Lärm im Zug ist ein Ärgernis, das jedes Land der Welt kennt. Die Antworten darauf könnten unterschiedlicher kaum ausfallen: In Japan regelt ein stummer Blick, was in Singapur ein Bußgeld von mehreren tausend Dollar kostet. In Deutschland gibt es einen Ruhebereich, dessen Regeln weicher sind, als die meisten Reisenden glauben.
Ausgelöst hat die Debatte ein Video aus dem Bangkoker BTS Skytrain. Eine thailändische Pendlerin bat eine Gruppe lauter europäischer Schüler, leiser zu sein, und erntete dafür den Mittelfinger. Seitdem streiten Thailänder, Expats und Urlauber darüber, wo die Grenze zwischen normaler Unterhaltung und Rücksichtslosigkeit verläuft.
Der Vorfall im BTS, der alles ins Rollen brachte
Eine Gruppe junger ausländischer Touristen benahm sich in einem Waggon des BTS so laut, dass andere Fahrgäste sich gestört fühlten. Eine thailändische Passagierin sprach die Gruppe an und bat höflich darum, die Lautstärke zu senken. Die Reaktion fiel feindselig aus.
Statt einer Entschuldigung bekam sie den ausgestreckten Mittelfinger zu sehen. Dazu kam ein Satz, der in Thailand seither zitiert wird wie ein Beweisstück: „Sorry for bringing money to your country.“ Sinngemäß: Entschuldigung, dass wir Geld in euer Land bringen.
Kauft Urlaubsgeld gute Manieren frei?
Genau dieser Satz hat die Empörung im Netz ausgelöst. Kommentatoren hielten dagegen, dass Tourismuseinnahmen niemals schlechtes Benehmen rechtfertigen. Wer zahlt, hat in einem fremden Land keinen Anspruch darauf, sich aufzuführen, wie es ihm passt.
Thailändische Nutzer und ausländische Expats waren sich in einem Punkt einig: Es geht nicht um Nationalität. Es geht um fehlenden Respekt vor einem Raum, den sich alle teilen. Wer im Zug sitzt, sitzt dort neben Pendlern auf dem Weg zur Arbeit, nicht in der eigenen Hotellobby.
Italiener in Thailand: „Du vertrittst dein Land“
Nachdem Berichte die Jugendlichen als italienische Reisende benannten, meldeten sich bekannte Vertreter der italienischen Community in Thailand zu Wort. Ein italienischer Videomacher, der seit Jahren seinen Alltag im Land dokumentiert, nannte die Aufnahmen zutiefst beschämend und traurig.
Jugend und Unreife entschuldigten nichts, sagte er. Wer irgendwo auf der Welt reise, trete immer als Vertreter seines Landes auf und müsse die Regeln, die Kultur und die Menschen des Gastlandes achten. Am Ende seines Videos entschuldigte er sich mit einem Wai bei den Thailändern.
„Tourist zu sein heißt nicht, alles zu dürfen“
Ähnlich äußerte sich ein italienischer Expat, der mit seiner thailändischen Frau im Land lebt. Auf Facebook schrieb er, die Nachricht über die lauten Ausländer im BTS sei schlicht peinlich. Im Ausland vertrete man nicht nur sich selbst, sondern im Guten wie im Schlechten auch sein Herkunftsland.
Thailand habe ihn freundlich aufgenommen, ihm Chancen gegeben und ihm ein Zuhause gegeben. Das Mindeste sei deshalb, Regeln, Kultur und Menschen zu respektieren. Tourist zu sein bedeute nicht, tun zu können, was man wolle. Er hoffe, der Vorfall präge nicht das Bild aller Italiener.
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Japan: Der eisige Blick ersetzt das Bußgeld
Die japanische Gesellschaft folgt dem Grundsatz „Meiwaku o kakenai“: anderen keine Umstände bereiten. Strafgesetze gegen laute Fahrgäste gibt es praktisch nicht. Die kulturelle Norm wirkt trotzdem wie ein absolutes Verbot: Private Angelegenheiten bleiben zu Hause.
Durchgesetzt wird das von den Mitreisenden. Wer im Waggon telefoniert oder laut plaudert, bekommt sofort kalte, stumm missbilligende Blicke aus allen Richtungen. Wer einen dringenden Anruf erhält, geht in den Übergang zwischen den Wagen oder steigt an der nächsten Station aus.
Tokyo Metro und die Kampagne „Bitte zu Hause“
Der U-Bahn-Betreiber Tokyo Metro hat diese Erwartungen in einer bekannten Plakatkampagne festgehalten. Ihr Motto lautet sinngemäß: Macht das bitte zu Hause. Die Liste ist konkret und lässt wenig Spielraum für Auslegung.
Kein lauter Lärm, kein Telefonieren im Wagen, keine aus Kopfhörern dringende Musik. Nicht in schließende Türen hineinhetzen, sich nicht im Zug schminken, keinen Müll hinterlassen. Und Rücksicht auf die Umsitzenden nehmen, besonders nach dem Feierabendbier.
Singapur: Bis zu 5.000 SGD für zu viel Lärm
Thailands ASEAN-Nachbar geht den juristischen Weg. Grundlage ist der Miscellaneous Offences (Public Order and Nuisance) Act. Wer durch lautes Verhalten stört, etwa durch Handy-Ton über Lautsprecher oder Geschrei, riskiert eine Geldstrafe von bis zu 500 SGD (rund 12.500 THB).
Bei schweren oder wiederholten Störungen kann die Strafe auf bis zu 5.000 SGD (rund 125.000 THB) steigen. Das Zugpersonal darf die Polizei rufen, sobald Ermahnungen ignoriert werden. Im Oktober 2025 beschloss das Parlament zusätzliche Sanktionen für rücksichtsloses Verhalten in Bussen.
Deutschland: Der Ruhebereich und seine Grenzen
Im Fernverkehr der Deutschen Bahn gibt es ausgewiesene Ruhebereiche, erkennbar am durchgestrichenen Handysymbol. Dort sind Telefonate, Klingeltöne und laute Musik nach den Richtlinien der Bahn unerwünscht. Ausdrücklich verboten sind sie in den Beförderungsbedingungen allerdings nicht.
Zugbegleiter kontrollieren die Wagen und können Störer bitten, leiser zu werden oder in einen anderen Bereich zu wechseln. Jemanden aus dem Zug zu setzen, bleibt der Ausnahmefall bei erheblichen Störungen. Wer in Deutschland auf harte Durchsetzung hofft, wird meist mit einer freundlichen Bitte abgespeist.
Großbritannien: Schnalzen, Seufzen, Starren
Viele britische Fernzüge führen einen Quiet Coach, der vom Personal im Auge behalten wird. Die eigentliche Durchsetzung übernehmen dort aber die Mitreisenden, und zwar mit einem Repertoire, das sich über Generationen eingeschliffen hat.
Statt Bußgeldern gibt es missbilligendes Schnalzen mit der Zunge, schweres Seufzen, scharfe Blicke über den Zeitungsrand und am Ende die betont höfliche Ansprache, die den Störer vor allen anderen bloßstellt. Wer sich davon nicht beeindrucken lässt, fährt ungestraft weiter.
USA: Quiet Car und Transit Police
Auf den Fernstrecken von Amtrak gehört der Quiet Car zum Standard. Schaffner gehen dort regelmäßig durch, verwarnen laute Fahrgäste und weisen sie an, sofort in einen anderen Wagen zu wechseln. Diskussionen darüber fallen kurz aus.
In den U-Bahnen der Großstädte ist es verboten, Musik über Lautsprecher abzuspielen. Wird aus Störung eine Belästigung, rufen Fahrgäste die Transit Police. Die Beamten greifen ein und begleiten die betreffende Person aus dem Zug.
Thailand: Was im BTS gilt und was Beleidigungen kosten
Die Fahrgastregeln des BTS verlangen, keinen Lärm zu verursachen, andere nicht zu stören und niemanden zu behindern. Ein Sprechverbot gibt es nicht. Unterhalten darf man sich, nur nicht in einer Lautstärke, die den halben Waggon beschallt. Bußgelder für Lärm sind nicht vorgesehen.
Ernst wird es erst bei Beleidigungen. Wer eine Person in deren Gegenwart oder öffentlich beleidigt, fällt unter Section 393 des thailändischen Strafgesetzbuchs: bis zu ein Monat Haft oder bis zu 1.000 Baht. Bei rufschädigenden Behauptungen greift Section 326 mit bis zu 20.000 Baht.
Wo ist es schlimmer: in Deutschland oder in Thailand?
Der Vergleich fördert ein Ergebnis zutage, das viele überraschen dürfte. Ausgerechnet das Land mit dem Ruf für Ordnung, Deutschland, arbeitet mit Bitten. Japan verzichtet ganz auf Strafen und erreicht trotzdem die leisesten Züge der Welt. Singapur greift zum Bußgeld, Thailand erst dann, wenn Worte fallen.
Bleibt die Frage, über die sich seit Tagen alle streiten: Waren die Schüler einfach nur junge Leute, die zu laut waren, oder war die Grenze längst überschritten? Und ehrlich gefragt, wer schon einmal um sechs Uhr morgens in einer deutschen S-Bahn saß: Ist es dort wirklich leiser als im BTS?
Anmerkung der Redaktion
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Nationalität und Identität der gefilmten Gruppe wurden von thailändischen Medien nicht unabhängig bestätigt. Die genannten Bußgelder und Strafrahmen geben den Stand Juli 2026 wieder. Die Angaben zum Ruhebereich der Deutschen Bahn beruhen auf deren Richtlinien, nicht auf einer Regelung in den Beförderungsbedingungen.

Also ich habe in schon sehr oft erlebt wie Thailändische Gruppen sehr sehr laut waren. In Restaurants, am Strand oder in der Mall. Schreiende Kinder wurden nicht angehalten ruhiger zu sein. Proleten kennen eben keine Nationalität. Diese kommen in allen Ländern vor.
Ja, und telefonieren nur über den Lautsprecher, man sieht noch niemanden, aber hören aus großer Entfernung.