Geisterinsel Koh Phi Phi: Vertreiben Touristen-Preise die Urlauber? (Video)

Ein TikTok-Video zeigt Koh Phi Phi mittags wie ausgestorben. Die Kommentare schimpfen über die Preise – doch die Uhrzeit im Clip verrät einen ganz anderen Grund.

Geisterinsel Koh Phi Phi: Vertreiben Touristen-Preise die Urlauber? (Video)
ThaiNewsroom

Ein leeres Koh Phi Phi mitten am Tag, gefilmt fürs große Mitleid: Ein TikTok-Clip aus Tonsai zeigt verwaiste Souvenirgassen, leere Stühle und keine Menschenseele. Der Urlauber dahinter klingt enttäuscht, fast ein wenig verraten. In den Kommentaren steht der Schuldige schnell fest – die happigen Preise auf der Insel. Eine simple Cola für 100 Baht? Klarer Fall, da kommt doch keiner mehr.

Nur passt die Empörung nicht ganz zur Uhrzeit im Video. Der Clip läuft um 13:10 Uhr – und wer Südostasien länger kennt, weiß, dass genau dann kaum jemand freiwillig durch die pralle Mittagssonne tigert. Dieser Beitrag erklärt, warum die Gasse so leer war, was die Preis-Theorie dabei übersieht und zu welcher Tageszeit sich der Sprung nach Koh Phi Phi wirklich lohnt.

13:10 Uhr – und keine Menschenseele

Das Video stammt vom 22. Juni 2026 und machte einen Tag später die Runde. Zu sehen sind enge Fußgängergassen mit geschlossen wirkenden Läden, leere Strandrestaurants und ein Steg ohne das übliche Gewusel. Der TikToker filmt im Vorbeigehen und wundert sich: Um diese Uhrzeit sollten doch längst die Tagesboote ihre Gäste ausgespuckt haben.

Ein Detail im Clip geht fast unter: Draußen in der Bucht ankern sehr wohl Longtails und Speedboote. Die Flotte ist also da – nur die Menschen tigern nicht durch die Gassen. Wer schon einmal um die Mittagszeit auf einer thailändischen Insel stand, ahnt sofort, wohin die Massen verschwunden sind. Nämlich überallhin, nur nicht in die offene Sonne auf heißem Beton.

Die Stunde, in der Asien in den Schatten geht

Zwischen zwölf und drei Uhr nachmittags steht die Sonne in Thailand fast senkrecht, und gefühlt brennt sie doppelt. Einheimische richten ihren Tag seit jeher danach aus: Wer kann, verzieht sich in dieser Zeit unter ein Dach, vor den Ventilator oder in ein klimatisiertes Restaurant. Die Mittagshitze bekämpft man hier nicht, man weicht ihr aus.

Für viele Gäste aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz ist genau das fremd. Daheim heißt Sonne Urlaub, also stellt man sich hinein und genießt jede Minute. In den Tropen kippt diese Logik. Die leere Gasse im Video ist kein Zeichen von Pleite oder Boykott, sondern schlicht der ganz normale Inselrhythmus an einem heißen Junitag um kurz nach eins.

Wo die Tagestouristen wirklich stecken

Die meisten Besucher kommen gar nicht zum Bummeln nach Tonsai, sondern als Teil einer Tagestour. Deren Ablauf ist eng getaktet: morgens raus, Maya Bay, Pi-Leh-Lagune, Schnorchelstopp, dazwischen ein Mittagessen am Strand. Genau gegen halb zwei sitzen diese Gruppen beim Buffet oder schaukeln längst wieder auf dem Boot zum nächsten Programmpunkt.

Der große Andrang am Steg verteilt sich über den Tag und ballt sich eben nicht um 13:10 Uhr. Frühmorgens und am späten Nachmittag wird es voll, wenn die Boote an- und ablegen. Mittags herrscht Flaute – nicht weil niemand da wäre, sondern weil alle gleichzeitig essen, schnorcheln oder ein Nickerchen im Schatten halten.

Teuer ist die Insel – nur erklärt das die Leere nicht

An den Preisen ist durchaus etwas dran. Auf einer Insel ohne Straßen muss jede Flasche, jede Gurke und jeder Eiswürfel per Boot herankommen. Dass eine Cola dann 100 Baht kostet und das Pad Thai mehr als auf dem Festland, überrascht niemanden, der die Logistik kennt. Inselzuschlag nennt man das, und Koh Phi Phi langt dabei kräftig zu.

Nur taugt der Preis als Erklärung für eine leere Mittagsgasse wenig. Teuer war die Insel schon vor zehn Jahren, und voll war sie trotzdem. Wer wegen der Kosten gar nicht erst anreist, taucht auch morgens und abends nicht auf. Die Stille um kurz nach eins hat mit dem Kassenzettel wenig, mit dem Thermometer dagegen sehr viel zu tun.

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Juni heißt Regenzeit an der Andamanenküste

Dazu kommt die Jahreszeit. Die Hauptsaison an der Andamanensee läuft von Dezember bis März, wenn die Sonne verlässlich scheint und die Hotels aus allen Nähten platzen. Zwischen Mai und Oktober regnet es häufiger, der Seegang nimmt zu, und viele Urlauber meiden die Region. Der Juni fällt mitten in diese ruhigere Nebensaison.

Weniger Gäste bedeuten weniger Boote, weniger Betrieb und leerere Gassen – ganz unabhängig von der Tageszeit. Das Video bündelt damit gleich zwei Effekte: die Mittagshitze und die Regenzeit. Beides zusammen ergibt genau das Bild, das der TikToker für ein Drama hielt. Dabei ist es der völlig normale Zustand einer Insel im Juni um die Mittagsstunde.

Verwechslungsgefahr: das ist Phi Phi Don, nicht „The Beach“

Wichtig für die Einordnung: Die leeren Gassen im Video liegen auf Koh Phi Phi Don, der bewohnten Hauptinsel mit Tonsai-Dorf, Läden, Bars und Fährpier, rund 42 Kilometer vor Krabi. Der weltberühmte Postkartenstrand dagegen liegt nebenan auf dem unbewohnten Koh Phi Phi Le – dort gibt es weder Shops noch Restaurants, nur die Maya Bay aus dem Film „The Beach“.

Diese Bucht machte 1999 die Dreharbeiten mit Leonardo DiCaprio berühmt und erstickte später fast am eigenen Ruhm. 2018 wurde sie wegen zerstörter Korallen gesperrt und erst Anfang 2022 wieder geöffnet, mit strengen Regeln und einer jährlichen Schließung von August bis September. Im Wasser drumherum tummeln sich inzwischen sogar wieder Riffhaie.

Wann man wirklich hinfährt

Wer Koh Phi Phi ohne Gedränge und ohne Sonnenstich erleben will, dreht den Tag des TikTokers einfach um. Früh am Morgen, am besten vor neun Uhr, sind die Maya Bay und die Stege am leersten und das Licht am schönsten. Die heißen Mittagsstunden verbringt man dann so, wie es die Einheimischen vormachen: im Schatten, beim Essen, mit einem kalten Getränk in der Hand.

Die Regenzeit hat dabei sogar Vorteile: günstigere Zimmer, ruhigere Strände, sattes Grün. Wer mit dem Boot zwischen den Inseln pendelt, sollte allerdings auf den Seegang achten und für Bootstouren wie tropische Hitze gut gerüstet sein – eine passende Auslandskrankenversicherung gehört bei längeren Aufenthalten dazu. Dann wird aus der angeblich toten Insel ein erstaunlich entspannter Tag.

Das Video aus Tonsai

Im Clip selbst lässt sich der Effekt gut nachvollziehen: menschenleere Gassen, leere Stühle, dazu der enttäuschte Kommentar über die angeblich ausgestorbene Insel. Wer genau hinschaut, erkennt die ankernden Boote draußen in der Bucht und die gleißende Mittagssonne, die auf dem leeren Pflaster der Fußgängergasse flirrt.

Vielleicht zeigt das Video also weniger eine Krise als ein Missverständnis. Die Gasse war nicht leer, weil niemand die Insel mehr mag – sondern weil der Filmer zur heißesten Stunde des Tages unterwegs war, in der halb Südostasien geschlossen Siesta hält. Was meinst du dazu? Schreib uns deine Meinung in die Kommentare.

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Quelle: AseanNow Thailand

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