Bangkok, Thailand – In einem 30 bis 35 Quadratmeter großen Zimmer waren 64 Menschen gemeldet. Die Polizei weitet ihre landesweiten Ermittlungen gegen den Missbrauch sogenannter „Pink Cards“ aus und will die Register nun bis zu zehn Jahre zurückprüfen. Ausländische Staatsangehörige sollen Vermittler bezahlt haben, um in Hausregister aufgenommen zu werden und staatliche Leistungen zu erhalten.
64 Menschen in einem einzigen Zimmer gemeldet
Die Ermittlungen begannen am 30. März im Bezirk Wang Noi in der Provinz Phra Nakhon Si Ayutthaya. Die Spur führte nach Din Daeng in Bangkok, wo in 44 von 5.726 Zimmern in 63 Gebäuden mindestens 16 Personen registriert waren.
Die Polizei erwirkte Haftbefehle gegen sieben Menschen: drei Staatsbeamte, drei eingetragene Haushaltsvorstände und eine Person, der eine Falschaussage vorgeworfen wird. Alle wurden festgenommen und legten Geständnisse ab. Der Polizeikommissar Pol Lt Gen Noppasin Poolsawat sprach von Korruption durch Beamte, weil vorab unterschriebene Dokumente angenommen und Einträge ohne persönliches Erscheinen der Haushaltsvorstände bearbeitet worden seien.
Prüfung der Register reicht bis zu zehn Jahre zurück
Die Untersuchung der „Pink Cards“ wird derzeit auf die vergangenen fünf Jahre ausgeweitet. Nach Angaben der Polizei sollen die Kontrollen bis zu zehn Jahre zurückreichen.
Bangkoks Gouverneur wies alle 50 Bezirksämter an, ungewöhnlich viele Inhaber von „Pink Cards“ zu prüfen. Die Behörde für Provinzverwaltung forderte Beamte im ganzen Land auf, mögliche Korruption bei Einträgen mit den Präfixen G, Null und 7 sowie bei „Pink Cards“ zu untersuchen.
Ermittler verfolgen drei Spuren
Die Royal Thai Police arbeitet mit der Behörde für Provinzverwaltung und weiteren Stellen in drei Bereichen. Untersucht werden manipulierte Melderegister mit „Pink Cards“, falsche Vaterschaftsanmeldungen zur Erlangung der thailändischen Staatsangehörigkeit sowie thailändische Strohleute, die Land oder Unternehmen für Ausländer halten.
Noppasin bezeichnete falsche Vaterschaftsanmeldungen als langfristiges Risiko für die nationale Sicherheit. Vereinbarungen mit thailändischen Strohleuten könnten nach seinen Angaben die wirtschaftliche Sicherheit gefährden.
309 Grundstücke im Visier der Polizei
Die Ermittlungen zu Grundstücken auf den Namen thailändischer Strohleute liefen in sieben Phasen. Betroffen waren Koh Pha Ngan, Koh Samui, Phuket, Krabi, Phang Nga, Chon Buri, Chiang Mai und Hua Hin.
Die Polizei beschlagnahmte 309 Grundstücke mit einer Gesamtfläche von 34,72 Hektar. Der Wert wurde mit 4,339 Milliarden Baht angegeben, umgerechnet rund 120 Millionen US-Dollar. Rechtliche Schritte wurden eingeleitet.
1.494 Verdachtsfälle bei Vaterschaftsanmeldungen
Die Ermittlungen zu falschen Vaterschaftsanmeldungen durchliefen zwei Phasen. Die erste konzentrierte sich auf ein Krankenhaus im Raum Thon Buri und führte zu 33 Festnahmen. In einer zweiten Untersuchung zu einem Krankenhaus nahe Rama IX wurden sechs Haftbefehle erlassen; zwei Menschen wurden bisher festgenommen.
JETZT den Wochenblitz WERBEFREI lesen!
Insgesamt prüfen die Behörden 1.494 Verdachtsfälle an acht Krankenhäusern. Dieser Bereich ist laut Polizei am schwierigsten zu untersuchen, weil DNA-Tests nötig sind. Befindet sich die ausländische Mutter mit ihrem Kind außerhalb Thailands, können die Tests nicht durchgeführt werden.
Geld für DNA-Tests fehlt noch
Für die benötigten DNA-Reagenzien ist bislang kein Geld bereitgestellt worden. Der Generaldirektor der Behörde für Provinzverwaltung stimmte zu, Mittel aus dem Zentralhaushalt für den Kauf der benötigten Reagenzien vorzuschlagen.
Eine weitere Beschwerde aus Phaya Thai ergab, dass 111 Menschen an einer einzigen Adresse gemeldet waren, ohne dass der Haushaltsvorstand davon wusste. Die Polizei bittet die Bevölkerung um Hinweise und verspricht, die Identität von Informanten zu schützen. Bei einer Umfrage des NIDA vom 19. Juli nannten die Befragten Investitionen in illegale oder sogenannte graue Geschäfte als größte Sorge, gefolgt von Landbesitz über Strohleute und falschen Vaterschaftsanmeldungen durch thailändische Männer, um ausländischen Kindern die thailändische Staatsangehörigkeit zu sichern.
Lesen Sie auch: Thailand prüft Ausländer-Melderegister
Was denkst du darüber? Schreib uns deine Meinung in die Kommentare.
Lesen Sie auch: Thailand enteignet Ausländer-Firmen

Wichtiger Hinweis für unsere Leser
Wir freuen uns auf Ihren Beitrag! Bitte beachten Sie für ein freundliches Miteinander unsere Regeln: