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CARACAS – Zwei gewaltige Erdbeben haben Venezuela am Mittwochnachmittag (Ortszeit; Donnerstagmorgen, 01:00–04:00 Uhr Thailändischer Zeit) erschüttert und in der Hauptstadt Caracas sowie in mehreren Bundesstaaten schwere Zerstörungen angerichtet. Die Erdstöße der Stärke 7,2 und 7,5 trafen das Land innerhalb nur einer Minute. Die US-Erdbebenwarte warnt vor wahrscheinlich sehr hohen Opferzahlen und einer weitverbreiteten Katastrophe.
Zwei gewaltige Stöße binnen einer Minute
Das erste Beben der Stärke 7,2 ereignete sich rund 100 Meilen westlich von Caracas. Nur eine Minute später folgte ein noch stärkerer Erdstoß mit einer Magnitude von 7,5.
Die Erdstöße zählen zu den heftigsten, die Venezuela seit über einem Jahrhundert getroffen haben. Das Land liegt in einer seismisch äußerst aktiven Zone, wo die Karibische Platte auf die Südamerikanische Platte prallt.
USGS befürchtet Zehntausende Tote
Der United States Geological Survey (USGS) gab eine dringende Warnung heraus. Hohe Opferzahlen und umfangreiche Schäden seien wahrscheinlich, die Katastrophe vermutlich weit verbreitet.
Ersten Schätzungen zufolge könnte die Zahl der Todesopfer zwischen 10.000 und 100.000 liegen. Offizielle Zahlen zu Toten oder Verletzten wurden von den venezolanischen Behörden zunächst nicht veröffentlicht.
Decken stürzen ein, Stadion bebt
Chaotische Szenen spielten sich am internationalen Flughafen Maiquetia ab. Deckenpaneele donnerten herab und Funken stoben, während verängstigte Menschen um ihr Leben rannten und ihre Familien in Sicherheit brachten.
Auch ein Baseballspiel in Caracas wurde jäh unterbrochen. Spieler und Zuschauer flohen auf das Spielfeld, während Stromleitungen und Stadionsitze heftig erschüttert wurden.
Schreie und Panik im ganzen Land
Die gewaltigen Erdstöße trafen Venezuela mitten am Feiertag. Viele Menschen waren zu Hause und gedachten der Schlacht von Carabobo, die 1821 die Unabhängigkeit von Spanien sicherte.
„Sobald es anfing, hörten wir Menschen schreien“, berichtete die 41-jährige Publizistin Astrid Ramirez aus dem Westen von Caracas. „Jeder rannte die Treppen hinunter.“
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Trümmerberge und verzweifelte Suche nach Angehörigen
Die Zerstörung vielerorts ist massiv. Zahlreiche Gebäude in Caracas und anderen Regionen wurden zerstört oder erheblich beschädigt, Möbel und Trümmer türmten sich auf den Straßen.
Rettungskräfte kletterten durch die Ruinen eingestürzter Häuser. Noch am Abend suchten verzweifelte Bewohner unter Schock nach verschütteten Angehörigen.
Innenminister ruft zur Besonnenheit auf
Innenminister Diosdado Cabello bestätigte im Staatsfernsehen, dass mehrere Bundesstaaten betroffen seien. Die Rettungsprotokolle seien aktiviert worden.
„Wir verstehen, dass einige Menschen verzweifelt sein könnten, aber wir handeln gemäß den Protokollen“, sagte Cabello. Er mahnte, besonders auf Kinder und ältere Menschen zu achten und sich gegenseitig zu vergewissern, dass niemand zu Schaden gekommen ist.
Tsunami-Warnung zurückgezogen
Das US-Tsunami-Warnsystem hatte nach den Beben vorsorglich eine Alarmmeldung für Puerto Rico und die amerikanischen sowie britischen Jungferninseln ausgelöst. Die Warnung wurde etwa eine Stunde später wieder aufgehoben.
Die Angst vor einer Flutwelle blieb damit unbegründet.
Eine Region im Schock der Geschichte
Die jetzt erschütterte Region hat ein historisches Trauma. Im März 1812 zerstörte ein gewaltiges Erdbeben große Teile von Merida und Caracas.
Damals kamen nach Angaben des USGS rund 30.000 Menschen ums Leben. Nun begannen Rettungskräfte und Anwohner unter Schock mit der Suche in den Trümmern, während Beamte das gesamte Ausmaß der Schäden erst noch ermittelten.
Auch Kalifornien bebte – und Experten warnen vor dem ganz Großen
Nur wenige Stunden nach dem Doppelbeben in Venezuela erschütterte am Mittwochmorgen (Ortszeit) ein Beben der Stärke 5,6 den Norden Kaliforniens. Epizentrum war die Gegend um Willits im Mendocino County – nach Angaben der US-Seismologin Lucy Jones das stärkste Beben der Region seit 1940. Größere Schäden oder Todesopfer blieben aus, Dutzende Häuser und Geschäfte trugen aber Sachschäden davon.
Für Experten kommt das Beben zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Eine Anfang Juni im Fachjournal Journal of Geophysical Research veröffentlichte Studie der Universität Bern warnt, dass die Spannung entlang der San-Andreas- und San-Jacinto-Verwerfung im Süden Kaliforniens so hoch ist wie seit über 1.000 Jahren nicht mehr. Die Forscher beschreiben einen kritischen Kreuzungspunkt bei Cajon Pass nordöstlich von Los Angeles als „Erdbebentor“ – ein Bereich, der im Ernstfall entscheiden könnte, ob ein großes Beben auf einer oder gleich auf beiden Verwerfungen durchbricht.
🔄 UPDATE – 25. Juni 2026, 10:00 Uhr (Thailändische Zeit)
Venezuelas geschäftsführende Präsidentin Delcy Rodríguez hat den nationalen Notstand ausgerufen und Todesopfer offiziell bestätigt – ohne eine genaue Zahl zu nennen. Eine hochrangige Einsatzgruppe koordiniert die Such- und Rettungsarbeiten. Der internationale Flughafen Maiquetía bei Caracas ist wegen schwerer Infrastrukturschäden bis auf Weiteres geschlossen. Schulen sowie alle nicht lebensnotwendigen Aktivitäten sind landesweit bis Ende der Woche ausgesetzt. Rund zwei Dutzend Nachbeben erschütterten das Land in den Stunden nach dem Hauptstoß.
Rettungskräfte konnten bereits erste Überlebende aus Trümmern eingestürzter Gebäude bergen. In sozialen Netzwerken kursierten Videos, die Einsatzkräfte bei der Bergung einer Person in Caracas zeigen. El Salvador, Mexiko und weitere lateinamerikanische Staaten sprachen Venezuela ihre Solidarität aus. Die US-Botschaft in Caracas rät amerikanischen Staatsbürgern, beschädigte Gebiete zu meiden und lokale Medien zu verfolgen.



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