Meine Schwägerin in Deutschland hat mich letzte Woche angerufen, ziemlich aufgeregt. Sie hatte gelesen, dass in Thailand gerade Tausende Studienanfänger positiv auf Leberegel getestet wurden, weil sie rohen, unzureichend fermentierten Fisch gegessen hatten – die Rede war von Parasiten und Krebsrisiko. Sie wollte wissen, ob sie ihren geplanten Urlaub jetzt canceln muss.
Ich koche seit über 30 Jahren für meine Familie in Deutschland, wenn ich dort bin, und für Freunde aus Europa, die mich in Thailand besuchen. Ich kenne beide Seiten des Tellers. Die meisten Sorgen sind unbegründet, ein paar sind berechtigt. Dieser Beitrag sortiert, was Sie in Thailand bedenkenlos essen können, wovon Sie im Zweifel die Finger lassen und warum ausgerechnet der Fisch aus dem Isaan diese Woche wieder in den Schlagzeilen steht.
Roher Süßwasserfisch: Koi Pla, Larb Pla und der Leberegel
Der Parasit heißt Opisthorchis viverrini, auf Deutsch südostasiatischer Leberegel. Er wandert über rohen Süßwasserfisch in den Menschen, nistet sich im Gallengang ein und kann nach Jahren bis Jahrzehnten Gallengangskrebs auslösen. Betroffen sind vor allem Gerichte wie Koi Pla oder Larb Pla, bei denen frischer Fisch roh mit Limette und Kräutern vermengt wird – eine Zubereitung, die dem Fisch keine Hitze zumutet und den Parasiten am Leben lässt.
Meeresfische sind hier fein raus, denn der Leberegel braucht Süßwasserschnecken als Zwischenwirt. Meine einfache Regel für Gäste: Wenn der Fisch aus einem Fluss, See oder Reisfeld kommt und roh serviert wird, bestellen Sie etwas anderes. Gebratener, gegrillter oder gekochter Fisch – ganz egal welcher Herkunft – ist unproblematisch, weil Hitze den Parasiten zuverlässig abtötet.
Pla ra und fermentierte Fischsauce: was sicher ist, was nicht
Pla ra, die stark riechende fermentierte Fischpaste aus dem Nordosten, steht gerade im Zentrum der Debatte. Ein Arzt aus Nakhon Ratchasima hat es in der Bangkok Post klar eingeordnet: Die eigentliche Infektionsquelle ist der rohe oder unzureichend gegarte Süßwasserfisch, aus dem Pla ra hergestellt wird – nicht die Fermentation an sich. Richtig fermentiertes und anschließend gekochtes Pla ra, wie es in Currypasten oder Som Tam verwendet wird, gilt als unbedenklich.
Das Problem entsteht, wenn Pla ra roh oder halbfertig aus dem Fass direkt gegessen wird, wie es besonders im ländlichen Isaan noch üblich ist. Als Gast erkennen Sie das kaum am Aussehen. Meine Empfehlung: Fischsauce und Pla ra als Würze im gekochten Gericht sind völlig in Ordnung, roh servierte Fischpaste als eigenständiger Snack gehört auf die Meiden-Liste.
Meeresfrüchte am Strand: worauf Europäer achten sollten
Garnelen, Riesenkrabben und Hummer aus dem Aquariumbecken eines guten Restaurants sind aus meiner Erfahrung fast nie ein Problem. Frisch aus dem Meer, direkt gegart, das ist die Küche, in der ich groß geworden bin. Kritischer wird es bei Fisch, der ungekühlt in der Auslage vor Touristenrestaurants liegt. Achten Sie auf glasklare Augen und dunkelrote Kiemen, und der Fisch sollte durchgehend mit Eis bedeckt sein.
Sushi und rohe Meeresfrüchte auf Nachtmärkten, die stundenlang ungekühlt in der Auslage stehen, würde ich meiden – nicht wegen Parasiten, sondern wegen Bakterienwachstum in der Hitze. Fisch in Salzkruste sollte bis zur Mittelgräte durchgegart sein, bevor Sie ihn öffnen. Das sind keine exotischen Regeln, das gilt an jedem Fischstand der Welt.
Som Tam, Krabben und Garnelen: der Papayasalat-Test
Som Tam, der grüne Papayasalat, wird traditionell oft mit rohen kleinen Blaukrabben zubereitet. Genau hier lohnt eine Nachfrage: Wie frisch sind die Krabben? Im Zweifel bestellen Sie den Salat ohne sie, oder Sie lassen sich getrocknete rote Minigarnelen dazugeben. Die sind durch die Trocknung unbedenklich und schmecken fast genauso gut.
Als Faustregel für jeden Straßenstand gilt: Wählen Sie Stände, an denen viele Thailänder selbst essen. Hohe Kundenfrequenz bedeutet frische Zutaten und schnellen Umschlag, das ist meine wichtigste Regel seit Jahrzehnten. Ein leerer Stand um die Mittagszeit ist ein schlechtes Zeichen, egal wie einladend das Schild aussieht.
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Durian, Alkohol und andere Fruchtmythen
Jeder Thailänder wird Ihnen sagen: Durian und Bier vertragen sich nicht. Wissenschaftlich tödlich ist die Kombination nicht, das zeigt eine Studie der Universität Tsukuba aus dem Jahr 2009 – aber sie ist auch kein Ammenmärchen. Die Schwefelverbindungen in der Durian hemmen ein Enzym, das Alkohol abbaut, wodurch sich Acetaldehyd im Körper anreichert. Das Ergebnis sind Herzrasen, Übelkeit und in Einzelfällen ein Krankenhausbesuch.
Meine Empfehlung, die auch jede thailändische Großmutter geben würde: Durian und Alkohol zeitlich trennen, ein paar Stunden reichen. Bei der Tamarinde gibt es kein vergleichbares Risiko, sie wird roh, getrocknet oder als Süßspeise gegessen und ist für den europäischen Magen völlig harmlos. Nur ihre Säure sollten empfindliche Mägen in Maßen genießen.
Tamarinde, Rambutan und Co.: exotisches Obst ohne Risiko
Bei Obst kann ich fast durchgehend Entwarnung geben. Rambutan, Mangostan, Longan, Drachenfrucht, Jackfruit – alles unbedenklich, solange die Schale intakt ist und Sie sie selbst öffnen. Mango zur Erntezeit zwischen März und Mai schmeckt in Thailand so intensiv, dass viele meiner deutschen Gäste hinterher enttäuscht von der Supermarktware zu Hause sind.
Vorsicht gilt nur bei bereits geschältem oder geschnittenem Obst, das ungekühlt an Straßenständen in der Sonne liegt – hier zählt dieselbe Regel wie bei Fisch: Hitze und offene Schnittflächen begünstigen Bakterien. Ganze Früchte, die Sie selbst schälen, umgehen dieses Risiko vollständig.
Schärfegrade richtig bestellen: von Farang-Style bis Thai-scharf
„Farang“ bedeutet Ausländer, und fast jedes Gericht lässt sich im Farang-Style bestellen – deutlich milder als das Original. Sagen Sie „mai phet“ für nicht scharf oder „phet nit noi“ für ein wenig scharf. Som Tam wird in vielen Garküchen für den einheimischen Gaumen so scharf zubereitet, dass selbst hartgesottene Chili-Fans aus Europa erst einmal schlucken müssen.
Ich rate meinen europäischen Gästen, beim ersten Besuch eines neuen Standes immer nach der milden Variante zu fragen und sich dann langsam vorzutasten. Die Schärfe lässt sich fast überall nachträglich erhöhen, das Gegenteil funktioniert nicht. Das gilt besonders für Kinder und ältere Reisende, deren Magen empfindlicher reagiert.
Krankenversicherung und Arztbesuch: wenn der Magen doch rebelliert
Auch bei aller Vorsicht passiert gelegentlich etwas – eine leichte Magenverstimmung nach scharfem Streetfood ist in den ersten Urlaubstagen fast normal und meist nach ein bis zwei Tagen vorbei. Anders sieht es aus, wenn Sie Wochen nach dem Verzehr von rohem Süßwasserfisch unklare Beschwerden im Oberbauch bekommen: Dann sollten Sie das gegenüber einem Arzt aktiv ansprechen, auch wenn der Verzehr schon eine Weile zurückliegt.
Für Expats und Langzeitreisende lohnt sich ein Blick auf eine internationale Krankenversicherung für Expats, bevor der Ernstfall eintritt. Parasitentests und die anschließende Behandlung mit Praziquantel sind in thailändischen Krankenhäusern Routine, aber eine gute Absicherung erspart Ihnen im Zweifel die Diskussion über die Kostenübernahme.
Redaktionelle Hinweise
Die Angaben zum aktuellen Leberegel-Ausbruch in Maha Sarakham basieren auf Berichten vom Juli 2026. Medizinische Einschätzungen in diesem Artikel ersetzen keine ärztliche Diagnose – bei anhaltenden Beschwerden nach dem Verzehr von rohem Fisch empfiehlt sich in jedem Fall eine Untersuchung durch einen Arzt vor Ort. Hinweis: Dieser Artikel enthält Links zu unseren Werbepartnern.



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