In Frankreich klettern die Thermometer auf Werte, die das Land noch nie gemessen hat, in Spanien fällt ein Hitzerekord nach dem anderen. Mitten in diese Bilder hinein meldet sich ein Meeresforscher aus Bangkok zu Wort. Thon Thamrongnawasawat sieht in der europäischen Hitzewelle den sichtbaren Rand eines Super El Niño, der 2026 zum heißesten Jahr der Messgeschichte machen könnte.
Für viele Leser ist das keine ferne Nachricht. Wer Kinder oder Enkel in Deutschland, Österreich oder der Schweiz hat, verfolgt die Lage dort gerade mit Sorge. Und Thailand selbst bereitet sich vor, nur nicht auf das, was die meisten erwarten. Dieser Beitrag erklärt, was hinter der Hitze steckt, was die US-Klimabehörde NOAA gerade bestätigt hat und warum Bangkok diesmal nicht die Dürre fürchtet.
Was Thon Thamrongnawasawat aus Bangkok beobachtet
Thon meldete sich am Montag über Facebook zu Wort, und seine Worte hallten schnell durch die thailändischen Medien. Der Meeresforscher ist stellvertretender Dekan für besondere Angelegenheiten an der Fakultät für Fischerei der Kasetsart-Universität. Seine Botschaft: Was Europa gerade erlebt, ist kein Ausreißer, sondern ein Vorbote dessen, was ein heranziehender Super El Niño weltweit anrichten kann.
Normalerweise treffen solche Hitzewellen ein bis zwei Wochen später im Jahr ein und fallen milder aus, schreibt Thon. Diesmal kamen sie früher und härter. Für ihn ist das ein Muster, kein Zufall. Er spricht von einem Jahr, in dem der Planet den Höhepunkt seiner Wut erreiche, eine drastische Formulierung von einem Mann, der sonst nüchtern über Korallen und Meerestemperaturen forscht.
Frankreich erlebt seinen heißesten Tag seit Messbeginn
Frankreich meldet außergewöhnliche Werte. Der nationale Hitzeindex, ein Mittel aus den Tag- und Nachtwerten von 30 Wetterstationen, erreichte 29,8 Grad, der höchste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen 1947. In Pissos in den Landes zeigte das Thermometer 44,3 Grad, Bordeaux meldete 41,1 Grad. 54 Départements standen unter roter Hitzewarnung.
Anders als oft berichtet lag Paris dabei nicht ganz vorne. Die Hauptstadt erreichte am Montag rund 38 Grad, während die Spitzenwerte im Westen und Süden fielen. Auch Spanien glühte: In Andújar wurden 45,1 Grad gemessen, selbst das kühle San Sebastián im Norden kratzte an der 40-Grad-Marke. Mindestens 18 Menschen starben in Frankreich an den Folgen der Hitze.
Wenn die Suche nach Abkühlung tödlich endet
Eine zweite, stille Tragödie spielt sich an Frankreichs Flüssen und Seen ab. Mindestens 40 Menschen ertranken, als sie in unbewachten Gewässern Abkühlung suchten, die meisten von ihnen jung. Premierminister Sébastien Lecornu sprach nach einer Krisensitzung von einer tragischen Häufung und nannte die Ertrunkenen die ersten Opfer der Krise, der das Land gegenübersteht.
Auch andere Schicksale gingen durch die Nachrichten. In Südfrankreich fand eine Mutter ihre zwei und vier Jahre alten Kinder leblos im aufgeheizten Familienauto. Bei Bordeaux starben drei ältere Menschen zwischen 80 und 95 Jahren an den Folgen der Hitze. Genau diese Gruppe, die Älteren, trägt bei solchen Wetterlagen das höchste Risiko.
Warum Europa die Hitze härter trifft als Thailand
Für Menschen in Thailand klingen 40 Grad nicht nach Ausnahmezustand. In Europa ist das anders, und Thon benennt den Grund klar. Weite Teile des Kontinents sind baulich nicht auf solche Temperaturen ausgelegt. Viele Wohnungen, vor allem in älteren Häusern, haben keine Klimaanlage, und die Menschen sind diese Dauerhitze schlicht nicht gewöhnt.
Hinzu kommt ein Tempo, das selbst Fachleute überrascht. Laut der Weltorganisation für Meteorologie erwärmt sich Europa mehr als doppelt so schnell wie der globale Schnitt. Was früher als Jahrhundertsommer galt, kehrt nun im Abstand weniger Jahre wieder. Dass auch Thailand selbst messbar heißer geworden ist, belegen die Langzeitdaten.
Der Omega-Block: Wie eine Hitzeglocke entsteht
Hinter der Extremlage steckt ein Wettermuster mit einem griffigen Namen. Meteorologen sprechen von einem Omega-Block, weil die Strömung die Form des griechischen Buchstabens annimmt: eine Blase heißer Luft in der Mitte, kühlere Luft an den Rändern. Clair Barnes vom Imperial College in London erklärt, dass dieses Gebilde kaum von der Stelle kommt.
Weil das System so träge ist, fehlt jede Abkühlung. Kein Wind, keine Brise, keine Verschnaufpause, sagt Barnes. Gleichzeitig zieht der Block heiße Luft aus der Sahara nach Norden, was die Glut zusätzlich anheizt. Der Klimawandel verstärkt beides, er treibt die Spitzenwerte höher und sorgt zugleich für heftigere Regenfälle, wenn das Muster kippt.
Was ein Super El Niño überhaupt bedeutet
El Niño ist eine natürliche Schaukel im Pazifik, bei der die Passatwinde erlahmen und sich warmes Oberflächenwasser nach Osten schiebt. Am 11. Juni bestätigte die US-Klimabehörde NOAA, dass die warme Phase offiziell begonnen hat. Von „super“ spricht man erst, wenn die Wassertemperatur mehr als zwei Grad über dem Normalwert liegt, ein seltener Extremfall.
In den vergangenen 25 Jahren gab es nur zwei dieser Ereignisse, 2015/16 und 2023/24. NOAA sieht aktuell eine Wahrscheinlichkeit von 63 Prozent, dass die laufende Phase bis zum Winter zu einem sehr starken Ereignis anschwillt. Damit könnte 2026 oder 2027 das Rekordjahr 2024 als heißestes Jahr der Geschichte ablösen.
Thailand rüstet sich, gegen Wasser statt gegen Dürre
Während Europa unter der Glut ächzt, blickt Thailand auf den Himmel und die Regenzeit. Industrieminister Varawut Silpa-archa hat die Industrial Estate Authority of Thailand in die höchste Alarmstufe versetzt. Im Fokus stehen tiefliegende Industriezonen, in denen jede Überschwemmung sofort Milliardenwerte bedroht.
Besonders im Blick stehen die Wirtschaftsprovinzen Chon Buri, Rayong und Chachoengsao. Dort arbeiten mehr als 103.000 Unternehmen mit einem Stammkapital von über 2,19 Billionen Baht. Ein einziger schwerer Regen am falschen Ort kann hier Lieferketten lahmlegen und Schäden verursachen, die weit über die Region hinausreichen.
Was das für Expats und Reisende heißt
Für Thailand zeichnet Thon einen Fahrplan in vier Phasen. Die erste, milde Phase läuft bis Juli, die härteste erwartet er von Februar bis Mai des kommenden Jahres. Dann könnten die gefühlten Temperaturen örtlich an 50 Grad heranreichen, dazu drohen Waldbrände, Feinstaub und eine neue Korallenbleiche an den Küsten und Riffen des Landes.
Wer hier lebt oder Urlaub macht, sollte die Warnzeichen ernst nehmen, gerade ältere Menschen mit Herz-Kreislauf-Problemen. Eine internationale Krankenversicherung für Expats und ein kühler Rückzugsort sind in solchen Phasen kein Luxus. Wie sich die Glut praktisch überstehen lässt, zeigt der Ratgeber zum Hitzeschutz.
Redaktionelle Hinweise
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Wer Vorerkrankungen hat, sollte bei extremer Hitze frühzeitig einen Arzt einbeziehen; im Notfall gilt in Thailand der Notruf 1669.



Hilfe wir verbrennen! Gut dass El Nino Verursacher ist und nicht das boese CO2, wenigstens eine Erklaerung. Und die Menschen die ertrinken werden als Hitzetote registriert. Die gefuehlten Temperaturen koennten auf 50 Grad heranreichen, na und, gefuehlte 46 Grad hatten wir dieses Jahr bereits.