NARATHIWAT – Sechs Männer in Schwarz, Sturmgewehre, Rohrbomben: Der Angriff auf einen Kontrollpunkt in Südthailand kostete fünf Ranger das Leben. Sechs Zivilisten wurden verletzt, darunter zwei Kinder. Die Armee aktiviert nun schärfere Vollmachten – begrenzt auf die Grenzprovinz Narathiwat.
Was in der Dämmerung geschah
Es war 18.45 Uhr am Mittwoch, dem 22. Juli. Am Kontrollpunkt Bukeh Sami in der Gemeinde Tanyong Mat, Bezirk Ra-ngae, hielt die Ranger-Kompanie 4509 Wache. Dann fuhr ein schwarzer Nissan-Pickup vor.
Sechs schwarz gekleidete Männer eröffneten das Feuer mit Sturmgewehren und warfen Rohrbomben. Fünf Ranger starben noch am Tatort. Überwachungskameras hielten die Angreifer auf der Ladefläche fest – das Video ging binnen Stunden um die Welt.
Auch Kinder unter den Verletzten
Getötet wurden Oberfeldwebel Theerayut Somakerd sowie die freiwilligen Ranger Wimon Dabthong, Nattasit Kaewsena, Salahuding Pi und Sakiriya Jena. Vier der fünf waren keine Berufssoldaten, sondern Freiwillige aus der Region.
Sechs Zivilisten erlitten Verletzungen, zwei von ihnen Kinder. Der Kontrollpunkt liegt an einem Marktplatz – zur Tatzeit waren Passanten unterwegs. Rettungskräfte brachten die Verletzten in umliegende Krankenhäuser.
Kriegsrecht gilt hier seit über 20 Jahren
Hier ist eine Einordnung nötig, die in vielen Meldungen untergeht: Das Kriegsrecht wurde nicht neu verhängt. In den vier südlichen Grenzprovinzen gilt es zusammen mit dem Notstandserlass von 2005 praktisch ununterbrochen seit dem Wiederaufflammen des Konflikts 2004.
Erst am 20. Juli hatte das Kabinett den Notstand für Narathiwat, Pattani und Yala zum 85. Mal verlängert, diesmal bis zum 19. Oktober 2026. Was jetzt geschah, ist eine Verschärfung innerhalb bestehender Gesetze – kein neuer Ausnahmezustand.
Order 131/2569 gibt dem Militär die Straße
Generalmajor Yod-arwut Puengpakdee, Kommandeur der Narathiwat Task Force, unterzeichnete die Anordnung Nummer 131/2569. Sie stützt sich auf die Paragrafen 6, 8, 9, 11 und 15 des Kriegsrechtsgesetzes von 1914 und trat am 22. Juli in Kraft.
Soldaten dürfen nun provinzweit Kontrollpunkte errichten, verdächtige Fahrzeuge und Grundstücke ohne Beschluss durchsuchen und Verdächtige festsetzen. Der Waffengebrauch bei unmittelbarer Bedrohung ist erlaubt – ausdrücklich unter dem Vorbehalt der Verhältnismäßigkeit. Zivile Behörden sind zur Unterstützung verpflichtet.
„Bis ans Ende der Welt“
General Chaiyapruek Duangprapat, Stabschef des Heeres und Sekretär des Internal Security Operations Command, reiste am Donnerstag persönlich nach Narathiwat. Was er dort sagte, hat Gewicht weit über die Provinz hinaus.
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Er werde die Täter in jedem Dorf und jedem bewaldeten Berggebiet jagen lassen, erklärte der General. Wer ihnen Unterschlupf gewähre – und jedes Land, das ihnen Unterschlupf gewähre – solle wissen: Man werde sie bis ans Ende der Welt verfolgen. Der Seitenhieb zielt unausgesprochen auf Malaysia, das mutmaßliche Rückzugsräume beherbergt.
Ausgebrannter Pickup als einzige Spur
Noch in der Tatnacht fanden Ermittler den Fluchtwagen ausgebrannt im Bezirk Si Sakhon. Das Abfackeln des Fahrzeugs vernichtet DNA, Fingerabdrücke und Schmauchspuren – Experten sehen darin eine Handschrift, die aus zwei Jahrzehnten Konflikt vertraut ist.
Ein Bekennerschreiben gibt es nicht. Die Untergrundorganisation Barisan Revolusi Nasional, kurz BRN, bekennt sich traditionell nicht zu ihren Anschlägen. Ihre dezentrale Zellenstruktur macht es zusätzlich schwer, Befehlsketten nachzuweisen.
Friedensprozess unter Druck
Premierminister Anutin Charnvirakul nannte den Angriff einen dreisten Terrorakt und einen ernsten Angriff auf die nationale Sicherheit. Seine Regierung wirft den Tätern vor, gezielt die Friedensbemühungen zu torpedieren.
Anutin hatte im April einen neuen Chefunterhändler für die Gespräche mit der BRN ernannt. Formell wieder aufgenommen wurden die von Malaysia vermittelten Verhandlungen bislang nicht – eine große Runde ist für September 2026 vorgesehen. Ob sie nach diesem Anschlag stattfindet, ist offen.
Ein Konflikt seit 1909
Die Wurzeln reichen weit zurück. Bis zum britisch-siamesischen Vertrag von 1909 gehörte die Region zum unabhängigen malaiischen Sultanat Patani. Die überwiegend muslimische, malaiischsprachige Bevölkerung hat sich der Eingliederung in den thailändischen Staat nie ganz gefügt.
Seit dem Wiederaufflammen 2004 zählt die Denkfabrik Deep South Watch über 7.800 Todesopfer. Die Gewalt trifft beide Seiten: Sicherheitskräfte, Lehrer, Mönche, aber auch muslimische Zivilisten, die als Kollaborateure gelten.
Was das für Urlauber bedeutet
Für Reisende und Expats in Bangkok, Pattaya, Phuket, Chiang Mai oder auf Koh Samui ändert sich nichts. Narathiwat liegt rund 1.100 Kilometer südlich der Hauptstadt an der malaysischen Grenze und ist kein touristisches Ziel. Die verschärften Maßnahmen enden an der Provinzgrenze.
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Das Auswärtige Amt rät seit Jahren von Reisen in die vier südlichen Grenzprovinzen ab. Wer über den Landweg nach Malaysia will, sollte die aktuellen Hinweise prüfen – die Kontrollen an den Grenzübergängen dürften in den kommenden Wochen deutlich strenger ausfallen.

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