USA-Strafzölle: Thailand wegen schleppender Verhandlungen kritisiert

Die USA verhängen gegen Thailand Strafzölle von 12,5 Prozent – der höchste Satz. Grund: stagnierende Verhandlungen über Zwangsarbeit. Experten warnen vor Handelskrieg.

USA-Strafzölle: Thailand wegen schleppender Verhandlungen kritisiert
ThaiRath

BANGKOK – Die USA haben Thailand mit einem Zollsatz von 12,5 Prozent belegt – dem höchsten Satz neben China und Vietnam. Der ehemalige Handelsminister Pichai Naripthaphan kritisiert die Regierung scharf: Sie habe die Verhandlungen mit Washington viel zu spät aufgenommen. Jetzt droht eine Verschärfung des Handelsbilanzdefizits, das im ersten Halbjahr bereits über 1,1 Billionen Baht liegt.

12,5 Prozent Zoll – Thailands neuer Nachteil

Am 25. Juli 2026 erklärte Pichai Naripthaphan, die USA hätten Thailand wegen angeblicher Zwangsarbeit mit einem Zollsatz von 12,5 Prozent belegt. Malaysia, Indonesien und die Philippinen zahlen nur 10 Prozent.

Das verringert Thailands Wettbewerbsfähigkeit sofort. Für ausländische Investoren werden unterschiedliche Zollsätze zum entscheidenden Faktor bei der Standortwahl.

1,1 Billionen Baht Minus in sechs Monaten

Thailands Exporte wuchsen im Juni um 20,74 Prozent. Die Importe schossen jedoch um 50,28 Prozent nach oben.

Das Ergebnis: ein Handelsbilanzdefizit von 1,1 Billionen Baht im ersten Halbjahr 2026. Bis Ende des Jahres könnte das Defizit einen historischen Höchststand erreichen und das BIP spürbar belasten.

Pichai warnt vor dem Doppeldefizit

Thailand steuert laut Pichai auf ein „Twin Deficits“-Problem zu – Haushaltsdefizit und Handelsbilanzdefizit gleichzeitig. Das sei ein schlechtes wirtschaftliches Signal.

Während Thailand mit den USA einen Überschuss von 33 Milliarden US-Dollar erzielte, steht dem ein Defizit von 46 Milliarden Dollar gegenüber China entgegen. Genau das könnte Washington mit dem hohen Zollsatz bestrafen.

Chinas Waren über Thailand – die Umgehungsgefahr

Die USA könnten die Zölle weiter erhöhen, falls sie Transshipment und Umgehungsgeschäfte nachweisen. Gemeint sind chinesische Waren, die über Thailand in die USA gelangen.

Mit den vorliegenden Handelszahlen wäre das für Thailand schwer zu bestreiten, sagte Pichai. Als Minister sei er bei diesem Thema streng gewesen. Jetzt müsse dringend gehandelt werden.

Viel zu spät mit Washington gesprochen

Pichai erinnerte daran, dass er die Regierung mehrfach zu Verhandlungen über Section 301 gedrängt habe. Handelsministerin Supamas Isarabhakdi traf USTR Jamieson Greer jedoch erst im Mai – ein kurzes Treffen.

Stört Sie die Werbung?
JETZT den Wochenblitz WERBEFREI lesen!
ZUM ANGEBOT

Erst im Juni verhandelte Thailand mit dem stellvertretenden USTR Rick Switzer. Das sei ein ungewöhnliches Signal gewesen, das von Anfang an hätte vorsichtig betrachtet werden müssen.

Wuttikrai soll es richten

Pichai empfahl, Handelsstaatssekretär Wuttikrai Leewiraphan für die Verhandlungen einzusetzen. Er habe schon mit der früheren USTR Katherine Tai verhandelt und Thailand aus Section 301 herausgeholt.

Auch den letzten Zollsatz von 19 Prozent habe Wuttikrai maßgeblich mit ausgehandelt. Er sei die Schlüsselfigur – gemeinsam mit Chotima Iemsawasdikul, der Generaldirektorin der Handelsverhandlungsabteilung.

FTA mit der EU hängt fest

Premierminister Anutin Charnvirakul traf kürzlich EU-Geschäftsleute und will das Freihandelsabkommen mit der EU beschleunigen. Der Abschluss hätte laut Vereinbarung schon Ende 2025 erfolgen sollen.

Doch Handelsministerin Supamas traf EU-Kommissar Maros Sefcovic erst im Juni. Die zehnte Verhandlungsrunde ist für Ende September angesetzt. Pichai warnt: Die schwierigen Themen kämen immer erst am Schluss.

Vietnam hat 60 Abkommen – Thailand hinkt hinterher

Weitere Freihandelsabkommen mit Südkorea, den VAE, Großbritannien und ASEAN-Kanada sollen noch dieses Jahr abgeschlossen werden. Nur so könne Thailand zu Vietnam aufschließen.

Vietnam hat bereits über 60 FTA-Abkommen. Deshalb seien Vietnams Exporte und Investitionen an Thailand vorbeigezogen, sagte Pichai.

Alle vier KPIs verfehlt

Pichai verwies auf vier von ihm definierte Leistungsindikatoren, die alle problematisch blieben. Die Agrarpreise für Kokosnüsse, Mangos, Durian und Reis sind massiv gefallen – Landwirte bitten um Hilfe.

Das Thailand-EU-FTA ist nicht abgeschlossen, die US-Zollverhandlungen stecken fest, illegale Importe und Strohmann-Geschäfte nehmen zu. Und das Exportwachstum von 12,9 Prozent aus 2025 wird von einem massiven Importanstieg überschattet.

Handelsministerium unter Druck

Pichai betonte, dass internationale Handelsverhandlungen für Thailands Wirtschaft zentral seien – das Land hänge bei Handel, Export, Investitionen und Tourismus vom Ausland ab. Er sicherte Ministerin Supamas seine Unterstützung zu. Der Erfolg der Handelspolitik entscheide über Wohlstand und Wettbewerbsfähigkeit des Landes.

Lesen Sie auch: USA verhängen Strafzölle gegen Thailand wegen Zwangsarbeit

Was denkst du darüber? Schreib uns deine Meinung in die Kommentare.

Lesen Sie auch: Rekorddefizit? Thai-Baht rauscht auf 15-Monats-Tief

Newsletter abonnieren

Newsletter auswählen:
Abonnieren Sie den täglichen Newsletter des Wochenblitz und erhalten Sie jeden Tag aktuelle Nachrichten und exklusive Inhalte direkt in Ihr Postfach.

Wir schützen Ihre Daten gemäß DSGVO. Erfahren Sie mehr in unserer Datenschutzerklärung.
Quelle: Thairath

Ein Kommentar zu „USA-Strafzölle: Thailand wegen schleppender Verhandlungen kritisiert

Wichtiger Hinweis für unsere Leser

Wir freuen uns auf Ihren Beitrag! Bitte beachten Sie für ein freundliches Miteinander unsere Regeln:

  • Höflichkeit: Keine Beleidigungen, Kraftausdrücke oder Gewaltandrohungen.
  • Sorgfalt: Bitte achten Sie auf die korrekte Schreibweise von Namen.
  • Quellen: Zitate nur mit Namensnennung (Internet-Links/URLs sind nicht erlaubt).
  • Themen: Bitte keine Kritik an der Regierung, der Monarchie oder Diskussionen zur Moderation.
Vorbehalt der Redaktion: Wir behalten uns das Recht vor, Kommentare nachträglich zu bearbeiten oder zu löschen, sollten diese gegen unsere Regeln oder geltendes Recht verstoßen. Ein Anspruch auf Veröffentlichung besteht nicht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert


Daten bleiben 30 Tage lokal im Browser-Cookie.