UN-Berichterstatter widerspricht Thailands Kritik

UN-Berichterstatter Andrews weist Thailands Kritik zurück: Bangkok erhielt den Entwurf zum Grenzkonflikt zwei Tage vor der Veröffentlichung, antwortete nicht.

UN-Berichterstatter widerspricht Thailands Kritik
Photo by Mathias Reding on Unsplash

BANGKOK, Thailand – UN-Sonderberichterstatter Tom Andrews widerspricht Thailand: Zwei Tage vor seinen öffentlichen Äußerungen zum Grenzkonflikt mit Kambodscha habe er den thailändischen Behörden einen Entwurf geschickt. Eine Antwort sei vor der Veröffentlichung in Phnom Penh jedoch nicht eingegangen. Andrews will Bangkok trotzdem noch vor der Vorlage seines Abschlussberichts beim UN-Menschenrechtsrat anhören.

Werbeanzeige

Andrews schickte Thailand den Entwurf vorab

Andrews erklärte am Donnerstag, 6. August, auf seiner offiziellen Facebook-Seite, er habe den Abschnitt zum thailändisch-kambodschanischen Grenzkonflikt zwei Tage vor der Veröffentlichung an die thailändischen Behörden übermittelt.

Er wies damit die Darstellung zurück, Bangkok sei vor seinen öffentlichen Aussagen nicht konsultiert worden. Andrews sagte, er begrüße Rückmeldungen der thailändischen Regierung und sei weiterhin offen für deren Sichtweise.

Werbeanzeige
Werbeanzeige

Thailand kritisiert Verfahren und Inhalt

Der stellvertretende Ministerpräsident und Außenminister Sihasak Phuangketkeow stellte sowohl die Art der Übermittlung als auch die Richtigkeit mehrerer Aussagen infrage. Nach seiner Darstellung handelt es sich bei den Feststellungen um die Einschätzung eines einzelnen UN-Experten.

Das Material sei kein förmlich von den Vereinten Nationen gebilligtes Dokument, sagte Sihasak. Der Bericht müsse noch vom UN-Menschenrechtsrat in Genf geprüft werden, wo Mitgliedstaaten einzelne Behauptungen anfechten könnten.

Werbeanzeige

Streit um rund 650.000 Vertriebene

Ein zentraler Streitpunkt ist Andrews’ Bezug auf rund 650.000 Kambodschaner, die durch die Grenzspannungen vertrieben worden seien. Das thailändische Außenministerium weist diese Zahl zurück.

Nach Darstellung Bangkoks umfasst sie auch Bewohner von Grenzdörfern, deren Ansiedlungen sich während kambodschanischer innerer Konflikte vor mehr als 50 Jahren auf thailändisches Gebiet ausgedehnt hätten. Thailand erklärt, diese Bewohner erfüllten nicht die rechtliche Definition von Binnenvertriebenen.

Werbeanzeige
Werbeanzeige

Thailand verweist auf eigene Schäden

Sihasak kritisierte, Andrews’ Einschätzung berücksichtige weder zivile Opfer in Thailand noch Schäden an thailändischen Schulen und Krankenhäusern. Auch Thailands Position, den Konflikt nicht begonnen zu haben, sei darin nicht ausreichend berücksichtigt.

Thailand fordert von unabhängigen Experten, Informationen direkt bei jedem betroffenen Land zu überprüfen. Bei öffentlichen Pressekonferenzen sollten sie nach Darstellung der Regierung keine einseitigen Behauptungen vortragen.

Werbeanzeige

Andrews beruft sich auf UN-Berichte

Andrews erklärte, die Zahl von 650.000 Vertriebenen stamme direkt aus bestehenden Berichten der Vereinten Nationen. Seine Hinweise auf die Vertriebenen beruhten auf Menschenrechtsbedenken, die unabhängig von widersprüchlichen Gebietsansprüchen gälten.

Stört Sie die Werbung?
JETZT den Wochenblitz WERBEFREI lesen!
ZUM ANGEBOT

Menschenrechte seien relevant, unabhängig davon, ob jemand Thai oder Kambodschaner sei, sagte der UN-Sonderberichterstatter. Damit hält er trotz Thailands Einwänden an der grundsätzlichen Einordnung fest.

Werbeanzeige
Werbeanzeige

Abschlussbericht soll dem UN-Rat vorgelegt werden

Im Streit um kambodschanische Wanderarbeiter stellte Sihasak außerdem klar, dass diese nach thailändischer Darstellung nicht gewaltsam aus Thailand abgeschoben worden seien, sondern nach Aufrufen der kambodschanischen Regierung nach Kambodscha zurückgekehrt seien. Andrews will Thailand vor der Vorlage seines Abschlussberichts im folgenden Monat weiterhin Gelegenheit geben, seine Perspektive darzulegen. Der Bericht ist bislang noch nicht vom UN-Menschenrechtsrat in Genf geprüft worden.

Lesen Sie auch: Thailand untersucht unbefugten Zugriff auf Behördendaten

Was denkst du darüber? Schreib uns deine Meinung in die Kommentare.

Newsletter abonnieren

Newsletter auswählen:
Abonnieren Sie den täglichen Newsletter des Wochenblitz und erhalten Sie jeden Tag aktuelle Nachrichten und exklusive Inhalte direkt in Ihr Postfach.

Wir schützen Ihre Daten gemäß DSGVO. Erfahren Sie mehr in unserer Datenschutzerklärung.
Quelle: AseanNow