BANGKOK – Thailands Tourismusstrategie „Value over Volume“ gerät massiv unter Druck. Zum dritten Mal in Folge sinken die ausländischen Besucherzahlen, während Spanien und Griechenland boomen. Vier Millionen Jobs hängen an der Branche, und Tourismusbosse stellen die Regierungsstrategie nun offen infrage.
Dritter Dämpfer in Serie
In den ersten fünf Monaten 2026 reisten nur noch 14,03 Millionen internationale Gäste nach Thailand. 2025 waren es im selben Zeitraum 14,36 Millionen, 2024 sogar 14,76 Millionen.
Das Tourismusministerium verweist auf globale Unsicherheit und den Nahost-Konflikt. Doch die Konkurrenz liefert ein anderes Bild.
Spanien und Griechenland rasen davon
Während Thailand schrumpft, meldet Spanien ein Ankunftsplus von 3,4 Prozent. Griechenland legt sogar um 27,1 Prozent zu und steigerte die Tourismuseinnahmen um satte 36,8 Prozent.
Thailand hat das Vor-Corona-Niveau von 2019 noch immer nicht wieder erreicht. Das sorgt für harte Fragen an die Politik.
Tourismusbosse greifen „Value over Volume“ an
Adith Chairattananon, Ehren-Generalsekretär der Association of Thai Travel Agents, kritisiert die Regierung scharf: „Der Regierung fehlt eine umfassende Sichtweise und geeignete Maßnahmen, um den Tourismus zu fördern.“
Die Branche stützt landesweit rund vier Millionen Jobs. Trotzdem hat die Regierung laut Adith bis heute nicht definiert, was „High-Value“-Tourismus konkret bedeutet.
Was zählt wirklich als wertvoll?
„Wer schafft mehr Wert: ein Tourist, der 100.000 Baht in drei Tagen in einem Privatkrankenhaus lässt, oder jemand, der 50.000 Baht auf einer 15-tägigen Reise durch fünf Provinzen ausgibt?“, fragt Adith.
Ein Medizintourist bringt pro Tag mehr. Der Reisende durch fünf Provinzen verteilt sein Geld jedoch auf Hotels, Pensionen, Restaurants, Märkte, Transport und lokale Attraktionen – und unterstützt so viel mehr Unternehmen und Jobs.
Volumen bleibt lebenswichtig
Adith betont, dass Thailand weiterhin auf hohe Besucherzahlen angewiesen ist. Länder wie Japan, China, Spanien und Australien setzen weiter auf Ankunftsziele.
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Ein zu enger Fokus auf Luxus- und Wellnesstourismus könnte Einkommen zu wenigen großen Playern verschieben. Kleine Pensionen, Reiseveranstalter, Fahrer und freiberufliche Markthändler würden das Nachsehen haben.
Ministerium verteidigt Qualitätskurs
Natthariya Thaweewong, Ständige Sekretärin des Tourismusministeriums, hält dagegen. Die mehr als 14 Millionen Besucher in fünf Monaten spiegelten stabiles Vertrauen wider.
„Thailands Ziel misst sich nicht allein an Besucherzahlen, sondern an der Qualität des Tourismus, den Einnahmen und den Vorteilen für Menschen und Unternehmen in allen Regionen“, so Natthariya.
Koh Samui als Vorzeigemodell
Das Ministerium verweist auf Koh Samui als Beleg für die Qualitätsstrategie. Die Insel wurde bei den Travel + Leisure Luxury Awards Asia Pacific 2026 zur besten Insel der Region gekürt.
Bis Ende März kamen über 1.006.112 internationale Gäste auf die Insel. Sie generierten mehr als 25,53 Milliarden Baht Einnahmen. Koh Samui soll nun als Blaupause für andere Reiseziele dienen.
Neue Visumpläne für Indien und EU
Tourismusminister Surasak Phancharoenworakul bereitet Visa-Vorschläge vor. Indische Reisende sollen künftig 15 Tage visumfrei einreisen dürfen.
Für alle EU-Staaten – inklusive Kroatien, Bulgarien, Zypern und Malta – plant das Ministerium eine 30-tägige Visumbefreiung. Derzeit warten die Pläne aber noch auf die Prüfung durch das Visapolitik-Komitee und die Veröffentlichung in der Royal Gazette.
Hotelbranche knallhart: Korruption und miese Infrastruktur
Thienprasit Chaiyapatranun, Präsident der Thai Hotels Association, macht weitere Baustellen aus. Er nennt Korruption, mangelhafte Infrastruktur und ineffiziente Bildung als größte Wettbewerbshindernisse.
In einigen Gebieten seien illegale Unterkünfte häufiger als lizenzierte Hotels, was fairem Wettbewerb massiv schadet. Auch fehlen weiterhin bequeme Bahnverbindungen zu Reisezielen der zweiten Reihe und genügend Veranstaltungsorte für Top-Events.
Glaubwürdigkeitstest für die Regierung
Sinkende Ankünfte treffen auf große Regierungsversprechen. Die Minister beharren auf Qualitätswachstum, doch die Zahlen zeigen drei Jahre Rückgang, während Konkurrenten abräumen. Für die „Value over Volume“-Politik wird das zur Glaubwürdigkeitsfrage. Kann die Strategie mehr Wert schaffen, ohne dass vier Millionen Arbeitnehmer und zahllose kleine Betriebe weiter ins Hintertreffen geraten?
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Es wird zumindest nicht langweilig, jeden Tag eine neue und differente Aussage zum Tourismus. Das ist wie Geisterbeschwörung.