BANGKOK – Thailands Verbraucher ächzen unter steigenden Preisen, das Vertrauen ist auf ein Vierjahrestief gestürzt. Auslöser ist der Krieg im Nahen Osten, der Energie- und Transportkosten hochtreibt. Während der Tourismusboom klingelt und Technologieexporte brummen, driftet die Wirtschaft immer stärker auseinander. Die Regierung stemmt sich mit einem 170-Milliarden-Baht-Programm gegen die Krise.
Verbrauchervertrauen auf Tiefststand seit Dezember 2022
Der Konsumklimaindex der University of the Thai Chamber of Commerce (UTCC) brach im Mai auf 49,5 Punkte ein – der schwächste Wert seit Dezember 2022. Das UTCC-Zentrum für Wirtschafts- und Geschäftsprognosen sieht den Nahostkonflikt und die hohen Ölpreise als größte Sorgen. Diese Faktoren bremsen das Wachstum und treiben die Lebenshaltungskosten weiter nach oben.
Das Vertrauen in die Gesamtwirtschaft sank von 44,1 auf 43,1 Punkte. Das Beschäftigungsvertrauen fiel von 48,6 auf 47,5 und die Erwartungen an das Zukunftseinkommen schwächten sich von 59,0 auf 57,9 ab. Alle Werte liegen weit unter dem neutralen Schwellenwert von 100 und zeigen die anhaltende Verunsicherung.
2,89 Prozent Inflation – Haushalte spüren den Druck
Die Inflation erreichte im April 2,89 Prozent, angefeuert durch explodierende Energiekosten infolge der Nahostkrise. Thailands Haushalte kämpfen mit steigenden Lebenshaltungskosten und schrumpfender Kaufkraft. Banken haben ihre Kreditvergabe verschärft, weil die wirtschaftliche Unsicherheit zunimmt.
Die Regierung hat die Kreditaufnahme ausgeweitet, um das Konjunkturpaket „Thai Helps Thai Plus“ zu finanzieren. Rund 170 Milliarden Baht sollen bis September die Binnennachfrage stützen. Das Programm startete am 1. Juni und zielt auf eine Belebung des privaten Konsums.
Tourismus spült 108 Milliarden Baht in die Kassen
Im Mai kamen 2,35 Millionen ausländische Touristen nach Thailand, ein Plus von 3,54 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Noch stärker stiegen die Ausgaben: 108 Milliarden Baht bedeuten einen Sprung von 12,77 Prozent. Sprecherin Ploytalay Laksmisangchan sprach von einer erfreulichen Entwicklung.
Malaysia blieb der größte Quellmarkt, gefolgt von China, Indien, Russland und Singapur. Von Januar bis zum 7. Juni summieren sich die Besucher auf 14.515.978, die Einnahmen auf rund 701,36 Milliarden Baht. China liegt mit 2,38 Millionen Ankünften vorn, dahinter Malaysia mit 1,83 Millionen und Indien mit 1,10 Millionen.
Exporte überraschen – KI-Boom katapultiert Technologieausfuhren
Das Joint Standing Committee on Commerce, Industry and Banking (JSCCIB) hob am 10. Juni die Wachstumsprognose an. Statt Stagnation erwarten die Wirtschaftsverbände nun ein BIP-Plus von 1,6 bis 2,0 Prozent. Payong Srivanich, Präsident der Thai Bankers’ Association, begründete den Schritt mit starken Exporten und den staatlichen Konjunkturhilfen.
Die Exporte sollen 2026 um acht bis zehn Prozent zulegen. Entscheidend sind Technologieprodukte: In den ersten vier Monaten schnellten die Warenexporte um 18,9 Prozent nach oben, die Ausfuhren von Hightech-Gütern sogar um 48,4 Prozent. Globale Investitionen in KI und Rechenzentren befeuern den Boom auch in anderen asiatischen Ländern.
K-förmige Erholung – Gewinner und Verlierer
Das JSCCIB warnt jedoch vor einer tiefen Spaltung. „Wir sind besorgt über den Druck auf die untere Ebene des K, die nicht von gestiegenen Exporten und ausländischen Direktinvestitionen profitiert“, hieß es. Daten von über 300 börsennotierten Firmen zeigen steigende Kosten und sinkende Einnahmen. Eine dringende Umstrukturierung soll die exportstarken Branchen zu einem „Katalysator“ machen, der Beschäftigung schafft und mehr Wertschöpfung im Land hält.
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Traditionelle Industrien ächzen unter teuren Rohstoffen und schwacher Nachfrage, während Rechenzentren zwar Strom und Wasser brauchen, aber nur wenige Arbeitsplätze bieten. Die Binnennachfrage bleibt gedrückt, bevor die Konjunkturhilfen voll wirken. Viele Technik-Exporte sind zudem auf importierte Vorprodukte angewiesen, der Nutzen für heimische Zulieferer bleibt begrenzt.
Wie es bis zum Herbst weitergeht
Die Verbraucher halten sich mit Ausgaben zurück, solange der Nahostkonflikt keine Klarheit bringt. Die UTCC rechnet für die erste Jahreshälfte mit verhaltener Stimmung, weil viele auf niedrigere Energielasten und den Erfolg der staatlichen Programme warten. Mai und Juni werden für Ökonomen zum Gradmesser, ob die Stützungspakete das Vertrauen wiederbeleben können. Thailand geht mit gegensätzlichen Signalen in die zweite Jahreshälfte 2026. Inflation, Schuldenlast, Unsicherheit und steigende Kosten belasten Haushalte und viele Firmen. Zugleich federn Rekordeinnahmen aus dem Tourismus, der Exportboom und die Milliardenhilfen aus Bangkok die Lage ab. Die kommenden Monate müssen zeigen, ob diese Stützen reichen oder ob der Druck aus dem Nahen Osten Oberhand gewinnt.
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