Italienischen Schüler – Skytrain Video löst politische Welle aus

Italienische Austauschschüler beleidigen Thailänderin im Skytrain – dann rechtfertigen sie ihr Verhalten mit „wir zahlen hier!“ Doch jetzt mischt sich die Politik ein!

Italienischen Schüler - Skytrain Video löst politische Welle aus
Nation

BANGKOK – Aus einem viralen Video ist binnen 48 Stunden ein diplomatischer Fall geworden: Die italienische Botschaft hat sich entschuldigt, der Reiseveranstalter ebenfalls, vier Beteiligte baten in einem Video um Verzeihung – und die thailändische Polizei stellt klar, dass eine Anzeige möglich ist. Im Raum steht sogar der Entzug der Visa. Wir berichteten bereits über dieses Video.

Das geschah im Skytrain

Am Abend des 23. Juli gegen 19 Uhr geriet eine Gruppe italienischer Schüler in einem Zug der Silom-Linie Richtung Sala Daeng in den Fokus. Eine thailändische Passagierin bat die lärmenden Jugendlichen, leiser zu sein. Sie fragte die Gruppe zunächst, woher sie komme, und erklärte dann, dass lautes Rufen im Zug in Thailand unüblich sei.

Statt einzulenken, reagierten mehrere Jugendliche aggressiv. Einige lachten, andere äfften die Frau nach. Ein Schüler machte sexuell anzügliche Gesten. Ein Satz brannte sich in die thailändische Öffentlichkeit ein: „Sorry, dass wir Geld in euer Land bringen.“ Beim Aussteigen zeigten mehrere den Mittelfinger.

Millionen Klicks und eine überrollte Botschaft

Das Video verbreitete sich rasant. Auf TikTok kam der Clip auf rund 500.000 Aufrufe, auf der Plattform X nach Angaben von Khaosod English auf über 14 Millionen. Damit war der Vorfall längst keine lokale Episode mehr, sondern ein Thema, das in ganz Thailand diskutiert wurde.

Der Zorn richtete sich schnell gegen die Facebook-Seite der italienischen Botschaft. Ein Posting sammelte mehr als 11.000 „Wütend“-Reaktionen. Als die Kommentarfunktion bei mehreren Beiträgen abgeschaltet wurde, hinterließen Nutzer stattdessen massenhaft Emoji-Reaktionen als stumme Protestform.

Polizei: Eine Anzeige ist möglich

Am Samstag meldete sich die Royal Thai Police zu Wort. Polizeisprecher Pol Lt Gen Trairong Phiwphan, stellvertretender Generalinspekteur, erklärte in einem Telefoninterview: Wer sich gedemütigt oder beleidigt fühle, könne Anzeige erstatten. Über den Vorwurf der Beleidigung und der Verletzung der Würde entscheide dann die Ermittlung.

Deutlicher wurde er bei der Frage der Staatsangehörigkeit. Da sich der Vorfall auf thailändischem Boden ereignet habe, gelte thailändisches Recht – unabhängig davon, ob der Beschuldigte Thai oder Ausländer sei. Wer im Königreich eine Straftat begehe, werde entsprechend belangt.

Lärm als Ruhestörung, Videos als Beweismittel

Auch das laute Verhalten selbst könnte Folgen haben. Übermäßiger Lärm an einem öffentlichen Ort könne als Ruhestörung gewertet werden und zusätzlich gegen die Beförderungsbedingungen des Betreibers verstoßen. Ob am Ende eine Straftat vorliegt, hänge von den Fakten ab, die eine Ermittlung zutage fördere.

Die Polizei dürfte dabei vor allem auf das Material zurückgreifen, das ohnehin im Netz kursiert. Trairong erklärte, in sozialen Medien geteilte Videos und Fotos könnten zu wichtigen Beweismitteln werden und den Ermittlern bei der Entscheidung helfen, ob ein Verfahren eingeleitet wird.

Visa-Entzug? Die Immigration müsste entscheiden

Online forderten viele Thailänder, der Gruppe die Visa zu entziehen. Trairong verwies auf die Zuständigkeit der Einwanderungsbehörden. Ein solcher Schritt komme erst infrage, wenn die Ermittlungen ergeben hätten, dass die rechtlichen Voraussetzungen dafür erfüllt sind.

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Der Polizeisprecher riet zugleich zur Besonnenheit. Wer in eine ähnliche Situation gerate, solle die direkte Konfrontation meiden, an die eigene Sicherheit denken, möglichst viele Beweise sichern und den Vorfall anschließend bei den Behörden melden.

Botschaft entschuldigt sich in drei Sprachen

Am Samstagvormittag gegen 11.30 Uhr veröffentlichte die italienische Botschaft eine Erklärung auf Italienisch, Englisch und Thai. Darin drückt sie ihr tiefes Bedauern aus und verurteilt das Verhalten der minderjährigen Reisenden ausdrücklich, die im Rahmen einer Schulreise im Land waren.

Das Verhalten stehe weder für die Italiener noch für das Verhältnis zwischen beiden Ländern, hieß es weiter. Italien schätze die Werte, die die thailändische Gesellschaft hochhalte: Respekt vor anderen, Höflichkeit und ein rücksichtsvolles Miteinander.

„Geld kann keinen Respekt kaufen“

Parallel stellte die Botschaft ein 95 Sekunden langes Video online. Darin entschuldigen sich vier Beteiligte – Schüler und Gruppenleiter – mit einem Wai direkt bei der thailändischen Öffentlichkeit. Einer der Gruppenleiter sagte, ihm sei klar, dass Geld keinen Respekt kaufen könne.

Ein Schüler erklärte, was im Skytrain passiert sei, sei falsch gewesen; er entschuldige sich für sein eigenes Verhalten und für das der gesamten Gruppe. Man habe sich anfangs nicht getraut, öffentlich zu reagieren, und inzwischen erkannt, dass Schweigen der falsche Weg gewesen sei.

Rückreise und striktes Kultur-Training

Nach Angaben der Gruppe sollen die beteiligten Jugendlichen so schnell wie möglich nach Italien zurückkehren. Zudem wurde ein striktes Training zum Umgang mit fremden Kulturen angekündigt, das die gesamte Reisegruppe durchlaufen soll.

Der italienische Studienreise-Veranstalter TravellingFox hatte sich bereits am 24. Juli entschuldigt. Das Verhalten im Video widerspreche den Werten, für die man seit Jahren stehe. Die Aufregung des Moments sei eine Erklärung, aber keine Entschuldigung.

Was der Fall über Thailand verrät

Der Vorfall zeigt, wie empfindlich Thailand auf respektloses Auftreten von Besuchern reagiert – und wie schnell soziale Netzwerke aus einer Szene im Zug einen diplomatischen Fall machen. Für Expats ist die Botschaft der Polizei eindeutig: Der Pass schützt vor thailändischem Recht nicht.

Offen bleibt, ob die gefilmte Passagierin tatsächlich Anzeige erstattet. Ohne formelle Beschwerde dürfte der Fall mit den Entschuldigungen und der Abreise der Gruppe enden. Was denkst du darüber? Schreib uns deine Meinung in die Kommentare.

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Quelle: Nation Thailand
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11 Kommentare zu „Italienischen Schüler – Skytrain Video löst politische Welle aus

  1. Wenigstens können die jungen Italiener was daraus lernen. Es ist nicht immer der beste Weg eine Wahrheit laut, deutlich und direkt auszusprechen. Gute Heimreise!

  2. Ganz ehrlich-Thailand macht mir inzwischen Angst.
    Die Reaktionen sind völlig unverhältnismäßig und das ständige weitere Aufbauschen durch Medien und Politik wird sich irgendwann in Gewalttaten gegen die „Ausländer“ auswirken.
    Das Verhalten der Jugendlichen ist absolut inakzeptabel-wie auch das Verhalten der Thailänderin, die ebenfalls mit übelsten Schimpfwörter eskaliert. Offensichtlich darf die Thailänderin beleidigen, nur die andere Seite darf das nicht? Oder wie? So betrachte ich jedenfalls die Stellungnahme der Thai police.
    Zeit hier alles zu überdenken.

    1. guten Morgen
      kann deinem Kommentar zu 100% zustimmen – auch die Thailänderin hat gewaltig dazu beigetragen ( auch sie sollte sich in der Öffentlichkeit entschuldigen )

  3. Hier wird meiner Meinung nach aus einer Mücke ein Elefant gemacht. Es entsteht ein Konflikt. Konflikte sind gut, da sie ein Problem aufzeigen und nur ein aufgezeigtes Problem kann einer Lösung zugeführt werden. Nur darf der Konflikt nicht eskalieren´. Aber das war genau hier der Fall. Beide Seiten haben nichts zur Konfliktlösung beigetragen, so daß sich das immer weiter hochgeschaukelt hat. Ach, wie vergleichsweise harmlos gegenüber den Konflikten in der deutschen Bahn, wo inzwischen Messer zur Konfliktlösung herangezogen werden. Und Bahntüren mitunter bösartig reagieren, indem sie den Kontrolleur rauswerfen.

  4. Zu Freddy – mir geht es gleich. Hier wird ein „Hass“ gegenüber Ausländer aufgebaut, was nicht mehr nachvollziehbar ist. Macht richtig Angst, wie das weitergehen soll. Somit überlege ich mir 2 mal, ob ich nach BKK will.

    1. Schlimmer wie in Deutschland kann’s nicht sein. Nur, dass dort eben Hass nicht gegen Ausländer herrscht.

  5. Man kann alles übertreiben und eskalieren! Eskalation bei jeder Kleinigkeit gegen Ausländer das neue Konzept der Thai Regierung! Wer im Dezember 2008 am Flughafen in BBK gestrandet war hat life gesehen wie man als Ausländer in Thailand gehasst wird, besonders von den sogenannten Eliten! Das italienische Außenministerium sollte eine Reisewarnug für ganz Thailand, wegen Datenschutz und unerlaubten filmen und veröffentlichen erlassen!!!

    1. Was macht die Italienische Botschaft statt dessen. Veröffentlicht ein Video, in dem 4 Jugendliche sich verbeugen und entschuldigen. Das sieht alles sehr nach Komik aus.

  6. Die Sache ist beendet. Die Jugendlichen haben sich entschuldigt. Jetzt bin ich mal gespannt, wie sich die Touristenzahlen in der nächsten Zeit entwickeln. Besonders die aus Italien.

  7. Das Verhalten der Schüler ist inakzeptabel, keine Frage. Wir Europäer wissen wenn drei Italiener auf einem Haufen sind wird es laut. Das Verhalten der Thai hat aber auch nicht zur Deeskalation beigetragen.
    Was mir aber langsamem Hammer geht ist dieses völlig überzogene Gehabe der Thai.
    Man muß ihnen klar machen das die Medaille zwei Seiten hat. Die Elite richtet sich ihr Leben, bedingt durch unglaubliche Korruption, perfekt ein. Aber die Masse lebt vom Tourismus. Also muß klar sein das Freundlichkeit, Höflichkeit etc. keine Einbahnstraße ist.
    Viele Thai glauben die Urlauber müssen kommen also haben sie zu Spuren, die Kohle abgeben und freundlich sein. Meine Gattin ist Anwälten mit einem Büro in Bangkok und vielen europäischen Klienten. Sie verzeichnet seit einem Jahr eine starke Steigerung von Betriebsabsiedlungen. Die gehen alle nach Vietnam. Gründe? Die unvorstellbare Korruption, die Schikanen der Behörden, sowie die Schlechterstellung gegenüber den einheimischen.
    Es ist zwischendurch nötig, und ich tue das auch, auch in der Öffentlichkeit, die Leute darauf aufmerksam zu machen das ich der Gast bin, und nicht umgekehrt. Dann verziehen sich die Gesichter, und beim gehen sage ich noch das ich nicht mehr wiederkommen werde. Fertig.

Kommentare sind geschlossen.

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