Thai-Arbeiter-Drama: 98% verschuldet, kein Geld zum Tag der Arbeit

Thailands Arbeiter im Schulden-Taumel: 98 Prozent pleite, 500.000 Baht pro Haushalt! Jetzt kracht der Konsum – und Firmen fordern trotzdem mehr Ausländer!

Thai-Arbeiter-Drama: 98% verschuldet, kein Geld zum Tag der Arbeit
ThaiRath

BANGKOK, THAILAND – Thailands Arbeiter ächzen unter einer Schuldenlast von fast einer halben Million Baht pro Haushalt. 98 Prozent haben keinen finanziellen Spielraum mehr, Ersparnisse sind für die meisten ein Fremdwort. Die Kaufkraft bricht so dramatisch ein, dass das Geld am Tag der Arbeit erstmals seit Jahren nicht mehr fließt.

Fast 500.000 Baht Schulden pro Familie

Die Zahlen sind ein Schock: 98 von 100 thailändischen Arbeitern mit einem Einkommen unter 15.000 Baht stecken in Schulden. Nur zwei Prozent sind schuldenfrei.

Im Schnitt drücken jede Familie 494.505 Baht – ein Sprung von 14,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Damals lag die Last noch bei 432.318 Baht.

Zwei von drei kämpfen mit der Rückzahlung

87 Prozent der Verbindlichkeiten laufen über offizielle Kanäle mit 9,42 Prozent Zinsen pro Jahr. 13 Prozent sind Kredite außerhalb des Systems – dort fallen monatlich 10,72 Prozent an.

Nur 62 Prozent der Betroffenen können die monatliche Rate von 10.867 Baht voll tilgen. Fast 34 Prozent zahlen nur Teile, über vier Prozent bitten um Aufschub.

Kein Geld mehr für den Alltag

Fast 87 Prozent der Arbeiter haben ihren Konsum bereits massiv eingeschränkt. Die Kosten für Lebensmittel und Mieten steigen, die Löhne sinken.

Ganze 79,1 Prozent besitzen keinerlei Ersparnisse. Nur jeder Fünfte hat noch Geld auf der hohen Kante – ein Puffer für Notfälle existiert praktisch nicht.

Existenzangst geht um

Mehr als 21 Prozent der Befragten schätzen das Risiko, den Job zu verlieren, als hoch bis sehr hoch ein. Knapp ein Viertel hält einen Verlust für möglich.

Fast 70 Prozent finden den aktuellen Mindestlohn völlig unzureichend. Als fair würden sie 495 Baht pro Tag empfinden – deutlich mehr als die Realität hergibt.

Erste rote Zahlen seit fünf Jahren

Zum Tag der Arbeit erwarten Experten der Handelskammer-Universität nur noch 2,1 Milliarden Baht an Konsumausgaben. Das ist ein Minus von drei Prozent.

Stört Sie die Werbung?
JETZT den Wochenblitz WERBEFREI lesen!
ZUM ANGEBOT

Rektor Thanawat Pholwichai macht die Lage klar: Es gebe keine Massenentlassungen, aber Überstunden und Nebenjobs brechen weg. Die Arbeiter fürchten um ihre Zukunft.

Ausländer als Rettungsanker

Poj Aramwattananon, Chef der thailändischen Handelskammer, schlägt Alarm. In Ostprovinzen wie Chan Buri oder Rayong fehlen massiv Arbeiter aus Myanmar, Laos, Kambodscha und Vietnam.

Die Produktion leidet, die Wettbewerbsfähigkeit des Landes steht auf dem Spiel. Das Gremium der Privatwirtschaft fordert die Regierung dringend zur Verlängerung aller Arbeitserlaubnisse auf.

Mensch ohne Netz

Ein ganzes Heer von Arbeitern hängt am seidenen Faden. Wer 15.000 Baht verdient und fast 11.000 Baht allein für Schulden abdrücken muss, dem bleibt kein Spielraum für ein würdiges Leben.

Newsletter abonnieren

Newsletter auswählen:
Abonnieren Sie den täglichen Newsletter des Wochenblitz und erhalten Sie jeden Tag aktuelle Nachrichten und exklusive Inhalte direkt in Ihr Postfach.

Wir schützen Ihre Daten gemäß DSGVO. Erfahren Sie mehr in unserer Datenschutzerklärung.
Quelle: Thairath

7 Kommentare zu „Thai-Arbeiter-Drama: 98% verschuldet, kein Geld zum Tag der Arbeit

  1. Mir ist es immer wieder ein Rätsel, wie jemand mit ca. 15.000 Baht Monatsverdienst auf „im Schnitt“ knapp eine halbe Million Schulden kommen kann. Ob es immer nur die Kredithaie sind, die 10% Zinsen verlangen…pro Monat?

  2. Es liegt nur an der Erziehung,die in Thailand praktisch nicht stattfindet!
    Schulden?
    Ein Fremdwort für unsere ganze Familie…

  3. Bestimmte Werte aendern sich von Generation zu Generation. Nicht nur in Thailand. Eine Überschuldung bis an die Grenze ist besonders in Thailand eine tickende Bombe, da viele Alte auf die Unterstützung ihrer Kinder angewiesen sind.. Das meiste Geld in Thailand fliesst vermutlich in den Fuhrpark. Fahrzeuge sind ein „Gesicht“. Ein normaler Zweipersonen Haushalt hat in der Regel einen neuen SUV, ein mittleres Auto, zwei Motorraeder und um Fit zu wirken noch zwei Fahrraeder.

  4. Auch die Vorgänger Regierung ist mit Schuldig. Die versprochenen 10 000 Baht wurden nach Thai Art schon ausgegeben bevor das Geld kommen sollte. Logisches Denken ist in Thailand vorhanden. Im Kopf die Summen und Prozente schnell überschlagen, nicht möglich, Kopfrechnen gleich Null. Eine Geldverleiherin, 5% im Monat sagte auf meine Aussage “ das Geld siehst du nie wieder “ alles nicht so schlimm, solange die Zinsen bezahlt werden. Später ging es dann hart auf hart. Pickup weg und ein paar Reisfelder auch. Keine Einsicht der Schuldnerin „alle haben doch einen Pickup “ und ihr alter Papa sitzt am Tisch mit Tränen in den Augen.

  5. Nur ein Beispiel von vielen : Thais kaufen Motorraeder, die mit 50.000 BAHT ausgezeichnet sind, auf Pump und zahlen jahrelang Raten, die sich auf fast das Doppelte des eigentlichen Kaufpreises summieren. Und das Schlimme daran : Sie finden das auch noch klever – man zahlt ja nur 2.000 BAHT monatlich (oder auch nicht, aber dann ist das Bike ploetzlich verschwunden).
    Wenn man so verschwenderisch mit nicht vorhandenem Geld umgeht wundert es keinen (der rechnen kann) das so viele hoch verschuldet sind.
    Mal die ein oder andere Flasche Bier oder LaoChao weglassen und das dadurch eingesparte Geld sinnvoll einsetzen uebersteigt leider den geistigen Horizont der meisten.

Kommentare sind geschlossen.

Wichtiger Hinweis für unsere Leser

Wir freuen uns auf Ihren Beitrag! Bitte beachten Sie für ein freundliches Miteinander unsere Regeln:

  • Höflichkeit: Keine Beleidigungen, Kraftausdrücke oder Gewaltandrohungen.
  • Sorgfalt: Bitte achten Sie auf die korrekte Schreibweise von Namen.
  • Quellen: Zitate nur mit Namensnennung (Internet-Links/URLs sind nicht erlaubt).
  • Themen: Bitte keine Kritik an der Regierung, der Monarchie oder Diskussionen zur Moderation.
Vorbehalt der Redaktion: Wir behalten uns das Recht vor, Kommentare nachträglich zu bearbeiten oder zu löschen, sollten diese gegen unsere Regeln oder geltendes Recht verstoßen. Ein Anspruch auf Veröffentlichung besteht nicht.