BANGKOK – Thailand erlebt einen der größten Prüfungsskandale seiner Geschichte – mehr als 3.000 Kandidaten sollen sich mit einem ausgeklügelten System Stellen in der Kommunalverwaltung erkauft haben. Der Schaden wird auf 4,5 Milliarden Baht geschätzt.
Das Netzwerk reichte tief in die Behörden hinein
Im Zentrum steht eine landesweite Einstellungsprüfung mit 87 Stellenkategorien und genau 6.669 zu besetzenden Positionen. Über 100.000 Bewerber kämpften um die Jobs – doch ein Teil von ihnen soll den Test nicht mit Wissen, sondern mit Geld bestanden haben.
Die Ermittler sprechen von einem hochprofessionellen Schema. Gegen Zahlung erhielten Kandidaten Zugang zu Kopien der Antwortbögen. Falsche Antworten wurden identifiziert und die Bögen anschließend gezielt zugunsten der Zahler manipuliert.
Razzia in Nonthaburi brachte die entscheidenden Beweise
Am 22. Juni schlugen Beamte der Nationalen Antikorruptionskommission zusammen mit der Antikorruptionspolizei in einem Haus in Nonthaburi zu. Sie stellten 18 Computer, Speichermedien und brisante Listen sicher.
Vor Ort entdeckten die Ermittler rund 9.000 Antwortbögen. Etwa 2.000 davon waren zu diesem Zeitpunkt bereits verändert worden – sämtlich verknüpft mit rund 3.000 Prüflingen.
So viel kostete der Schummel-Service
Für allgemeine Verwaltungsposten verlangte das Netzwerk 350.000 Baht. Wer eine der besonders begehrten Positionen ergattern wollte, musste deutlich tiefer in die Tasche greifen.
Die Preise für hart umkämpfte Stellen lagen laut Behörden zwischen 700.000 und 800.000 Baht. Die Ermittler gehen davon aus, dass die tatsächliche Zahl der Käufer noch höher liegen könnte.
Zehn Staatsbedienstete unter Verdacht
Die Polizei hat inzwischen zehn Verdächtige identifiziert – allesamt Angehörige des öffentlichen Dienstes. Eine Festnahme wurde noch nicht gemeldet, doch die Finanzströme werden lückenlos zurückverfolgt.
Parallel prüft das Innenministerium, ob Beamte aus der eigenen Abteilung für Kommunalverwaltung aktiv an dem Betrug beteiligt waren. Die Rufe nach harten Konsequenzen werden lauter.
Minister drohen mit strengsten Strafen
Der stellvertretende Innenminister Worasit Liangprasit kündigte Maßnahmen gegen jeden an, der Verantwortung trägt. Er ließ offen, ob den Käufern die Prüfungsergebnisse entzogen oder bereits vergebene Posten gestrichen werden.
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Premierminister Anutin Charnvirakul wählte noch deutlichere Worte. Er versprach, die Regierung werde mit den schärfsten rechtlichen Mitteln gegen alle Beteiligten vorgehen.
Unklare Lage: Sitzen die Betrüger schon im Amt?
Noch ist völlig unklar, wie viele der 6.669 Stellen tatsächlich besetzt wurden. Die Behörden warnen, dass einige Nutznießer des Systems bereits auf Posten in der Kommunalverwaltung berufen worden sein könnten.
Ob die etwa 3.000 verdächtigen Personen derzeit aktiv im Staatsdienst stehen, bleibt Gegenstand der laufenden Untersuchung. Ihre Zulassungen und Ernennungen könnten widerrufen werden – und sie selbst riskieren Strafverfahren.
Erfolglose Kandidaten brachten den Fall ins Rollen
Der Skandal flog auf, als gescheiterte Bewerber Beschwerden einreichten. Sie hatten keinen Zugang zu ihren Prüfungsergebnissen erhalten und witterten Unregelmäßigkeiten.
Das Amt für Kommunalverwaltung hatte die Prüfung an die Srinakharinwirot-Universität vergeben. Nun wird geprüft, ob auch Universitätsmitarbeiter oder Prüfungsbeteiligte in den Betrug verstrickt waren.



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