BANGKOK, Thailand – In Thailand leben nach Schätzungen schätzungsweise 620.000 Menschen mit HIV, fast 60.000 davon wissen möglicherweise nichts von ihrer Infektion. Gleichzeitig wurden für 2025 mehr als 10.000 Aids-bedingte Todesfälle und 8.862 Neuinfektionen erwartet. Der Wandel der Sexbranche ins Internet erschwert Tests und Prävention, besonders in Bangkok und bei besonders gefährdeten Gruppen.
Fast 60.000 Infektionen bleiben unentdeckt
Thailands Abteilung für Seuchenkontrolle geht davon aus, dass 565.600 Menschen mit HIV leben. Rund 495.800 erhalten eine antiretrovirale Behandlung, während fast 60.000 ihren Status möglicherweise nicht kennen.
Die Vereinten Nationen schätzen die Zahl der Menschen mit HIV in Thailand auf 620.000. Die Modellspanne reicht von 560.000 bis 690.000. Die Unterschiede hängen mit verschiedenen Methoden, Definitionen und Berichtszeiträumen zusammen.
Mehr als 10.000 Aids-Tote für 2025 erwartet
Für 2025 wurden 10.217 Aids-bedingte Todesfälle prognostiziert. Damit lag die erwartete Zahl der Todesfälle über der geschätzten Zahl der Neuinfektionen.
Thailand verzeichnet weiterhin etwa 8.000 bis 9.000 neue HIV-Infektionen pro Jahr. Das Ziel für 2030 liegt bei weniger als 1.000 Neuinfektionen jährlich. Die aktuelle Zahl liegt damit etwa acht- bis neunmal über der Vorgabe.
Online-Sex umgeht frühere Gesundheitskontrollen
Prostituierte und Kunden verabreden bezahlten Sex zunehmend über Webseiten, Anwendungen und private Nachrichten. Treffen finden in Hotels, gemieteten Zimmern oder Wohnungen statt, ohne dass ein etablierter Betrieb beteiligt sein muss.
Früher ließen sich viele Beschäftigte der Sexbranche in Bars, Klubs, Massagesalons und anderen bekannten Betrieben regelmäßig untersuchen. Medizinische Bescheinigungen, Kondomverteilung und Kontakte zu Gesundheitsdiensten waren dort leichter zu organisieren.
Die Branche ist heute stärker verteilt
Die frühere Struktur beruhte auf festen Orten und bekannten Gruppen. Gesundheitsteams konnten wiederholt dieselben Betriebe aufsuchen und dort Untersuchungen sowie Informationen zur sexuellen Gesundheit anbieten.
Webseiten, Mobiltelefone und soziale Medien haben diese Struktur verändert. Beschäftigte können direkt mit Kunden kommunizieren, während andere auf der Straße oder an wechselnden Orten arbeiten. Dadurch fehlt oft der feste Zugangspunkt für Tests.
Bangkok trägt die größte Last
Bangkok weist landesweit die höchste geschätzte Zahl neuer HIV-Infektionen auf. In der Hauptstadt treffen eine große Bevölkerung, ein umfangreicher Nachtleben-Sektor und verschiedene Formen kommerziellen Sexes aufeinander.
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Die Infektionen verteilen sich nicht gleichmäßig über Thailand. Die Hälfte aller geschätzten Neuinfektionen entfällt auf 15 Provinzen. Menschen in Bangkok und Personen mit mehreren Sexualpartnern sind einem erhöhten Risiko ausgesetzt.
Bestimmte Gruppen sind besonders betroffen
Männer, die Sex mit Männern haben, und Transfrauen weisen überdurchschnittlich hohe Infektionsraten auf. Auch Sexarbeiter und Menschen, die Drogen spritzen, gelten als besonders gefährdet.
Die vorliegenden Zahlen zeigen jedoch nicht, welchen Anteil diese Gruppen an allen Menschen mit HIV ausmachen. Auch die Zahl der undiagnostizierten Fälle lässt sich nach Beruf oder sexuellen Dienstleistungen nicht vollständig aufschlüsseln.
Junge Menschen stecken sich häufiger mit Geschlechtskrankheiten an
Etwa ein Drittel der zuletzt registrierten HIV-Infektionen soll auf Menschen zwischen 15 und 24 Jahren entfallen. Die jährlichen Angaben unterscheiden sich allerdings. Eine wirtschaftliche und soziale Untersuchung nannte rund 13.000 Fälle, während das Modell der Seuchenkontrolle näher bei 9.000 lag.
Andere Geschlechtskrankheiten zeigen die Entwicklung deutlicher. Registrierte Syphilisfälle unter jungen Menschen stiegen innerhalb von fünf Jahren von 4.326 auf 11.813. Gonorrhö-Fälle nahmen im selben Zeitraum von 3.912 auf 9.897 zu.
Vorbeugung ist verfügbar, erreicht aber nicht alle
Thailand verfügt über Tests, Kondome und Medikamente zur Vorbeugung. Eine vorbeugende Behandlung vor einem möglichen Kontakt mit HIV kann eine Infektion verhindern. Nach einem möglichen Kontakt steht eine Behandlung zur Verfügung.
Die Einnahme der vorbeugenden Medikamente konzentriert sich jedoch auf Menschen, die bereits Kontakt zu spezialisierten Angeboten haben. Scham, Angst vor Bekanntwerden und eine unterschätzte persönliche Gefährdung halten manche Menschen von Tests ab.
Behandlung kann das Virus unterdrücken
Eine erfolgreiche antiretrovirale Therapie kann die Virusmenge auf einen nicht nachweisbaren Stand senken. Dann kann HIV beim Sex nicht übertragen werden. Dafür sind ein Test, die Diagnose, regelmäßige Medikamente und eine dauerhaft unterdrückte Viruslast nötig.
Ohne Diagnose kann keine Behandlung beginnen. Bei einer späten Feststellung hat HIV mehr Zeit, das Immunsystem zu schädigen. Manche Infektionen werden erst entdeckt, wenn bereits schwere Erkrankungen auftreten.
Thailand verfehlt sein Ziel für 2030 deutlich
In den 1990er-Jahren lag die Zahl der jährlichen HIV-Infektionen auf dem Höhepunkt bei etwa 170.000. Durch Kondomkampagnen und die Zusammenarbeit mit festen Sexbetrieben sank sie später auf weniger als 10.000.
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Seit fünf oder sechs Jahren gehen die Infektionszahlen jedoch kaum noch zurück. Die Verlagerung des Sexgeschäfts in private digitale Kontakte und auf die Straße hat die früheren Kontrollwege geschwächt. Fast 60.000 unerkannte Infektionen und die für 2025 erwarteten 10.217 Aids-bedingten Todesfälle zeigen den aktuellen Stand.
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