Wohnungskrise in Thailand: Warum sich Thais kein Eigenheim leisten können

Bangkok ist für Einheimische unbezahlbarer als London oder New York. Während die Politik über Ausländer streitet, scheitern fast 70 Prozent der jungen Thai-Familien bei der Kreditvergabe. Was die Banken zur Panik treibt.

Wohnungskrise in Thailand: Warum sich Thais kein Eigenheim leisten können
Photo by michael schaffler on Unsplash

Bangkok, Thailand – Während Thailand seit zwei Wochen erbittert über ausländische Villenbesitzer streitet, entfaltet sich die wahre Immobilienkrise woanders. Eine 28-jährige Büroangestellte aus Bangkok steht sinnbildlich für eine ganze Generation, die den Traum vom Eigenheim leise begraben hat. Keine Strandvilla-Razzia der Welt ändert an ihrer Lage auch nur einen Baht.

Sie ist 28 und hat schon aufgegeben

Die junge Frau arbeitet in einem Büro in Bangkok, verdient ein ordentliches Gehalt und spart seit Jahren. Sie hat alles richtig gemacht und trotzdem akzeptiert, dass sie in ihrer Geburtsstadt niemals eine Wohnung besitzen wird.

Kein Einzelfall, sondern der Normalfall. Sie ist die typische junge Thailänderin – und sie ist die wichtigste Person in Thailands gesamter Immobiliengeschichte, über die in den Schlagzeilen niemand spricht.

Ein Preis, der jeden Bodenkontakt verloren hat

Ein durchschnittliches Eigenheim in Bangkok kostet mehr als das 30-fache des durchschnittlichen jährlichen Haushaltseinkommens. In den meisten Industrieländern gilt ein Wert über fünf bereits als stark unerschwinglich, über sieben als Krise. Bangkok liegt jenseits jeder Vorstellungskraft – belastender als London, belastender als New York.

Die eigenen Forschungseinrichtungen Thailands beschreiben seit letztem Jahr einen Markt, in dem einheimische Käufer die Preise schlicht nicht erreichen können. Gemessen an dem, was Menschen hier tatsächlich verdienen, zählt Bangkok zu den unerschwinglichsten Großstädten der Welt.

Die Bank sagt Nein – sieben von zehn Mal

Selbst wenn sie den Kaufpreis irgendwie zusammenbekäme, müsste sie eine Bank überzeugen. Thailändische Kreditgeber lehnen 40 bis 45 Prozent aller Hypothekenanträge ab. Bei Häusern unter drei Millionen Baht – ihrer Preisklasse – schnellt die Ablehnungsquote auf bis zu 70 Prozent.

Man stelle sich das vor: Sie findet ein bescheidenes Heim, das sie sich gerade so leisten kann, und sieben von zehn Mal kommt die Antwort Nein. Das Haus war nie das eigentliche Hindernis. Die Finanzierung ist es.

Schuldenlast erdrückt eine ganze Generation

Warum die Banken so ängstlich sind, liegt an einer der höchsten Schuldenlasten der Welt. Die Verschuldung thailändischer Privathaushalte liegt bei fast 88 Prozent des BIP – mit Abstand die höchste in Südostasien und weit über der 80-Prozent-Marke, die die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich als Wachstumshemmnis einstuft.

Rund 77 Prozent davon sind reine Konsumschulden: Kreditkarten, Autokredite, Privatkredite – keine produktiven Investitionen. Unter den 25- bis 29-jährigen Thailändern hält bereits mehr als ein Viertel mindestens einen notleidenden Kredit, bevor sie ihr Haupteinkommensalter überhaupt erreicht haben.

Junge Thais geben den Traum vom Eigenheim auf

Rund zwei Drittel der jüngeren Thais, Gen Z und Millennials, mieten inzwischen statt zu kaufen. Die Mehrheit gab in einer Umfrage an, keine Pläne für einen Immobilienkauf in den nächsten fünf Jahren zu haben.

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Die wohl stillste und niederschmetterndste Zahl: Fast vier von zehn Thais erklärten bei einer Befragung in diesem Jahr, sie wären lieber 1975 geboren. Damals fühlte sich das Leben erschwinglich an – heute nicht mehr. Das ist keine Immobilienstatistik, sondern eine Generation, die sagt, dass die Tür zum Leben ihrer Eltern zugefallen ist.

Zwei Märkte, die sich niemals berühren

Thailands Immobilienmarkt zerfällt in zwei völlig unterschiedliche Welten. Auf der einen Seite Resort-Villen in Phuket und Samui, Luxus-Eigentumswohnungen über Nominee-Strukturen, gekauft mit ausländischem Lifestyle-Geld. Auf der anderen Seite erschwingliche Reihenhäuser und Einsteigerwohnungen in Vororten und Provinzstädten, finanziert mit inländischen Hypotheken, die jedes Jahr schwerer zu bekommen sind.

Beide Märkte teilen nur das Etikett Immobilie. Eine Strandvilla zu räumen, ändert nichts am Angebot oder Preis eines Reihenhauses in der Vorstadt. Sie sind keine Rivalen, sondern völlig Fremde.

Die Jagd auf den falschen Feind

Während Thailands Immobilienmarkt sein viertes Jahr in Folge Rückgänge verzeichnet, bleibt die ausländische Nachfrage stabil. Der Markt für Phuket-Villen, der die Schlagzeilen füllt, ist von der Erschwinglichkeitskrise komplett isoliert – getrieben von Fremdwährungen, denen egal ist, was eine Büroangestellte in Bangkok verdient.

Fast die gesamte politische Energie – Razzien, Vorladungen, Empörung – richtet sich auf den Teil, der gut läuft. Man inszeniert eine Rettung in dem Gebäudeflügel, der nie gebrannt hat.

Was eine beschlagnahmte Villa tatsächlich bringt

Das Durchgreifen wird als Schutz verkauft – Schutz für thailändisches Land, für thailändische Heime. Doch was bringt es der 28-jährigen Frau aus Bangkok, deren Hypothek gerade abgelehnt wurde, wenn eine Ausländervilla auf Koh Phangan beschlagnahmt wird? Nichts.

Es fügt dem Großraum Bangkok kein einziges erschwingliches Heim hinzu, genehmigt keine Ersthypothek, bewegt das Preis-Einkommens-Verhältnis nicht um eine Dezimalstelle. Sie steht nach der Razzia genauso da wie davor – nur mit der kleinen Genugtuung, Ausländern beim Dämpfer zuzusehen, statt des Heims, das sie sich nicht leisten kann.

Drei Hebel gegen die Krise

Thailändische Familien wollen Eigenheime besitzen – der Wunsch ist intakt, dauerhaft und enorm. Was fehlt, ist Angebot am richtigen Ende und Kapital in den richtigen Händen. Es ist ein lösbares Problem, und drei Hebel liegen bereit, ohne dass etwas Neues erfunden werden müsste.

Erstens: erschwinglichen Wohnraum dort bauen, wo er gebraucht wird. Das Segment wird chronisch vernachlässigt, weil Entwickler höhere Margen im Luxusbereich jagen. Gezielte Anreize für Häuser, die normale Thailänder kaufen können, würden diese Lücke schließen.

Kreditvergabe präzise öffnen

Zweitens: Der Hypothekenengpass ist der Flaschenhals. Es geht nicht um rücksichtslose Lockerung, die nur die nächste Schuldenkrise aufbaut, sondern um Präzision. Gut abgesicherter Zugang für kreditwürdige Erstkäufer, Entlastung bei Übertragungsgebühren, vernünftige Kreditprogramme für das erste Eigenheim.

Thailand hat diese Instrumente früher eingesetzt. Die Aufgabe liegt darin, sie zu schärfen und auf die Käufer auszurichten, die sie brauchen – ohne die Hürde für alle anderen zu senken.

Ausländisches Kapital als stiller Geldgeber

Drittens: ausländisches Kapital kanalisieren, statt es zu verteufeln. Ein klarer, rechtlicher Weg für ausländisches Eigentum – mit hohen Preisuntergrenzen, einer Abgabe für ausländische Käufer und ausgewiesenen Zonen – hält das Geld in der Luxusebene eingemauert, wo es der lokalen Erschwinglichkeit nicht schadet.

Die Abgabe bringt reale Einnahmen, die direkt in sozialen Wohnungsbau und Erstkäuferhilfe fließen können. Ausländisches Kapital wird so zum stillen Finanzier der Lösung – statt zum Phantom-Bösewicht, den man vertreibt.

Die eigentliche Geschichte spielt woanders

Thailands Immobiliengeschichte spielt nicht in Phuket oder auf Samui. Sie entscheidet sich in den Vororten Bangkoks, bei jungen Familien, die gegen die Wand aus Preisen und Schulden laufen. Während das ganze Land über Ausländer streitet, schließt sich die Tür für Einheimische leise. Die vorgeschlagenen Lösungen liegen auf dem Tisch: Bau erschwinglicher Wohnungen, präzisere Kreditvergabe für Erstkäufer und eine regulierte legale Route für ausländisches Eigentum mit zweckgebundenen Abgaben. Keine davon erfordert eine einzige Strandvilla-Razzia.

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Quelle: Thaiger

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