BANGKOK – Die stellvertretende ONCB-Generaldirektorin Areepak Ngernbamroong erklärte am Mittwoch, es gebe bislang keine Beweise dafür, dass die in Melbourne festgenommene Thai-Airways-Flugbegleiterin Teil eines Drogenschmuggler-Netzwerks ist. Die Ermittlungen laufen dennoch weiter: Geklärt werden soll, wer die präparierten Taschen in Australien empfangen sollte, wie die 26-Jährige rekrutiert wurde und warum sie das Paket eines Fremden annahm.
Keine Beweise für Bandenmitgliedschaft – aber auch kein Freispruch
Die Flugbegleiterin, in thailändischen Medien als Miss Meena bezeichnet, war laut Areepak am 25. Juni im Dienst, als sie in Melbourne landete. Sie sei zuvor bereits häufiger auf dieser Strecke geflogen, und die bisherigen Erkenntnisse würden nicht auf eine Mitgliedschaft in einer Drogenbande hindeuten. Ausgeschlossen hat die Behörde diesen Verdacht damit aber nicht.
Ungeklärt bleibt, warum die 26-Jährige das Risiko einging, ein Paket von einer unbekannten Person zu transportieren. Die meisten thailändischen Flugbegleiter würden Sendungen von Fremden ablehnen, so Areepak. Auch der Empfänger in Australien ist noch nicht identifiziert – der Name wurde auf Englisch angegeben, weshalb unklar ist, ob es sich um eine Person mit thailändischen Wurzeln handelt.
Nur 8.800 Baht für zwölf Taschen
Die ONCB bestätigte, dass die Flugbegleiterin für den Transport von zwölf bestickten Stofftaschen von Thailand nach Melbourne lediglich 8.800 Baht erhalten hat. Ihre Familie erklärte den Ermittlern, die junge Frau führe keinen aufwendigen Lebensstil – ein Detail, das die Behörde zur Kenntnis nimmt, ohne daraus bereits eine Entlastung abzuleiten.
Ermittler prüfen derzeit, ob eine solche Bezahlung für den beschriebenen Kurierjob üblich ist. Eine Durchsicht ihrer Finanzunterlagen habe bislang keine Auffälligkeiten ergeben, der Kontostand sei nicht ungewöhnlich hoch gewesen, heißt es aus Ermittlerkreisen. Bekannte der Flugbegleiterin bestätigten zudem, dass sie neben ihrem Beruf gelegentlich als Einkaufsservice für Kunden im Ausland arbeitete, eine Nebentätigkeit, die Fluggesellschaften offiziell untersagen, unter Kabinenpersonal aber verbreitet ist.
Rätselhaftes Facebook-Konto „Rose Rose“
Kontaktiert wurde die Flugbegleiterin offenbar über ein Facebook-Konto mit dem Namen „Rose Rose“. Die vermeintliche Auftraggeberin hatte online für Kurierdienste geworben, über die Reisende gegen Bezahlung Waren transportieren konnten. Kurz nach der Festnahme am 25. Juni wurde das Konto gelöscht – ein Rückschlag für die Ermittler, die versuchen, die Identität der Person dahinter zu klären.
Laut Ermittlern hatten die Flugbegleiterin und ihr Freund die Glaubwürdigkeit des Kontos zuvor geprüft, bevor sie den Auftrag annahmen. Solche Kurieraufträge über soziale Medien sind unter thailändischem Kabinenpersonal keine Seltenheit, auch wenn Fluggesellschaften sie strikt untersagen. Genau diese verbreitete Praxis macht es Drogenbanden nach Einschätzung der Behörden leicht, gutgläubige Träger zu finden.
Bote stellt sich – Verhör durch die Behörden
Der Mann, der das Paket mit den Taschen an Miss Meena übergab, hat sich den Behörden gestellt. Justizminister Polizeigeneralleutnant Ruttaphon Naowarat bestätigte, dass der Bote derzeit verhört wird. Im Mittelpunkt der Befragung steht, woher die Ware stammte und über welche Kanäle der Kontakt zur Flugbegleiterin lief.
Parallel dazu tauscht sich die ONCB weiter mit der australischen Bundespolizei aus. Zentrale Hinweise aus Australien lagen den thailändischen Behörden zuletzt jedoch noch nicht vollständig vor, weshalb ein Großteil der Ermittlungsarbeit derzeit auf thailändischer Seite läuft.
Razzia im Haus der Mutter in Phayao
Bereits zuvor waren ONCB-Ermittler in der Provinz Phayao angerückt. Sie durchsuchten das Haus von Miss Meenas Mutter und sicherten Spuren, die Aufschluss über die Paketquelle geben könnten. Die Durchsuchung gilt als wichtiger Mosaikstein in den laufenden Ermittlungen.
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Bei der Befragung gab die Familie an, dass Miss Meena einen Bachelorabschluss besitzt und vor ihrem Einstieg bei Thai Airways ein Praktikum in der Luftfahrtbranche absolviert hatte. Sie sei nur selten nach Hause gekommen, weshalb die Angehörigen kaum Details zu ihrem Privatleben in Bangkok kennen würden, hieß es weiter.
Bis zu 25 Jahre Haft – Anklage in Australien
Nach Angaben der australischen Ermittler wurden in zwei der zwölf Taschen insgesamt rund ein Kilogramm Heroin in der Innenauskleidung gefunden. Drogenschmuggel wird in Australien mit bis zu 25 Jahren Haft bestraft. Sollte sich bestätigen, dass Miss Meena lediglich als ahnungslose Kurierin diente, liegt das endgültige Strafmaß dennoch beim australischen Gericht.
Ob die Flugbegleiterin von einer transnationalen Drogenbande benutzt wurde, lasse sich jetzt noch nicht abschließend beurteilen, so Areepak. Solange zentrale Fragen zu Empfänger und Hintermann ungeklärt bleiben, bleibt auch offen, wie weit die thailändischen Ermittler tatsächlich vordringen können.



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