuern auf alle Kraftstoffe gleichzeitig zu senken. Stattdessen will die Regierung die Steuern auf E20 und B20 senken, also auf Benzin mit Ethanolzusatz und Diesel mit Biodieselzusatz. Der Preisunterschied soll Verbraucher dazu bringen, häufiger Biokraftstoffe zu tanken.
Davon sollen auch die Bauern profitieren, weil ihre Maschinen- und Transportkosten sinken. Zugleich steigt die Nachfrage nach Palmöl, Zuckerrohr und Maniok, aus denen Biodiesel und Ethanol gewonnen werden. Die Benzinsorten 91 und 95 hängen nach Anutins Angaben noch von importierten Rohstoffen ab. Eine Senkung aller Steuern würde dem Staat große Einnahmen kosten, die für Straßen, Hochwasserschutz, Hilfen für Bürger und öffentliche Dienste fehlen würden.
Investoren planen 100 Milliarden Baht bis 2030
Hightech-Unternehmen, die sich mit Anutin getroffen haben, planen nach seinen Angaben bis 2030 Investitionen von insgesamt rund 100 Milliarden Baht in Thailand. Bereits rund 80 Milliarden Baht seien investiert. Als Stärken des Landes nannte er die Logistik, eine verlässliche Energieversorgung und Arbeitskräfte, die Technologie aufnehmen können.
Thailand dürfe nicht nur mit billigen Löhnen konkurrieren, betonte Anutin. Gefragt seien Lieferketten, Forschung und Entwicklung, Wissenstransfer und bessere Qualifikation. Nach seinen Worten nannten die Investoren niemals günstige Arbeitskräfte als Vorteil. Sie sprachen stattdessen über Bildung, Zugang zu Technik, KI-Kenntnisse und junge Thailänder, deren Niveau sie akzeptabel fanden.
Regierung will ausländische Arbeitskräfte prüfen
Die Regierung will nach Anutins Worten den Anteil ausländischer Beschäftigter bei neuen Investitionen prüfen. Neue Investitionen sollen Arbeitsplätze für Thailänder schaffen.
Die Investitionsbehörde BOI soll als zentrale Anlaufstelle (One Stop Service) Probleme von Investoren lösen. Das geschieht innerhalb des gesetzlichen Rahmens, wie Anutin sagte.
Kabinettssitzung in Udon Thani soll Agrarthema aufgreifen
Die nächste Kabinettssitzung findet in der kommenden Woche außerhalb des üblichen Sitzungsorts in der Provinz Udon Thani statt. Dort will die Regierung ihre nationale Agenda für die Landwirtschaft beraten und Leitlinien festlegen. Udon Thani gilt als wichtiges Zentrum im Nordosten des Landes, und die Regierung will die Landwirtschaft zu einem weiteren Wachstumsmotor machen.
Anutin betonte, die künftige Wirtschaftsstruktur müsse Energie, Investitionen, Technologie und Landwirtschaft gleichzeitig vorantreiben. Die Ernährungssicherheit sieht er als strategische Stärke Thailands. Das Land verfüge über eine reichhaltige Lebensmittelbasis und könne Lebensmittel in mehrere Regionen der Welt liefern.
Gewinne aus dem Agrarexport sollen bei den Bauern ankommen
Der Nutzen aus dem Export müsse bei den Landwirten ankommen und dürfe nicht nur in Exportstatistiken auftauchen, sagte Anutin. Ein wohlhabender Bauer bedeute für die Regierung bessere Lebensqualität, ausreichendes Einkommen, Ersparnisse und kein Leben in der Schuldenfalle.
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