Chiang Mai gilt als die angenehmste Stadt Thailands für Expats: günstig, grün, überschaubar. Wer hier lebt, hat sich meist eingerichtet – mit Wohnung, Visum, Alltag. Umso merkwürdiger, wenn man morgens an der Chang Klang Straße von einem Westler um Geld angebettelt wird.
Unser Leser Hilmar hat uns genau das geschildert. Sein Brief hat in der Redaktion eine Diskussion ausgelöst – nicht über den einen Mann an der Straßenecke, sondern über ein Phänomen, das in Thailand seit Jahren wächst und die Expat-Community unangenehm berührt. Wir haben nachgeschaut, was dahintersteckt.
Was Hilmar erlebt hat – und warum es trifft
Hilmar beschreibt die Begegnung knapp: Ein Mann Mitte fünfzig, augenscheinlich nordeuropäisch, ungepflegt, bat ihn an der Kreuzung zur Sridonchai Straße um Geld. Hilmar lehnte ab. Was ihn danach beschäftigt, ist nicht die Szene selbst, sondern die Frage dahinter: Wie kommt ein Westler dahin?
Es ist eine faire Frage. Wer aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz nach Thailand zieht, hat die Reise bezahlt und sich anfangs selbst versorgt. Dass derselbe Mensch später auf der Straße andere anspricht, setzt eine Abwärtsspirale voraus, die nicht über Nacht entsteht. Betteln ist in Thailand illegal – das Bettler-Kontroll-Gesetz sieht bis zu einem Monat Haft und 10.000 Baht Geldstrafe vor. Wer dieses Risiko eingeht, hat meist wenig mehr zu verlieren.
Der klassische Weg nach unten: Beziehung weg, Geld weg
Die Bangkok Community Help Foundation betreut in Thailand obdachlose Ausländer und hat bisher mehr als 40 mittellose Westler unterstützt – darunter Deutsche, Dänen, Schweden. Das häufigste Muster: Jemand kommt mit Ersparnissen, die Beziehung zur Thaipartnerin zerbricht, die Wohnung fällt weg, das Geld ist weg.
Thailand hat kein Sozialsystem für Ausländer. Das Finanzamt daheim überweist keine Sozialhilfe in ein Drittland. Die Botschaft hilft bei der Rückführung – und nur dabei. Wer das nicht akzeptiert hat, bevor er einreiste, steht irgendwann vor einer leeren Wand.
Krankheit, Unfall, keine Versicherung – der schnellste Absturz
Ein schwerer Motorradunfall im Privatspital kostet schnell 800.000 bis 1,5 Millionen Baht. Wer keine Krankenversicherung hat, wird nach Stabilisierung entlassen – und steht auf der Straße. Kein Dramatisieren: Das passiert, und es passiert öfter als man denkt.
Wer langfristig in Thailand leben will, kommt an einer soliden Krankenversicherung nicht vorbei. Nicht wegen des Visums – sondern weil der Absturz ohne sie erschreckend schnell geht. Die Kosten im Privatspital kennen keine Kulanz.
Begpacker: Wenn Betteln zum Reisemodell wird
Das dritte Muster kennt man unter dem Begriff „Begpacking“: jüngere Westler, die mit wenig Geld nach Asien kommen und darauf zählen, dass andere einspringen. Thailand verlangt bei Einreise offiziell den Nachweis ausreichender Mittel – in der Praxis wird das selten konsequent geprüft.
Rund 30 Prozent der in Thailand aufgegriffenen Bettler sind Ausländer, schätzt das Sozialministerium. Chiang Mai, Pattaya und Bangkok stehen dabei ganz vorne. Für unsere Zielgruppe – Expats mit geregeltem Aufenthalt – ist das ein fremdes Milieu. Aber es ist dasselbe Stadtbild.
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Eigenverantwortung ist kein Schlagwort
Hilmar nennt Eigenverantwortung. Er vergleicht die Situation mit einheimischen Thais, deren Not oft sichtbarer wirkt. Dieser Vergleich ist menschlich verständlich – und trotzdem nicht ganz sauber. Wer in echter Not ist, sieht nicht immer danach aus.
Wer Thais gegen Westler ausspielt, übersieht: Thailand hat kein Netz, das irgendjemanden auffängt, der durchrutscht. Thai oder Farang – wer hier ohne Rückhalt strandet, hat ein echtes Problem. Der Unterschied liegt nur im Startpunkt.
Wer helfen will, tut es gezielt
Wer als Westler nach Thailand zieht, trifft eine Entscheidung – und trägt deren Konsequenzen selbst. Wer das ignoriert und die Kosten auf andere abwälzt, schadet dem Ruf der gesamten Expat-Community, die hier auf Gastrecht angewiesen ist.
Hilmar gibt kein Geld – das ist seine legitime Entscheidung. Wer helfen will, tut es über anerkannte Organisationen, nicht als Bargeld auf der Straße. Wer selbst in eine Notlage gerät, findet bei einer spezialisierten Beratung vor Ort zumindest einen ersten Ansprechpartner.
Anmerkung der Redaktion
Haben Sie ähnliche Begegnungen gemacht – in Chiang Mai oder anderswo in Thailand? Schreiben Sie uns an redaktion@wochenblitz.com. Dieser Artikel gibt die redaktionell überarbeitete Fassung eines Leserbriefs wieder. Er ersetzt keine rechtliche oder finanzielle Beratung.



Die günstigen Preise verlocken zum Geldausgeben und wer sich da nicht im Griff hat, hat ein Problem. Und es trifft ja nicht nur unterfinanzierte Touris/ Expats, es trifft eben auch vermeintlich Begüterte.
vor ein paar jahren in bangkok,
ein farang stand auf dem fussweg und fragte leute nach geld. er kam aus schweden und hat mir , mit vorausflatternder fahne erklaert das er hungrig sei!! ein steinwuf weiter war ein seven , ich ihn dort reingebeten und er sollte sich was als fertiggericht aussuchen , in die mikro und guten appetit !
es stellte sich schnell heraus das er doch mehr durst als hunger hatte .ich fragte ihn , welches alkfreie getraenk er gern hatte , er staunte nicht schlecht , ging zu tuer und verschwand , ohne essen u. trinken, sowas aber auch !!
auch hier in phattalung ist der eine o. andere thai anzutreffen der um geld bittet fuer essen.
ich gebe kein geld , biete ihm aber an den naechsten seven anzusteuern , oder garkueche .
selbiges wird dankend und gerne angenommen , kohle gibts keine !!
Hallo Frank,
mein Sohn erlebte ähnliches sowohl in Thailand als auch in Kambodscha und handelte ähnlich wie Du: Kein Geld, sondern Einkauf von Esswaren oder Getränken oder aber auch Babynahrung fürs zum Betteln mitgebrachte Kleinkind. Nach mehreren Erlebnissen auch mit Umtausch von Lebensmitteln in Geld zurück oder Alkoholikas durch die Beschenkten ging er dann dazu über, selbst einzukaufen und die Lebensmittel zu öffnen vor der Übergabe und damit Umtausch oder Rückgabe zu erschweren oder gar unmöglich zu machen. Die meisten Bettler waren trotzdem sehr dankbar; andere aber warfen ihm das Zeug vor die Füße. Irgendwann war dann seine Spendenbereitschaft auf nahezu Null abgesunken.
danke fuer deine antwort 🙏
da muss man schon aufpassen , in vielen faellen wird es in alk o. illegale drogen umgesetzt.
in phattalung gibt es bettler die wollen mich nicht sehen , es gibt nix bares , einladungen meinerseits in die naechste kueche, seven usw werden abgelehnt. da kann der hunger doch nicht so gross sein !
dein sohn hat schlechte erfahrungen gemacht und hat seine unterstuetzung fast eingestellt.
so ist das , wenn ein paar aus der reihe tanzen leiden die, die sich regelkonform verhalten. siehe visa, bargeldnachweiss usw usw. leute die sich regelkonform verhalten werden mit abgestraft.
ich gebe solange ich nicht verarscht werde, kommt der verdacht auf braucht diese person mich nicht mehr ansprechen. der andere ist ehrlich und bekommt was, da es fast immer die selben sind kennt man seine pappenheimer 😉!
danke fuers lesen 🙂
Thailand sollte da finanzielle Unterstützung einleiten! Nicht immer nur nehmen und profitieren, auch mal geben! Auch sollte Thailand seinen absurden Protektionismus überdenken!
Thailand soll also die Urlaubsreisen von Westlern finanzieren, denen unterwegs das Geld ausgeht? Wer kein Geld mehr hat, sollte sich an seine Botschaft wenden oder die Verwandtschaft um einen Vorschuss bitten, anstatt der lokalen Bevölkerung auf der Tasche zu liegen. Das ist kein thailändisches Fehlverhalten, das ist schlicht mangelnde Eigenverantwortung der Reisenden. Vielleicht könnten sie sich auch beim Peterle Schneider melden, der übernimmt dann. Wenn er noch was hat. Gell Peterle.
Nein. Thailand soll nicht die Urlaubsreisen von Westlern finanzieren, aber in Notfällen finanzielle und ärztliche Hilfe leisten. Man kann Kommentare natürlich auch absichtlich missverstehen, Herr ThaiTom.
In Deutschland gibt es einige sehr gute Auslandschutz VS der ADAC bietet fuer Auslandsreisen einen sehr guten Schutz an, ich wurde 2008 im im Bangkok Pattaya Hospital operiert (Gallenblase und Steine) der ADAC hat alle kosten uebernommen.
Ansonsten sollte man fuer den Aufenthalt in Thailand genug Kohle haben
Wenn das nicht der Fall ist Zuhause bleiben, so einfach ist das
Die Einnahmen solten immer hoeher sein als die Ausgaben
Das sind alles selbstverschuldete Notfälle,also kein Mitleid auch nicht von thailändischer Seite !!!!
„Begpacker“ kenne ich nicht, aber Backpacker, das sind meist junge Rucksacktouristen, die sehr beliebt sind als Island Hopper (Inselhüpfer) auf Bali, denn sie kommen in einigen Jahren wieder als nette Touristen mit richtig viel Geld 💰 der Tasche.
Ich würde am Beach von einem jungen Mann angebettelt, der scheinbar vor der Einberufung in seiner Heimat geflüchtet war. Er hatte angeblich all seine Papiere und sein Telefon verloren und großen Hunger.
Okay, ich gab ihm 70 THB das müsste für Garküche und Wasser reichen.
Die Thais am Strand sagten zu mir “ you have good Heart “ ich beobachtete ihn wie er kurz darauf auf der anderen Straßenseite in einem Cannabis Shop seiner Landsleute verschwand und mit brennender Zigarette wieder heraus kam.
Seitdem braucht mich kein Farang mehr wegen Geld anzubetteln.
10000 Baht Strafe für Bettlerei. Witzig die Aussage.
Nichts Neues, schon 1980 wurde ich in Bangkok angezettelt, ziemlich fertiger Typ. Sehr viele träumen vom lockeren Leben in Thailand. Eine kleine Erbschaft mit 50 000€ oder sogar 100 000€, mit 50 Jahren alles in eine Ecke schmeißen und die nächsten 30 Jahre ein lockeres Leben in Thailand, total weltfremd kommt aber vor. Die Menschen werden den Aussagen eines Professors nach ja auch nicht gescheiter, da vermute ich mal dass dadurch die Anzahl der Bettler steigt.