Belgische Staatsanwälte ermitteln gegen Wise wegen 500 Millionen Euro verdächtiger Transaktionen – und plötzlich fragen sich Zehntausende Expats aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, ob ihr Konto noch sicher ist. Berechtigte Frage. Zur Antwort gehören aber nicht nur die Brüsseler Ermittler, sondern auch das, was Wise ab dem 3. August 2026 mit allen Thailand-Konten macht. Wer beides nicht kennt, hat ein Problem.
500 Millionen Euro – und Wise schweigt sich aus
Am 1. Juni 2026 berichtete das Bureau of Investigative Journalism, dass die Brüsseler Staatsanwaltschaft seit 2025 gegen Wise Europe ermittelt. Der Vorwurf: Wise-Konten tauchten in Hunderten von Rechtshilfeersuchen aus mehr als 30 europäischen Ländern auf – verbunden mit Betrug, Korruption und Drogenhandel. Der Gesamtbetrag der untersuchten Transaktionen liegt bei rund 500 Millionen Euro.
Wise selbst reagierte mit einem Börsenpflichttext: Man kooperiere, es gebe keine konkreten Befunde, und Anfragen von Strafverfolgungsbehörden seien normaler Geschäftsbetrieb. Das mag formell stimmen. Verschwiegen wird dabei, dass dies nicht die erste Baustelle dieser Art ist. 2024 zwang die belgische Nationalbank Wise zu einem Sanierungsprogramm, weil das Unternehmen für Hunderttausende Kunden keine Adressnachweise vorlegte.
Kein Einzelfall: Die Vorgeschichte der Wise-Compliance-Mängel
Im Juli 2025 einigten sich mehrere US-Bundesstaaten auf eine Geldstrafe von 4,2 Millionen US-Dollar wegen AML-Verstößen gegen den Bank Secrecy Act. 2023 verhängte die Finanzaufsicht Abu Dhabis eine weitere Strafe wegen AML-Lücken. Die Aktie fiel am Tag der Bekanntgabe des belgischen Verfahrens zeitweise um fast 19 Prozent. Unternehmen mit sauberer Akte sehen anders aus.
Für Wise-Nutzer in Thailand ist das kein abstraktes Börsenproblem. Drei Regulierungsverfahren auf drei Kontinenten innerhalb von zwei Jahren bedeuten: Die Compliance-Anforderungen an Kunden werden strenger, die Prüfungen häufiger. Wer seine Kontodaten nicht gepflegt hat, bekommt das früher zu spüren als gedacht.
Wird das Konto gesperrt? Was Expats jetzt wissen müssen
Die Ermittlung richtet sich gegen Wise Europe – die belgisch lizenzierte Einheit, über die Wise seine europäischen Kunden bedient. Eine direkte Konsequenz für einzelne Konten ist Stand Juli 2026 nicht absehbar. Wise wurde nicht angeklagt, und kein Regulator hat bisher Kontosperrungen angeordnet. Wer sein Konto dort führt, hat heute keinen konkreten Grund zur Panik. Wer aber daraus schließt, dass alles in bester Ordnung sei, liest die Lage falsch.
Realistisch ist: Schärfere Compliance-Prüfungen kommen. Wise hat angekündigt, im Zuge der Thailand-Regulierung ab Juni 2026 Verifikationsdokumente von Kunden anzufordern. Wer diese Anfragen ignoriert, riskiert Kontobeschränkungen – nicht wegen der Brüsseler Ermittler, sondern wegen der Bank of Thailand. Wer keine aktuellen Dokumente einreicht oder seine Kontoadresse nicht gepflegt hat, könnte tatsächlich in Schwierigkeiten geraten. Der Fehler wäre dann aber der eigene, nicht der belgische.
Was Wise ab 3. August in Thailand wirklich wird
Am 17. März 2026 erhielt Wise fünf Lizenzen der Bank of Thailand – als erster Nicht-Bank-Anbieter mit einem vollständigen Lizenzsatz im Land. Ab dem 3. August 2026 laufen alle Bestandskonten mit hinterlegter Thai-Adresse unter der neuen Tochtergesellschaft Wise Payments (Thailand) Limited, direkt beaufsichtigt von der Zentralbank. Für Kunden, die sich nach dem 21. Januar 2026 registriert haben, gilt das bereits ab Juni 2026. Das Datum hängt vom Anmeldedatum ab – nicht vom Wohnsitz, nicht vom Visum, sondern von der im Konto hinterlegten Adresse.
Entscheidend ist ein einziger Punkt: Wer eine Thai-Adresse im Konto hat, ist betroffen. Wer noch eine deutsche, österreichische oder Schweizer Adresse hinterlegt hat, bleibt unter der europäischen Wise-Einheit und spürt kaum etwas von den Änderungen. Das ist die wichtigste Weichenstellung – sie lässt sich in der Wise-App unter den Persönlichen Daten in weniger als einer Minute prüfen.
Was neu dazukommt – für manche ein echtes Upgrade
Wer in Thailand lebt und Baht verdient, bekommt Funktionen, die bisher schlicht fehlten. Baht lässt sich künftig direkt aus dem Thai-Bankkonto oder dem Wise-Guthaben ins Ausland transferieren – zum Mid-Market-Kurs, mit ausgewiesenen Gebühren. Dazu kommt die vollständige PromptPay-Anbindung: senden an jede PromptPay-ID, empfangen per QR-Code, zahlen bei Marktständen, die keine ausländischen Karten akzeptieren. Wise liefert außerdem erstmals physische Karten direkt nach Thailand.
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Das klingt besser als es ist – jedenfalls für alle, die Wise bisher als Multiwährungs-Werkzeug genutzt haben. Für den klassischen Expat, der seine Thai-Rente verwaltet oder regelmäßig Baht nach Deutschland, Österreich oder in die Schweiz schickt, ist es tatsächlich ein Schritt nach vorne. Für alle anderen kommt jetzt die schlechte Nachricht.
Was wegfällt – die Liste, die Wise lieber nicht betont
Bargeld am Thai-Automaten abheben: gestrichen. Wer eine Thai-Adresse im Konto hat, kann ab September 2026 mit der Wise-Karte kein Bargeld mehr an thailändischen Geldautomaten ziehen. Im Ausland bleibt die Funktion erhalten. Bestehende Karten werden deaktiviert, Wise schickt kostenlos Ersatz – der aber kein Thailand-ATM mehr unterstützt. PromptPay als Ersatz hat enge Limits: maximal 10.000 Baht pro Transaktion, 30.000 Baht pro Tag. In Provinzen, wo Bargeld regiert, ist das ein reales Alltagsproblem.
Fremdwährungen halten fällt weg: Eingehende Überweisungen in USD, GBP oder Euro werden automatisch in Baht umgerechnet. Wer Dollar oder Euro auf dem Wise-Konto geparkt hat, um günstig umzutauschen, verliert diesen Vorteil. Drittland-Transfers laufen nicht mehr direkt: Wer von einem deutschen auf ein singapurisches Konto überweisen will, muss künftig den Umweg über Baht nehmen – zwei Konvertierungen, zwei Gebührenrunden. Bei 1.000 US-Dollar Transferbetrag sind das laut Community-Berechnungen rund acht Dollar Mehrkosten pro Vorgang.
Zwangsliquidierung: Was mit Zinsen und Aktien passiert
Zinsen und Aktien-Guthaben werden zwangsliquidiert: Wise verkauft bis August alle bestehenden Anteile und schreibt den Erlös dem THB-Guthaben gut. Wer Wise als Depot-Ersatz genutzt hat, muss das bis zum Stichtag selbst regeln oder akzeptiert den Zwangsverkauf zum dann geltenden Kurs.
Der Erlös landet automatisch auf dem Baht-Konto – eine Konvertierung, die steuerlich relevant sein kann. Wer zum Stichtag Aktiengewinne realisiert und als Thailand-Steuerresident gilt, sollte prüfen, ob das Revenue Department diese Transaktion als Remittance einordnet. Eine Antwort darauf gibt es bislang nicht.
Die Steuerfrage, auf die das Revenue Department keine Antwort gibt
Das ist der Punkt, über den sich die Expat-Community am lautesten streitet – und zu Recht. Seit dem 1. Januar 2024 gilt in Thailand die Remittance-Regel: Wer mehr als 180 Tage im Jahr im Land lebt und Auslandseinkünfte nach Thailand überweist, muss diese im Überweisungsjahr versteuern. Was noch völlig ungeklärt ist: Gilt die automatische Baht-Konvertierung durch Wise als Remittance? Landet also eine USD-Zahlung, die Wise sofort in Baht umrechnet, rechtlich als nach Thailand überwiesen – auch wenn das Geld nie ein Thai-Bankkonto berührt hat?
Das Revenue Department hat dazu bis Juli 2026 keine Leitlinien veröffentlicht. Steuerberater in Thailand sind uneins. Wer regelmäßig größere Auslandsbeträge über ein Thailand-registriertes Wise-Konto empfängt und steuerlich ansässig ist, sollte sich vor dem 3. August beraten lassen. Einen Überblick über die Remittance-Regeln und die Freibeträge für Rentner aus Deutschland, Österreich und der Schweiz hat Wochenblitz aufbereitet.
Krankenversicherung und Absicherung: Was beim Geldtransfer oft vergessen wird
Wer seine Wise-Struktur neu aufbaut, denkt an Konten und Überweisungswege. Was dabei regelmäßig hinten runterfällt: die Krankenversicherung. Wer in Thailand über Ersparnisse oder Rente lebt, hat im Krankheitsfall kein staatliches Netz. Ein Krankenhausaufenthalt im Privatspital kostet schnell 50.000 bis über 500.000 Baht. Ein auf Expats spezialisierter Krankenversicherungsanbieter hilft, Lücken zu identifizieren, bevor sie teuer werden.
Das gilt besonders für alle, die ihre Wise-Adresse auf eine DACH-Adresse zurückstellen, um die ATM-Funktion zu behalten. Wer damit gleichzeitig seine Versicherungsstruktur verändert, sollte die Konsequenzen im Blick behalten. Beides hängt enger zusammen, als es auf den ersten Blick scheint.
Wer handeln muss – und wer einfach abwartet
Wer sein Wise-Konto noch auf eine DACH-Adresse hat: abwarten, kein akuter Handlungsbedarf. Wer ein Thailand-registriertes Konto hat und Wise hauptsächlich für ATM-Abhebungen nutzte: Adresse jetzt auf eine legitime Auslandsadresse korrigieren – eine fiktive Adresse verstößt gegen die Nutzungsbedingungen und kann zur Sperrung führen. Als Bargeld-Alternative funktioniert Revolut weiterhin an Thai-Automaten. Wer Wise für Drittland-Transfers genutzt hat: Airwallex oder der klassische Swift-Transfer über die Heimatbank sind die sauberen Alternativen.
Wer die Verifikationsmail von Wise noch nicht beantwortet hat: nachholen. DTV- und Education-Visa-Inhaber können die Dokumente direkt einreichen. Wer nicht reagiert, riskiert Kontobeschränkungen, die nichts mit Belgien zu tun haben, aber genauso schmerzen. Wer Fragen zu Visum und Aufenthaltsstatus in Verbindung mit der neuen Wise-Struktur hat, findet bei auf Thailand spezialisierten Beratungsstellen die richtigen Ansprechpartner – besonders wenn Adressänderungen gleichzeitig visumrelevant sind.
Redaktionelle Hinweise
Dieser Artikel gibt den Recherche- und Informationsstand vom Juli 2026 wieder. Die belgische Ermittlung gegen Wise Europe befindet sich noch nicht in der Anklage- oder Urteilsphase; Wise wurde nicht verurteilt. Für steuerliche Fragen zur Remittance-Pflicht und zur Einordnung von Wise-Transfers nach thailändischem Recht wird eine Beratung durch einen in Thailand zugelassenen Steuerberater empfohlen. Hinweis: Dieser Artikel enthält Links zu unseren Werbepartnern.



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