Eine Million Baht statt zwei, zwei Thai-Angestellte statt vier – wer mit seiner Frau eine Firma gründen will, hört diese Zahlen meist zuerst. Sie klingen nach einem Schnäppchen, und gemessen am Standardweg sind sie das auch. Was dabei oft untergeht: Die Erleichterung gilt nur für den Einstieg, nicht für den Betrieb danach.
Wer eine eigene Thai-Limited-Company gründet, um sich selbst eine Work Permit zu sichern, zahlt nicht nur das Stammkapital ein. Sozialversicherung, Mindestlohn, Mehrwertsteuer und Buchhaltungspflichten laufen unabhängig vom Visumsbonus weiter – und summieren sich Monat für Monat. Dieser Artikel rechnet durch, was nach der Gründung wirklich anfällt.
Die Ehe-Erleichterung beim Work Permit
Wer mit einer Thailänderin verheiratet ist, profitiert beim Work Permit von einer spürbaren Erleichterung. Statt zwei Millionen Baht Stammkapital reicht eine Million, statt vier Thai-Angestellten genügen zwei. Auch die sonst übliche Mindesteinkommens-Anforderung von rund 50.000 Baht monatlich entfällt.
Diese Regelung gilt nur für den Antragsteller selbst, nicht automatisch für weitere ausländische Mitarbeiter im selben Unternehmen. Jeder zusätzliche Ausländer ohne Thai-Ehepartner braucht die volle Kapitalsumme von zwei Millionen Baht für seinen eigenen Antrag.
Welches Visum überhaupt nötig ist
Das Non-OA-Rentnervisum berechtigt unter keinen Umständen zu einer Work Permit, auch nicht in Verbindung mit einer Heirat. Wer arbeiten oder eine Firma leiten will, braucht das Non-Immigrant-O-Visum in der Ehe-Variante oder ein Non-Immigrant-B-Visum.
Der Wechsel vom Rentnervisum zum Heiratsvisum ist möglich, sofern die Ehe in Thailand offiziell registriert ist. Wer den Antrag bereits mit gültigem Non-O-Heiratsvisum stellt, kann das im Land selbst tun, ohne dafür ausreisen zu müssen.
Die zwei Thai-Angestellten in der Praxis
Zwei Angestellte auf dem Papier wirken nach einer kleinen Hürde. In der Praxis bedeutet das zwei real existierende, sozialversicherte und angemessen bezahlte Arbeitsverhältnisse – keine Karteileichen für die Behörde. Immigration und Arbeitsministerium können den Firmensitz jederzeit unangemeldet prüfen.
Wird bei einer solchen Prüfung festgestellt, dass die Angestellten nur formal existieren, gilt das als Täuschung gegenüber der Behörde. Die Folge kann der Entzug der Work Permit sein, mit allen Konsequenzen für das daran gekoppelte Visum.
Was der Mindestlohn wirklich kostet
Der gesetzliche Mindestlohn liegt je nach Provinz zwischen 337 und 400 Baht pro Tag. In Bangkok und Phuket gilt seit Juli 2025 der obere Wert von 400 Baht. Hochgerechnet auf einen Monat mit 26 Arbeitstagen sind das pro Angestellten rund 10.400 Baht – für zwei Angestellte also gut 20.800 Baht monatlich, nur an Grundlohn.
In der Realität zahlen die meisten Arbeitgeber mehr als den gesetzlichen Mindestlohn, schon um überhaupt verlässliches Personal zu finden. Wer mit der absoluten Untergrenze plant, kalkuliert von Anfang an zu knapp.
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Sozialversicherung ab dem ersten Angestellten
Jeder Vollzeitangestellte muss ab dem ersten Arbeitstag beim Social Security Office angemeldet werden. Arbeitgeber und Arbeitnehmer zahlen je 5 Prozent des Lohns ein, begrenzt durch eine Bemessungsobergrenze. Diese liegt seit dem 1. Januar 2026 bei 17.500 Baht monatlich, vorher waren es 15.000 Baht.
Damit steigt der maximale Arbeitgeberanteil pro Angestellten auf 875 Baht im Monat, vorher waren es 750 Baht. Für zwei Angestellte sind das bis zu 1.750 Baht zusätzlich zum Lohn – eine Pflichtabgabe, die unabhängig von Umsatz oder Gewinn der Firma anfällt.
Die Mehrwertsteuer-Schwelle im Blick behalten
Sobald der Jahresumsatz der Firma 1,8 Millionen Baht übersteigt, wird die Registrierung für die Mehrwertsteuer Pflicht. Die Frist dafür beträgt 30 Tage nach Überschreiten der Schwelle, der Steuersatz liegt bei 7 Prozent auf den Umsatz.
Ab der Registrierung ist eine monatliche Mehrwertsteuererklärung beim Finanzamt Pflicht, unabhängig davon, ob in diesem Monat tatsächlich Umsatz erzielt wurde. Wer das übersieht, läuft schnell in Säumniszuschläge.
Buchhaltung ist keine Option, sondern Pflicht
Jede Thai-Limited-Company muss unabhängig von ihrer Größe einen geprüften Jahresabschluss erstellen. Dieser muss binnen vier Monaten nach Geschäftsjahresende von der Hauptversammlung genehmigt und anschließend binnen eines weiteren Monats elektronisch beim Revenue Department eingereicht werden.
Hinzu kommt die jährliche Körperschaftssteuererklärung sowie eine halbjährliche Zwischenerklärung bis Ende August. Wer diese Termine ohne lokale Buchhaltungsfirma im Blick behalten will, unterschätzt den Aufwand erheblich.
Wem die Firma am Ende wirklich gehört
Der Foreign Business Act begrenzt den ausländischen Anteilsbesitz an einer Thai Limited Company ohne Sonderlizenz auf 49 Prozent. Mindestens 51 Prozent der Anteile müssen von thailändischen Staatsbürgern gehalten werden – in der Praxis meist von der Ehefrau und weiteren Verwandten oder Bekannten.
Das bedeutet: Formal gehört die Firma mehrheitlich der Ehefrau, nicht dem ausländischen Ehemann. Strohmann-Konstruktionen, bei denen Thai-Gesellschafter Anteile ohne eigenes wirtschaftliches Risiko nur formal halten, sind nach thailändischem Recht illegal und können bei Entdeckung zur Auflösung der Firma führen.
Was bei einer Scheidung mit der Firma passiert
Da die Ehefrau mehrheitlich an der Firma beteiligt ist, hat sie bei einer Trennung die stärkere rechtliche Position. Der ausländische Ehemann verliert mit seinem Minderheitsanteil von höchstens 49 Prozent automatisch die Kontrolle über das Unternehmen, an dem seine eigene Work Permit hängt.
Ohne aufrechte Anstellung in der Firma erlischt in der Regel auch die Work Permit, und damit das daran gekoppelte Visum. Wer diesen Weg geht, sollte vorab mit einer Visaberatung mit Thailand-Erfahrung klären, wie Gesellschaftervertrag und Eheverhältnis im Trennungsfall zusammenspielen.
Nicht jede Tätigkeit ist erlaubt
Auch mit gültiger Work Permit darf nicht jeder Beruf ausgeübt werden. Die Reserved-Occupations-Regelung von 2022 listet aktuell 20 Berufsfelder, die ausschließlich Thai-Staatsbürgern vorbehalten sind, darunter einfache Handarbeit, Landwirtschaft, Friseurgewerbe und handwerkliche Produktion.
Wer mit seiner Firma in einem dieser Bereiche tätig werden will, braucht trotz Ehe-Erleichterung beim Kapital eine gesonderte Prüfung, ob die geplante Tätigkeit überhaupt zulässig ist. Diese Liste lässt sich vorab beim Arbeitsministerium oder über eine Rechtsberatung klären.
Was eine solche Firma im ersten Jahr kostet
Allein an laufenden Pflichtkosten kommen pro Monat schnell über 25.000 Baht zusammen: zwei Gehälter nahe dem Mindestlohn, die Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung, eine Buchhaltungsfirma für die laufende Lohn- und Finanzbuchhaltung. Die Work-Permit-Gebühr von 3.100 Baht pro Jahr wirkt dagegen wie eine Nebensache.
Wer mit Thai-Ehefrau eine Firma gründet, um die eigene Work Permit zu sichern, sollte diese laufenden Kosten von Anfang an einplanen – nicht erst, wenn die erste Behördenprüfung oder die erste Mehrwertsteuerfrist ins Haus steht.
Was jetzt zu tun ist
Die Kapital- und Personal-Erleichterung bei Ehe mit einer Thailänderin senkt die Einstiegshürde spürbar, ersetzt aber keine seriöse Kalkulation der laufenden Kosten. Sozialversicherung, Mindestlohn, Mehrwertsteuer-Schwelle und Jahresabschluss laufen unabhängig vom Visumsstatus weiter.
Wer den Schritt plant, sollte vor der Gründung eine Kostenrechnung für mindestens zwölf Monate aufstellen und mit einer lokalen Buchhaltungsfirma sprechen, statt sich allein auf die niedrigere Kapitalanforderung zu verlassen.
Anmerkung der Redaktion
Dieser Artikel ersetzt keine individuelle Rechts- oder Steuerberatung. Zahlen zu Mindestlohn, Sozialversicherung und Mehrwertsteuer beziehen sich auf den Stand Juni 2026 und können sich ändern.



In Thailand Firma gründen oder investieren ? Würde ich niemals machen. Der Protektionismus Thailands überträgt sich in viele andere Bereiche. Wie viele hatten schon teures Lehrgeld zahlen müssen ?
Ach da schau an! Da sind die Einschränkungen für Ausländer plötzlich ein No-Go. Wo doch der Patriotismus und der dadurch verursachte Protektionismus ansonsten doch so ein leuchtendes Vorbild für Europa abgibt.