BANGKOK – Thailands Premierminister Anutin Charnvirakul hat mit der Schließung der Cannabis-Industrie gedroht, wenn der internationale Drogenschmuggel nicht gestoppt wird. Hintergrund sind mehrere spektakuläre Beschlagnahmungen von Cannabis aus Thailand, darunter 1,2 Tonnen in Deutschland und 3,37 Tonnen in Indonesien. Die Branche steht massiv unter Druck, während das Parlament über eine längst überfällige Kontrollgesetzgebung debattiert.
Premierminister droht mit Schließung – „das schwache Glied“
Anutin machte deutlich, dass die Regierung ihre Strategie überdenken müsse, wenn trotz strengerer Maßnahmen weiter Cannabis ins Ausland geschmuggelt werde. „Egal wie streng unsere Maßnahmen sind, wenn Menschen immer noch Drogen herausschmuggeln können, müssen wir zurückgehen und unseren Ansatz neu bewerten“, sagte er.
Er warnte, Thailand dürfe nicht von anderen Ländern als „das schwache Glied“ beschuldigt werden. Im Extremfall sei er bereit, die gesamte Industrie „zu schließen“.
Deutsche Zoll-Razzia deckt Schmuggelroute nach Europa auf
Am 2. Juli zerschlug der deutsche Zoll eine Schmuggelroute, über die thailändisches Cannabis auf dem Seeweg nach Europa gelangte. Zwei Lieferungen mit insgesamt 1,2 Tonnen wurden in Containern mit Baumaterialien entdeckt.
Der geschätzte Straßenverkaufswert lag bei über 13 Millionen US-Dollar. Ermittler brachten die Operation mit einer deutsch-polnischen kriminellen Gruppe in Verbindung.
3,37 Tonnen in Indonesien – zwölf Festnahmen
Am selben Tag meldeten indonesische Behörden einen Rekordfund in Ost-Java: 3,37 Tonnen Cannabisblüten aus Thailand. Die Lieferung sollte zu Vape-Produkten verarbeitet und nach Jakarta und Bali vertrieben werden.
Zwölf Verdächtige, darunter mehrere Thailänder, wurden festgenommen. Auch der Hongkonger Zoll griff in der vergangenen Woche zwei Reisende aus Thailand auf, die 13 Kilogramm und 10 Kilogramm Cannabisblüten bei sich trugen.
Britische Botschaft warnt Urlauber: Keine Pakete für andere tragen
Britische Behörden registrieren immer mehr Festnahmen von Landsleuten, die mit Cannabis im Gepäck aus Thailand ausreisen wollen. Organisierte Gruppen rekrutieren Kuriere über die Chat-App Telegram und locken mit kostenlosen Urlauben als Gegenleistung für den Drogentransport.
Die britische Botschaft in Thailand wiederholte ihre dringende Warnung: Wer beim Verlassen des Landes mit Cannabis erwischt wird, muss mit 30.000 Baht Bußgeld pro beschlagnahmtem Kilogramm rechnen. Kann die Summe nicht gezahlt werden, droht Gefängnis.
Verschärfte Regeln und fallende Preise treiben Anbauer in die Enge
Thailand hat die Zügel bereits angezogen: Dispensaries brauchen Lizenzen, Käufer müssen ärztliche Atteste vorlegen. Hunderte Verkaufsstellen wurden geschlossen, doch der Freizeitkonsum bleibt weit verbreitet.
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Die ehemalige Anbauerin Noi berichtet, dass die Preise von einst über 10.000 Baht pro Kilogramm auf etwa die Hälfte eingebrochen sind. Kriminelle Verwicklungen hätten legitime Produzenten verdrängt – Noi fordert deshalb ein erneutes Verbot der Droge.
Cannabis-Gesetz im Parlament als Zünglein an der Waage
Die nächsten Schritte der Regierung hängen davon ab, ob strengere Kontrollen und das geplante Cannabis-Kontrollgesetz den illegalen Export eindämmen können. Der legale medizinale Sektor soll dabei erhalten bleiben.
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