Er möchte nicht, dass sein Name fällt. Nicht der Name des Shops, nicht die Straße, nicht mal der Stadtteil in Phuket. Aber er möchte reden. Seit vier Jahren betreibt er einen Cannabis-Shop auf der Insel, hat den Boom miterlebt, die wilden Jahre, und jetzt das, was er selbst „die stille Bereinigung“ nennt. Seine Geschichte ist die Geschichte von ein paar tausend Betreibern, die noch übrig sind — und von noch mehr, die aufgehört haben.
Er hat den Boom erlebt — und den Absturz
Als Thailand Cannabis 2022 aus dem Betäubungsmittelrecht strich, waren innerhalb von Monaten überall Shops. In Phuket schossen sie aus dem Boden wie Massagesalons nach einem Regenguss. „Ich war dabei, als es losging“, sagt er. „Drei Wochen nach der Änderung hatte ich meinen ersten Laden. Sechs Monate später standen links und rechts von mir je einer.“ Er lacht. Nicht laut, eher müde. Das war 2022.
2025 kam dann die Wende. Cannabis-Blüten wurden als „kontrolliertes Kraut“ eingestuft, Rezeptpflicht eingeführt, und die Behörden fingen an, Lizenzen zu prüfen. Von rund 18.000 Betrieben, die es auf dem Höhepunkt gab, sind heute noch etwa 11.000 übrig. „Meine beiden Nachbarn haben Ende 2025 aufgehört“, sagt er. „Einer von links, einer von rechts. Jetzt stehen da Schilder drin, die Massage anbieten.“
Wer wirklich an der Tür klingelte
Die Vorstellung, Cannabis-Touristen würden seinen Laden füllen, stimmt nur halb. „In den ersten Jahren, ja. Da kamen Backpacker, Partyleute, Leute auf der Suche nach einem Erlebnis.“ Aber das war nie die Mehrheit seiner Kunden. Die Mehrheit war älter, ruhiger, oft deutsch- oder französischsprachig. Männer über fünfzig, sagt er, die mit Rückenproblemen ankamen oder mit Schlafstörungen. Keine Partygäste, sondern Leute, die zuhause irgendetwas ausprobiert hatten und in Thailand weitermachen wollten.
„Ich hatte einen Deutschen, der jeden Monat vorbeikam. Immer derselbe, immer das gleiche Produkt, immer höflich.“ Der Mann sei irgendwann ausgewandert und lebe jetzt in der Nähe von Phuket. Er gehört heute zu den Stammkunden, die das neue System kennen und damit umgehen können. Die anderen, die nur zwei Wochen auf der Insel waren, kommen weniger. Oder gar nicht mehr.
Die Deutschen kamen mit Fragen, die Thais mit Rezepten
Was ihn früh überraschte: Deutsche und Schweizer Kunden wollten fast immer zuerst reden. Herkunft des Produkts, Wirkstoffgehalt, Anbauweise. „Die haben Fragen gestellt, die meine thailändischen Kunden nie gestellt haben.“ Er fand das anfangs seltsam, später schätzte er es. Wer fragt, weiß was er kauft, und wer weiß was er kauft, kommt wieder. Das sei sein Geschäftsprinzip bis heute.
Seit der Rezeptpflicht 2025 hat sich das gedreht. Thailändische Patienten kommen heute oft schon mit Rezept in der Hand, ausgestellt von einem Arzt für Traditionelle Medizin. Europäische Urlauber dagegen stehen manchmal vor der Tür und haben keine Ahnung, was ein PT33-Rezept ist. „Ich schicke sie dann weiter. Zu einem Arzt, der online berät. Das dauert manchmal zwanzig Minuten, manchmal eine Stunde.“ Manche kommen zurück, viele nicht.
Das Rezept-Theater: wie es im Alltag wirklich läuft
Das PT33-Formular ist der Kern des neuen Systems. Wer Cannabisblüten kaufen will, braucht es — ausgestellt von einem lizenzierten Arzt, gültig für maximal dreißig Tage. Für seinen Shop bedeutete das: Ein Arzt, der die Konsultationen übernimmt, muss während der Öffnungszeiten vor Ort sein. „Das war die teuerste Entscheidung, die ich 2025 getroffen habe.“ Viele seiner Kollegen hätten das nicht finanzieren können oder wollen. Deswegen hätten sie zugemacht.
Für die Kunden koste die erste Konsultation zwischen 300 und 500 Baht, sagt er. „Das ist nicht viel, aber manche Touristen reagieren trotzdem überrascht.“ Wer chronische Schmerzen, Schlafprobleme oder ähnliche Beschwerden beschreibt, bekommt das Rezept meist problemlos. Die Konsultation ist keine Hürde, sie ist Bürokratie — und Bürokratie, so sagt er, hält Leute ab, die es eigentlich ernst nehmen würden.
Der Tag, an dem die Behörde vor der Tür stand
Im Frühjahr 2026 kamen Beamte. Nicht bei ihm, aber bei vier Shops in der Nähe. Er hat es mitbekommen, weil die ganze Straße es mitbekommen hat. Lizenzentzug, Beschlagnahmung, ein Betreiber musste die Polizeidienststelle besuchen. „Das war der Moment, in dem alle kapiert haben: Das ist kein Spiel mehr.“ Er habe selbst nochmal alle Unterlagen durchgeschaut, den Arzt gefragt, ob alles stimmt, und dann gewartet.
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Bei ihm selbst war alles in Ordnung. Lizenz aktuell, Arzt vor Ort, Dokumentation vollständig. „Ich war vorbereitet, aber trotzdem nervös.“ Was er bei seinen Kollegen gesehen hat, die Probleme bekamen: fehlende Aufzeichnungen, Kunden, die im Laden geraucht haben, Produkte ohne GACP-Nachweis. „Wer das noch nicht verstanden hatte, hat es an dem Tag verstanden.“
Sieben von zehn Nachbarn haben zugemacht
Er schätzt, dass in seiner Gegend etwa sieben von zehn Shops, die 2023 noch offen waren, heute geschlossen sind. Nicht alle wegen Verstößen — die meisten wegen schlichter Erschöpfung. „Der Aufwand ist größer geworden, die Marge kleiner, und die Kunden, die einfach so reinkamen, kommen nicht mehr einfach so rein.“ Wer heute einen Cannabis-Shop in Phuket betreibt, braucht eine Lizenz, einen Arzt, GACP-zertifizierte Ware und Buchhaltung über jeden Verkauf. Das sei kein Hobbyunternehmen mehr.
Die verbliebenen Betriebe seien deswegen professioneller, sagt er, ohne das als Lob gemeint zu haben. Es ist eine Feststellung. Wer noch da ist, hat investiert. Wer nicht investieren wollte oder konnte, ist weg. „Das Seltsame ist: Das Produkt ist dasselbe wie 2022. Nur der Papierkram hat sich verdreifacht.“ Er tippt auf seinen Schreibtisch. Da liegen Ordner.
Was er seinen europäischen Stammkunden heute sagt
Expats, die schon länger in Phuket leben, haben das System meist verstanden. Sie kennen einen Arzt, haben ihr Rezept, kommen regelmäßig. Für Urlauber aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz, die zwei Wochen auf der Insel sind, ist der Weg etwas länger. „Ich sage ihnen: Erst zum Arzt, dann zu mir. Das dauert einen halben Tag. Wer das nicht will, kann CBD-Produkte kaufen — die brauchen kein Rezept.“ CBD mit weniger als 0,2 Prozent THC ist frei erhältlich, in Apotheken, Shops, teils sogar in Supermärkten.
Was er nicht mehr sagt: „Kein Problem, komm einfach rein.“ Das war 2023. Heute ist er vorsichtiger, nicht weil er Angst hätte, sondern weil ein Fehler die Lizenz kostet. Und die Lizenz ist das Einzige, was seinen Laden von einem leeren Ladenlokal mit Pflanzendeko unterscheidet.
Mit dem Koffer raus aus Thailand — der häufigste Fehler
Das Thema, das er am häufigsten anspricht, wenn Touristen seine Beratung suchen: Ausfuhr. Seit Juni 2026 ist der Versuch, Cannabis aus Thailand mitzunehmen, deutlich härter bestraft als vorher. Bis zu zehn Jahre Haft, Geldstrafen bis zu 500.000 Baht. „Ich sage das jedem, der bei mir kauft: Was hier bleibt, bleibt hier.“ Manche nicken, manche schauen ihn an, als hätte er etwas Selbstverständliches gesagt. Trotzdem gehen an den Flughäfen weiterhin Menschen durch Kontrollen mit Produkten im Koffer.
Ein Rezept und eine Kaufquittung schützen im Inland, etwa bei einer Polizeikontrolle auf der Straße. Am Flughafen helfen sie nichts, wenn man ins Ausland will. Das Rezept gilt für Thailand, nicht für den Heimflug. „Wer das verwechselt, hat ein echtes Problem.“ Er sagt das ohne Dramatik, aber bestimmt. Es ist der Satz, mit dem er fast jede Beratung beendet.
Ob er es nochmal machen würde
Die Frage, die er sich selbst manchmal stellt. 2022 war es eine klare Sache: ein wachsender Markt, geringe Einstiegshürde, gute Margen. Heute ist der Markt kleiner, die Hürden höher, und die Margen haben sich eingeengt. „Ich würde es wieder machen, aber nicht mehr so blauäugig.“ Wer heute einen Shop eröffnen will, braucht Kapital für die Lizenz, einen Arzt auf der Gehaltsliste und Ware, die zertifiziert ist. Das ist kein Schnellstart mehr.
Was geblieben ist: die Kunden, die er kennt, und das Gefühl, dass das, was er verkauft, für manche tatsächlich hilft. Nicht für alle, nicht immer, aber genug, um weiterzumachen. „Es ist ein medizinisches Produkt. Das klingt trocken, aber es stimmt.“ Er hat aufgehört, sich zu erklären — gegenüber Behörden, Nachbarn, Touristen. Er hat eine Lizenz. Er hat einen Arzt. Er macht seinen Job.
Phuket 2026: nüchtern, geordnet, irgendwie seltsam still
Wer heute durch Patong oder die Altstadt von Phuket läuft, sieht weniger grüne Kreuze als noch vor zwei Jahren. Die Shops, die noch offen sind, wirken ruhiger, aufgeräumter. Kein Geruch zieht durch die Tür, keine laute Musik, niemand, der von der Straße winkt. „Es ist professioneller geworden“, sagt er. Ob das gut ist, lässt er offen. Es ist halt so.
Was er sich wünscht: dass Touristen, die seinen Shop besuchen, vorbereitet kommen. Nicht mit falschen Erwartungen aus 2022, nicht mit einer Geschichte, die sie irgendwo gelesen haben. Sondern mit dem Wissen, dass Thailand ein legales System hat — das aber Regeln kennt, die er nicht erfunden hat und nicht umgehen will. „Wer die Regeln kennt, hat kein Problem. Wer sie ignoriert, hat meistens ein sehr teures Problem.“
Redaktionelle Hinweise
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Der Gesprächspartner ist der Redaktion bekannt. Name, Standort und identifizierbare Details werden auf seinen Wunsch nicht veröffentlicht. Angaben zu Strafen, Rezeptgültigkeit und Shopzahlen wurden von der Redaktion geprüft. Die Aussagen des Betreibers spiegeln seine persönliche Einschätzung wider. Kein Aufruf zum Konsum. Wichtig: Cannabis darf nicht aus Thailand ausgeführt werden. Seit Juni 2026 drohen bis zu zehn Jahre Haft und bis zu 500.000 Baht Geldstrafe.

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