Das Steuer-Rätsel: Zahlen Ausländer in Thailand wirklich?

58 Prozent der befragten Expats wollten 2025 keine Steuererklärung abgeben – aber offizielle Zahlen? Die veröffentlicht Thailands Behörde schlicht nicht.

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Unsere Leser stellen eine berechtigte Frage: Wie viele Ausländer haben eine Thai Tax-ID beantragt? Wie viele haben für 2025 eine Steuererklärung abgegeben? Wie viele Verfahren wegen Steuerhinterziehung laufen gegen Expats? Wir haben nachgeforscht – und die Antwort ist ernüchternd.

Was die Recherche ergibt: Diese Zahlen existieren zwar, aber das Thai Revenue Department veröffentlicht sie nicht aufgeschlüsselt nach Nationalität oder Aufenthaltsstatus. Das ist kein Versehen – es ist strukturell. Und genau darin liegt das eigentliche Problem. Dieser Artikel zeigt, was tatsächlich bekannt ist, was nicht – und was das für Expats in Thailand bedeutet.

Was wirklich öffentlich bekannt ist

Eine Zahl kursiert, die aufhorchen lässt. Eine Umfrage des englischsprachigen Portals Thai Examiner aus dem Jahr 2024 zeigt: 58 Prozent der befragten Ausländer gaben an, für das Steuerjahr 2024 keine Erklärung einreichen zu wollen. Nur 16 Prozent planten, professionelle Hilfe zu suchen. Das ist keine offizielle Statistik – aber es ist der einzige annähernd belastbare Hinweis auf das Ausmaß der Nicht-Compliance.

Zum Vergleich: In Thailand sind nach Behördenangaben mehr als 3,3 Millionen ausländische Arbeitnehmer registriert (Stand August 2024). Die Schätzungen für dauerhaft lebende Ausländer – also jene, die potenziell die 180-Tage-Grenze überschreiten – liegen je nach Quelle zwischen 300.000 und 500.000 Personen. Wie viele davon eine Tax-ID haben, wie viele eine Erklärung abgegeben haben: Das Revenue Department nennt keine Zahl.

Warum das Revenue Department keine Details nennt

Thailands Steuerbehörde veröffentlicht Jahresberichte – aber keine Aufschlüsselung nach Nationalität oder Aufenthaltsstatus. In Thailand war die steuerliche Erfassung von Ausländern mit Auslandseinkommen bis Ende 2023 faktisch eine Randerscheinung. Die Remittance-Regel seit Januar 2024 hat das auf dem Papier geändert, die Erfassung aber noch nicht nachgeholt.

Hinzu kommt: Das Revenue Department und die Einwanderungsbehörde teilen ihre Daten offiziell (noch) nicht. Wer ein Rentnervisum verlängert, muss derzeit keine Steuerunterlagen vorlegen. Die Behörden kommunizieren nicht automatisch miteinander. Was technisch möglich wäre – ein Abgleich von Einreisedaten mit Steuererklärungen – findet bislang nicht systematisch statt.

Strafverfolgung: Was bekannt ist – und was nicht

Verfahren wegen Steuerhinterziehung gegen Ausländer? Einzelne Fälle sind aus der Fachliteratur bekannt, öffentlich dokumentierte Zahlen gibt es nicht. Steuerhinterziehung ist in Thailand ein Straftatbestand: Es drohen Geldstrafen bis 200.000 Baht und bis zu sieben Jahre Haft. Das Revenue Department hat zudem das Recht, Steuerbescheide bis zu zehn Jahre rückwirkend zu prüfen. Ob und wie oft das bei Ausländern angewendet wird – unbekannt.

Was dagegen belegt ist: Thailand nimmt am automatischen Informationsaustausch der OECD teil (Common Reporting Standard, CRS). Das bedeutet, dass ausländische Banken Kontodaten von in Thailand ansässigen Personen an die Thai-Behörden melden können – und umgekehrt. Die technische Infrastruktur für schärfere Durchsetzung ist also vorhanden. Ob sie für Privatpersonen mit Auslandseinkommen aktiv genutzt wird, bleibt unklar.

Das Vollzugsdefizit: niemand kennt seine Größe

Genau das ist das Kernproblem – und der Kern der berechtigten Leserkritik. Weil keine verlässlichen Zahlen veröffentlicht werden, lässt sich das Vollzugsdefizit nicht beziffern. Niemand weiß, ob das Revenue Department 5 Prozent oder 80 Prozent der steuerpflichtigen Ausländer tatsächlich erfasst hat. Niemand weiß, wie viele der abgegebenen Erklärungen geprüft wurden. Und niemand weiß, wie viele Ausländer ohne Konsequenz nie eine Erklärung eingereicht haben.

Das schafft ein Klima der Ungewissheit, das in beide Richtungen wirkt: Wer compliant ist, weiß nicht, ob sich der Aufwand lohnte. Wer es nicht ist, weiß nicht, wie groß das Risiko ist. Diese Lücke füllt die Gerüchteküche in Expat-Foren – nicht selten mit Falschinformationen in beide Richtungen. Eine transparente Datenpolitik des Revenue Department würde das ändern. Derzeit gibt es sie nicht.

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Was Expats trotzdem wissen müssen

Die rechtliche Lage ist trotz fehlender Statistiken eindeutig: Wer sich mehr als 180 Tage im Kalenderjahr in Thailand aufhält und ab 2024 erzielte Auslandseinkünfte ins Land überweist, ist steuerpflichtig. Eine Tax-ID ist Voraussetzung für die Abgabe der Steuererklärung (Formular PND 90), die bis 31. März des Folgejahres fällig ist – elektronisch bis 9. April. Wer unter den Freibetrag von 120.000 Baht Jahreseinkommen fällt, zahlt keine Steuer, ist aber formal trotzdem zur Erklärung verpflichtet.

Praktisch ratsam: Die fehlende Strafverfolgungsstatistik ist kein Freifahrtschein. Thailand strebt bis 2030 die OECD-Vollmitgliedschaft an – das bedeutet steigende Transparenzpflichten und einen dichteren Datenaustausch. Wer heute keine Unterlagen führt, hat morgen ein Problem – unabhängig davon, ob heute verfolgt wird.

Besonders für jene, die Einkommen aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz beziehen und regelmäßig nach Thailand überweisen, ist professionelle Beratung sinnvoll.

Redaktionelle Hinweise

Dieser Artikel gibt den Stand der öffentlich verfügbaren Informationen wieder. Er ersetzt keine individuelle Steuerberatung. Wer unsicher ist, ob und wie er in Thailand steuerpflichtig ist, sollte sich an einen zugelassenen Steuerberater mit Thailand-Erfahrung wenden.

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12 Kommentare zu „Das Steuer-Rätsel: Zahlen Ausländer in Thailand wirklich?

  1. Das RDT prüft Steuerbescheide der letzten 5 Jahre. Die Verjährungsfrist für nicht deklarierte steuerpflichtige Einkünfte beträgt 10 Jahre

    1. Vor allem weil unterschlagen wird, dass man als ausländischer Steuerresident theoretisch auch schon vor 2024 zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet gewesen wäre. Daran hat auch die Verwaltungsvorschrift der sogenannten „Remittance-Regel“ seit 2024 rein gar nichts verändert.
      Ich weiß es ja auch nicht, aber es muss sich scheinbar um ein Riesengeschäft für sogenannte Berater handeln, insbesondere ausländische Rentner als Kunden zu gewinnen. Warum sonst wird mit Halbwahrheiten, Uminterpretierung des deutsch/thailändischen DBA ins Gegenteil des Geschriebenen und einer willkürlichen, oftmals gegensätzlichen Auslegungen in den lokalen Finanzämtern ständig Angst und Schrecken für nichts und wieder nichts verbreitet?
      Wenn es etwas Schädliches für Thailand als Auswanderungsziel für Rentner geben sollte, dann ist es wie man mit dieser Thematik umgeht.

  2. Professionelle Beratung ist sinnvoll…aha. Und dann? Was kann der „Berater“ mir denn erzählen, es ist doch alles, wirklich alles noch im Unklaren und jedes Revenue Departement sagt was anderes, bzw., die wissen gar nicht was man eigentlich will.

    1. was ist denn unklar? Ich lasse meine deutsche Rente nach Thailand überweisen und habe für die Steuerjahre 2024 und 2025 Steuern bezahlt.

        1. wer zahlen muss, ist klar definiert! 😁ich werde die, die in mehreren Jahren eine dicke Strafe wegen Steuerhinterziehung zahlen müssen nicht bedauern!

      1. Was ist unklar? Siehe den Bericht oben. Und meine eigene Erfahrung beim hiesigen FA. TIN bekommen, mir wurde gesagt, alles erledigt, brauche nichts mehr zu machen. Mein Kumpel, der nach mir dran war, hat noch nicht mal die TIN erhalten, war ein anderer Sachbearbeiter. Aber wie ich schon sagte, es bleibt jedem selbst überlassen, was er macht oder nicht.

      2. ich nicht-lasse meine rente 3200 euro auf mein deutsches konto überweisen–steuern in thailand?was ist das?die sollen lieber ihre klienten abzocken

  3. …erstmal Danke an die Redaktion für die Klarstellung, die letztendlich vermuten lässt das man in Thailand mit den Steuern für den „kleinen Mann“ ebenso umgeht wie mit vielen anderen Verordnung des Alltags. Es ist ein strukturelles Problem für dessen Lösung bis 2030 nicht mehr viel Zeit bleibt.

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