THAILAND – Vietnam rückt im ASEAN-Tourismus schnell auf und zwingt Thailand zu tiefgreifenden Änderungen: Während Vietnam 2025 Rekordzahlen und starke Einnahmen meldet, verzeichnet Thailand 2025 Rückgänge gegenüber 2019 und 2024. Experten fordern deshalb digitale Infrastruktur, stärkere Sicherheits‑ und Vertrauensmaßnahmen sowie eine klare Fokussierung auf ertragsstarke Gäste – alles relevante Signale für Reisende und Anbieter.
Thailands Zahlen: Erholung, dann Rückgang
Thailands Tourismus erholte sich 2024 um 26,27 Prozent, fiel 2025 aber zurück: Die Ankünfte aus dem Ausland lagen 2025 bei 32,97 Millionen, ein Minus von 7,23 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Einnahmen durch internationale Besucher sanken 2025 um 4,71 Prozent auf 1,53 Billionen Baht.
Hauptproblem war der starke Rückgang chinesischer Gäste: Deren Ankünfte gingen um 33,8 Prozent zurück und erreichten nur noch rund 40 Prozent des Niveaus von 2019, als Thailand fast 40 Millionen ausländische Touristen empfing. Langstreckenmärkte verbesserten sich zwar, konnten den Verlust aus Ostasien aber nicht vollständig ausgleichen.
Vietnams Aufholjagd: Besucher und Geld fließen
Vietnam erlebte 2025 ein Rekordjahr mit 21,1 bis 21,2 Millionen internationalen Ankünften, ein Plus von 20,4 Prozent gegenüber 2024 und 17,8 Prozent über dem Niveau von 2019. Die Tourismuseinnahmen überschritten erstmals eine Billiarde Dong, was rund 39 Milliarden US-Dollar beziehungsweise etwa 1,27 Billionen Baht entspricht.
Für 2026 peilt Vietnam 25 Millionen internationale Besucher, 150 Millionen Inlandsreisen und Einnahmen von 1,125 Billiarden Dong (rund 45 Milliarden US-Dollar bzw. etwa 1,47 Billionen Baht) an und strebt bis 2030 einen Platz unter den Top 30 des Travel and Tourism Development Index (TTDI) an.
Thailand setzt auf Qualität und neue Angebote
Thailand verfolgt die Strategie „Up Level, Add Story, Create Value“ mit dem Ziel, die Tourismuseinnahmen auf 3,4 bis 3,5 Billionen Baht zu erhöhen. Teil der Strategie sind Soft‑Power‑Kampagnen wie „5 Must Do in Thailand“, das Destination Thailand Visa (DTV) für Langzeitbesucher sowie ein stärkerer Fokus auf Nischen wie Wellness und MICE.
Das DTV-Angebot umfasst ein Fünfjahresvisum für digitale Nomaden und zahlungskräftige Langzeitreisende und soll helfen, mehr ertragsstarke Gäste anzuziehen. Parallel wird betont, dass Angebote wie Strände, Tempel, Essen und Thai‑Massage stärker als Erlebnisprodukte vermarktet werden müssen.
Vietnam macht Einreise und Technik zur Waffe
Vietnam kombiniert flexiblere Einwanderungsregeln mit digitalen Lösungen: Die geplante „Strategic Dual Visa Policy“ sieht für bestimmte Zielländer 45 Tage Visafreiheit und weltweit 90‑tägige E‑Visa vor. Diese Erleichterungen sollen mehr Reisende schnell ins Land bringen.
Zudem entwickeln Regierung und Privatsektor die Super‑App „Visit Vietnam“ mit künstlicher Intelligenz und Blockchain, fertiggestellt bis 2027, die Buchungen, Händlerbewertungen und grenzüberschreitende Zahlungen vernetzen soll und damit das Reisen einfacher machen will.
Experten warnen: Fünf Anpassungsfelder für Thailand
Yuthasak Supasorn bezeichnete 2024–2025 als schwierige Anpassungsphase und wies zugleich auf strukturelle Grenzen im vietnamesischen Wachstum hin, das eher volumen‑ als wertorientiert wachse. Adith Chairattananon von der ATTA sieht Thailand zwar weiterhin vorn, warnt aber, dass Vietnam zum schnellsten strategischen Wettbewerber geworden ist und in den nächsten fünf bis zehn Jahren wichtige Zielgruppen verlieren könnte.
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Die ATTA empfiehlt fünf zentrale Maßnahmen: neue Erfolgsindikatoren jenseits von Ankunftszahlen (z. B. Ausgaben pro Kopf), Sicherheit als nationale Agenda mit Krisenkommunikationszentrum und KI‑Social‑Listening, Auffrischung bestehender Produkte durch Storytelling und Premium‑Routen, Förderung neuer Tourismusstädte wie Chiang Rai, Nan, Udon Thani, Trang, Chanthaburi, Nakhon Si Thammarat und Buri Ram sowie Investitionen in eine neue Generation von Fachkräften („T+AI Tourism Talent“).
Konkrete Folgen für Reisende und die Branche
Für Urlauber heißt das: Thailand will stärker auf hochwertige Angebote, fünf‑Jahres‑Visa und neue Zweitziele setzen, während Vietnam mit erleichterter Einreise und einer integrierten digitalen Plattform das Reisen bequemer machen will. Anbieter und Destinationen müssen sich auf veränderte Erwartungen bei Komfort, Sicherheit und digitalen Services einstellen. Die Botschaft von Behörden und Privatsektor lautet klar: Thailand liegt weiterhin vorn, der Vorsprung schrumpft aber – um ihn zu halten, sind schnellere Reformen, stärkerer Vertrauensaufbau und eine bessere digitale Tourismusinfrastruktur nötig.
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