BANGKOK – Die thailändische Regierung hat ihr Vorzeige-Infrastrukturprojekt „Land Bridge“ offiziell beerdigt. Eine interne Prüfung ergab, dass die wirtschaftliche Grundlage fehlt, die Umweltrisiken zu hoch sind und globale Reedereien kein Interesse haben. Stattdessen setzt die Regierung jetzt auf den Ausbau des Hafens von Ranong und neue Schienenkorridore.
Vize-Premier bestätigt das Aus für das Megaprojekt
Der stellvertretende Premierminister und Finanzminister Ekniti Nitithanprapas machte am Freitag um 16 Uhr im Regierungssitz kurzen Prozess mit jahrelangen Planungen. Die von Premierminister Anutin Charnvirakul in Auftrag gegebene Studie wurde noch vor Ablauf der 90-Tage-Frist fertiggestellt.
Drei spezialisierte Teams hatten das Vorhaben parallel unter die Lupe genommen. Gruppe eins prüfte die wirtschaftliche und finanzielle Machbarkeit. Gruppe zwei bewertete die Umweltfolgen. Gruppe drei führte öffentliche Konsultationen durch. Am Ende kamen alle drei zum gleichen vernichtenden Urteil.
Wirtschaftliche Basis durch globalen Handelseinbruch zerstört
Die Kalkulationen, die das Projekt einst rechtfertigten, sind laut Ekniti durch die veränderte Weltlage obsolet. Die Ereignisse im Nahen Osten haben das globale Handelsvolumen spürbar reduziert. Finanzprognosen, die zuvor positive Renditen in Aussicht stellten, drehten ins Negative.
Ohne steigende Frachtvolumina fehlt dem Modell die Geschäftsgrundlage. Der Ausschuss stellte fest, dass das Investitionsrisiko massiv gestiegen ist. Gleichzeitig würden die Baukosten extrem hoch bleiben – ein Missverhältnis, das sich nicht mehr schönrechnen ließ.
Große Reedereien bleiben in ihren bestehenden Netzwerken
Ein zentraler Irrtum der alten Planung war die Annahme, internationale Reedereien würden ihre Frachtströme umleiten. Die meisten Konzerne operieren innerhalb fester kommerzieller Partnerschaften und etablierter Logistikrouten. Der Ausschuss fand keine Belege dafür, dass sie nennenswerte Geschäfte auf eine thailändische Landbrücke verlagern würden.
Ohne diesen Verkehr blieben die erwarteten Einnahmen weit hinter den Prognosen zurück. Erschwerend kommt hinzu, dass der Warentransport entlang der Route relativ langsam bliebe. Die Zeitersparnis wäre zu gering, um Reedereien vom Umstieg zu überzeugen.
Umweltrisiken als zweites K.o.-Kriterium
Die Studie förderte erhebliche ökologische Gefahren zutage, die bisher nie gesamtheitlich betrachtet wurden. Marine Ökosysteme, die Lebensgrundlagen von Küstengemeinden, Ernährungssicherheit und Wälder – all das hing zusammen, war aber in früheren Arbeiten stets isoliert behandelt worden.
Der Ausschuss empfahl, Umweltplanung künftig von der ersten Minute an in alle Infrastrukturprojekte einzubauen. Für die Landbrücke kam diese Erkenntnis zu spät. Die ökologischen Risiken wogen in der Gesamtabwägung schwer genug, um das Projekt mitzubegraben.
Bevölkerung blieb gespalten, Naturschützer auf den Barrikaden
Die öffentliche Konsultation zeichnete ein gemischtes Bild. Wirtschaftsverbände und die verarbeitende Industrie begrüßten stärkere Verkehrsverbindungen zwischen Golf von Thailand und Andamanensee. Doch die breite Öffentlichkeit blieb unentschlossen und äußerte wiederholt Bedenken zu Umweltschutz und mangelnder Transparenz.
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Meeresschutzgruppen zählten zu den schärfsten Kritikern. Der Ausschuss gelangte zu dem Schluss, dass das öffentliche Vertrauen in das Projekt nie ausreichend hergestellt war. Ein Baubeginn unter diesen Bedingungen erschien unverantwortlich.
Ranong-Hafen und Schienen statt neuer Transportkorridor
Die Prüfer verwarfen nicht die Idee besserer Infrastruktur an sich. Sie verschoben nur den Fokus radikal. Anstatt einen völlig neuen Korridor zu bauen, soll der bereits in Betrieb befindliche Hafen von Ranong ausgebaut werden. Er bedient die Andamanenküste bereits und kann mit gezielten Investitionen mehr Verkehr aufnehmen, ohne die Risiken der Landbrücke zu wiederholen.
Parallel dazu empfahl der Ausschuss, die Bahnverbindungen nach Ranong zu stärken. Eine sogenannte Missing-Link-Trasse, die die Provinz an das nordthailändische Schienennetz anschließt, könnte langfristig Frachtverbindungen nach China und zu den Häfen an der Ostküste ermöglichen. Das Prinzip: Bestehende Infrastruktur maximieren statt neue Schneisen schlagen.
Kabinett muss noch zustimmen, doch die Richtung ist klar
Auf die Frage von Reportern, ob die Landbrücke damit faktisch gestrichen sei, antwortete Ekniti knapp: „Das kann man so sagen.“ Die Empfehlung des Ausschusses geht nun zur formellen Entscheidung ins Kabinett. Erst danach wird die offizielle Position der Regierung verkündet.
Der Ausschuss zog auch grundsätzliche Lehren für die Verkehrsplanung. Große Projekte müssten sich in eine klare nationale Strategie einfügen. Umweltpolitik und öffentliche Konsultation seien von Anfang an einzubinden, nicht erst, wenn die Bagger schon bestellt sind.
Empfehlung für nationale Strategie vor Megaprojekten
Ekniti erklärte, dass große Investitionsvorschläge einer klar definierten nationalen Strategie folgen sollten, bevor detaillierte Projektstudien beginnen.
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Hier hat die wirtschaftliche Vernunft gesiegt.
Thailands Größenwahn gestoppt, die Gier🤑 wird Thailand noch zum Verhägnis.