BANGKOK – Der verheerende Brand in der Bangkoker „Brauerei Lat Phrao“ hat bislang 34 Menschenleben gefordert. Während die Polizei die Anklage gegen die Verantwortlichen vorbereitet, benennt der Vorsitzende der thailändischen Anti-Korruptionsorganisation das eigentliche Problem: Bestechung habe ein System geschaffen, in dem Betriebsgenehmigungen nicht Sicherheit garantieren, sondern nur den Geldfluss an Beamte.
Das Feuer brach am 12. Juli kurz vor Mitternacht in der „Brauerei Lat Phrao“ in der Soi Lat Phrao 1 aus, einem beliebten Brauereilokal mit Livemusik im Bezirk Chatuchak. Die Feuerwehr brachte den Brand binnen einer halben Stunde unter Kontrolle – doch für viele Gäste kam die Hilfe zu spät. 27 Menschen starben noch am Unglücksort, sieben weitere erlagen in den folgenden Tagen ihren Verletzungen in Krankenhäusern. 70 weitere Personen wurden verletzt, davon befanden sich laut Bezirksverwaltung Chatuchak am 19. Juli noch 13 in kritischem Zustand.
Anti-Korruptions-Chef sieht Bestechung als Wurzel der Katastrophe
Mana Nimitmongkol, Vorsitzender der Anti-Korruptionsorganisation Thailand (ACT), erhob in einem Interview mit Thai PBS schwere Vorwürfe gegen die Behörden. Er bezeichnete die Tragödie als direkte Folge systematischer Korruption. Betriebsgenehmigungen seien zu einem Werkzeug verkommen, mit dem Beamte Schmiergelder erpressten, statt die Einhaltung von Sicherheitsstandards zu kontrollieren.
Sein Kernvorwurf: Wenn Prüfer Mängel feststellten, aber gegen Bezahlung darüber hinwegsähen, verliere jede Genehmigung ihren Sinn. Die Leidtragenden seien am Ende die Gäste, die sich auf die Sicherheit des Lokals verließen.
Bestechung als Teil der Kalkulation
Mana zeichnete ein düsteres Bild der Realität in Bangkoks Nachtleben. Betreiber, die Schmiergelder zahlten, betrachteten das als Investition – und versuchten anschließend, die Kosten durch maximale Auslastung wieder hereinzuholen. Sicherheitsauflagen würden dabei als nachrangig behandelt. Wer nicht mitmache, verliere im Wettbewerb gegen Konkurrenten, die es täten. Die Spirale drehe sich weiter, solange Beamte mitmachten.
Beschwerden aus der Nachbarschaft blieben folgenlos
Der ACT-Vorsitzende verwies auf die Ohnmacht der Anwohner. Beschwerden über Lärm und andere Belästigungen durch Vergnügungslokale seien in der Vergangenheit von den zuständigen Behörden regelmäßig ignoriert worden. Das habe zu Konflikten zwischen Anwohnern und Betreibern geführt, ohne dass die Verwaltung eingeschritten wäre. Mana brachte das Problem auf den Punkt: Geld habe offenbar mehr Gewicht als die Stimme der Bürger.
Bezirksdirektor versetzt, Untersuchungsausschuss eingesetzt
Die Stadtverwaltung Bangkok reagierte am 21. Juli mit personellen Konsequenzen. Der Direktor des Bezirks Chatuchak wurde zur Geschäftsstelle des Stadtpräsidiums versetzt. Gleichzeitig wurde ein Untersuchungsausschuss eingesetzt, der klären soll, ob die Bezirksverwaltung bei der Erteilung und Kontrolle der Betriebsgenehmigung versagt hat.
Ermittlungen dauern an – über 150 Zeugen befragt
Die Polizei hat nach eigenen Angaben mehr als 150 Zeugen und Beteiligte vernommen. Die Anklageerhebung gegen die Verantwortlichen wird vorbereitet, ein konkreter Zeitrahmen steht noch nicht fest. Als wahrscheinliche Brandursache gilt ein Kurzschluss in einer Decken-Klimaanlage. Brennbare Schalldämmmaterialien an Wänden und Decke sollen die rasante Ausbreitung des Feuers begünstigt haben.
Berichte über versperrte Notausgänge, die durch Getränkekisten und Tische blockiert gewesen sein sollen, sind ebenfalls Gegenstand der Untersuchung. Mehrere Opfer wurden in den Toilettenräumen gefunden, wohin sie offenbar vor dem Rauch geflüchtet waren.
Thailands tödliches Muster bei Bränden in Lokalen
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Der Brand in der Brauerei Lat Phrao ist die schwerste Feuerkatastrophe in Thailand seit dem Inferno im Bangkoker Santika Club an Silvester 2009, bei dem 67 Menschen starben. 2022 kamen beim Brand im Musiklub Mountain B in der Provinz Chonburi 26 Menschen ums Leben. In beiden Fällen spielten brennbare Baumaterialien und unzureichende Fluchtwege eine zentrale Rolle – ein Muster, das sich im aktuellen Fall zu wiederholen scheint.

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