BANGKOK, Thailand – Experten warnen vor einem schweren Erdbeben, falls der südliche Abschnitt der Sagaing-Verwerfung in Myanmar erneut bricht. Der letzte große Bruch liegt rund 96 Jahre zurück, und ein Beben in diesem Bereich könnte Bangkok deutlich stärker treffen als frühere Ereignisse. Führende Forscher warnten die Öffentlichkeit und die kommunalen Behörden zudem davor, nach früheren Erschütterungen selbstzufrieden zu werden.
Epicenter läge näher an Bangkok
Der südliche Abschnitt der Sagaing-Verwerfung nähert sich nach Einschätzung der Wissenschaftler seinem geschätzten Wiederholungszyklus von 100 Jahren. Der letzte große Bruch ereignete sich demnach während der Regierungszeit von König Rama VII.
Ein neues schweres Beben entlang dieses Korridors hätte sein Epizentrum deutlich näher an Bangkok als frühere Brüche. Die weichen Böden des Beckens unter der Hauptstadt könnten die Erschütterungen zusätzlich verstärken.
Gebäude bleiben der entscheidende Schwachpunkt
Prof. Dr Nakhorn Poovarodom von der Ingenieurfakultät der Thammasat-Universität erklärte, nicht allein die Stärke der Bodenbewegung entscheide über das Ausmaß einer Katastrophe. Auch die Vorbereitung der Stadt und die Stabilität der Gebäude seien ausschlaggebend.
Thailand verfüge bereits über technische Bauvorschriften und Forschung für erdbebensicheres Bauen. Zwischen den gesetzlichen Vorgaben und ihrer Umsetzung in der Praxis bestehe aber weiterhin eine gefährliche Lücke.
Schwächeres Beben forderte viele Opfer
Das Erdbeben vom 28. März 2025 mit einem Zentrum nahe Mandalay erreichte in Bangkok eine Spitzenbodenbeschleunigung von nur 0,02. Damit war die Bewegung dort mehr als hundertmal schwächer als bei einem Erdbeben in Kumamoto, Japan, das im Juli 2026 einen Wert von 2,4 erreichte.
Trotz der deutlich schwächeren Erschütterungen in Bangkok starben bei dem Beben nahe Mandalay im Großraum der Hauptstadt Hunderte Menschen. In Kumamoto gab es trotz der hohen Bodenbeschleunigung nur einige Dutzend Opfer, was mit der widerstandsfähigeren Infrastruktur erklärt wurde.
Experten fordern strengere Baukontrollen
Nakhorn warnte davor, das Erdbeben des vergangenen Jahres als einmaliges Ereignis zu betrachten. Die Sagaing-Verwerfung zählt nach seinen Angaben zu den aktivsten Verwerfungssystemen der Welt.
Er verlangt eine konsequente Durchsetzung der Bauvorschriften für Erdbeben. Käufer und Mieter sollten vor dem Einzug in mehrstöckige Gebäude aktiv Nachweise zur baulichen Sicherheit verlangen.
Frühwarnungen sollen mehr Daten nutzen
Bei einem Symposium der Thammasat-Universität am Freitag mit dem Titel „Designing Resilience: Technology Solutions for Disaster Preparedness in an Era of Climate Uncertainty“ forderten Fachleute auch modernere Warnsysteme. Künstliche Intelligenz, Fernerkundung und anonymisierte Daten zur Bewegung von Mobiltelefonen könnten Behörden helfen, Rettungskräfte und Hilfsgüter genauer einzusetzen.
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Assoc. Prof. Dr Teerayut Horanont vom Sirindhorn International Institute of Technology verwies auf Bangladesch. Dort sank die Zahl der Todesopfer bei einem vergleichbaren Wirbelsturm von rund 500.000 im Jahr 1970 auf 26 im Jahr 2020, nachdem moderne Warnsysteme aufgebaut worden waren.
Hitze und Sensoren als weitere Schwerpunkte
Das Symposium befasste sich auch mit zusätzlichen Umweltgefahren. Assoc. Prof. Dr Manat Srivanit von der Fakultät für Architektur und Planung warnte, dass die Temperaturen in Bangkok unter Klimawandel-Szenarien bis 2100 um bis zu 5 Grad Celsius steigen könnten.
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Für gefährdete Gruppen wie Menschen, die im Freien arbeiten, und ältere Personen seien spezielle Hitzeindizes nötig. Parallel bauen akademische Teams nach Angaben von Asst. Prof. Dr Amornthep Jiraksasakjamroensri in besonders gefährdeten Provinzen lokale Messnetze für Bodenschwingungen auf, die Bauingenieuren und Notfallplanern auf Thailand zugeschnittene Grundlagendaten für die kommunale Planung liefern sollen.

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