BANGKOK, Thailand – Thailand plant bis 2050 bis zu 9.000 Megawatt Kernkraft aus kleinen modularen Reaktoren. Ein erstes 300-Megawatt-Projekt soll unter Führung der Electricity Generating Authority of Thailand Vertrauen in Standards und regulatorische Aufsicht nach Vorgaben der Internationalen Atomenergiebehörde schaffen. Damit will das Land den wachsenden Strombedarf von Rechenzentren und Elektrofahrzeugen decken.
Erstes 300-Megawatt-Projekt soll Vertrauen schaffen
Energiestaatssekretär Prasert Sinsukprasert sagte bei einer öffentlichen Anhörung in Bangkok, die staatliche Electricity Generating Authority of Thailand werde das erste geplante Projekt leiten. Der Bau soll Vertrauen in Standards und die regulatorische Aufsicht nach den Richtlinien der Internationalen Atomenergiebehörde schaffen.
Erst danach soll eine Beteiligung privater Unternehmen geprüft werden. Der Entwurf des Stromentwicklungsplans sieht insgesamt bis zu 9.000 Megawatt aus kleinen modularen Reaktoren bis 2050 vor.
SMR-Technik gehört zu den zentralen Optionen
Kleine modulare Reaktoren sollen verlässlich Strom liefern, ohne Treibhausgase auszustoßen. Nach Angaben von Prasert nutzen die kleinen Anlagen passive Sicherheitstechnik, die eine eigenständige Kühlung ermöglicht.
Der Stromentwicklungsplan für 2026 bis 2050 bleibt anpassbar. Änderungen sollen alle zwei bis drei Jahre möglich sein, falls sich die Technik oder die wirtschaftlichen Bedingungen verändern.
Solarstrom und Erdgas als Ersatz
Sollte sich die SMR-Technik verzögern, will die Regierung den Ausbau erneuerbarer Energien prüfen. Dazu gehören Solaranlagen in Verbindung mit Batteriespeichern.
Als weitere Möglichkeit gilt Erdgas mit CO₂-Abscheidung und -Speicherung. Diese Alternativen sollen eine sichere, saubere und nachhaltig bezahlbare Stromversorgung sichern.
Rechenzentren treiben den Strombedarf nach oben
Nach Angaben von Prasert liegen laut Prasert Interessenbekundungen für neue Stromlieferungen bereits bei 22.000 bis 30.000 Megawatt. Rechenzentren und Elektrofahrzeuge treiben die Nachfrage nach oben.
Thailand brauche für die Ansiedlung internationaler Technologieunternehmen und den Aufbau von Rechenzentren und KI-Aktivitäten große Mengen sauberen und stabil verfügbaren Stroms. Die Regierung könnte deshalb Projekte prüfen, damit sie einen konkreten Beitrag zur digitalen Wirtschaft und zur Entwicklung der KI-Branche leisten.
Netzausbau kann bis zu 700 Milliarden Baht kosten
Die Stromreserve des Landes liegt laut Prasert bei rund 25 Prozent und reicht kurzfristig aus. Dringender sei es, Übertragungs- und Verteilnetze für den wachsenden Bedarf auszubauen.
Für Verbesserungen könnten 300 bis 700 Milliarden Baht nötig sein. Geplant sind unter anderem intelligente Stromnetze und sogenannte Synchronkondensatoren, die zur Stabilisierung der Netzfrequenz beitragen. Finanziert werden soll der Ausbau von den drei Strombehörden des Landes.
Durchschnittlicher Strompreis soll bei 3,88 Baht bleiben
Unter den derzeitigen Annahmen will der Plan den durchschnittlichen Stromtarif über die gesamte Laufzeit bei höchstens 3,88 Baht je Kilowattstunde halten. Grundlage ist der vorgesehene Energiemix.
Unternehmen mit besonderem Bedarf an sauberem Strom, etwa Rechenzentren, müssen laut Prasert möglicherweise die tatsächlichen Erzeugungskosten tragen. Ihre Tarife könnten deshalb über denen der normalen Verbraucher liegen.
Direkte Stromverträge sollen für mehr Branchen gelten
Der Entwurf sieht eine weitere Öffnung des Stromsektors vor. Der Nationale Energierat hat Leitlinien für eine Ausweitung direkter Stromabnahmeverträge über das bisherige Kontingent von 2.000 Megawatt hinaus vorgegeben.
Solche Verträge sollen künftig auch anderen Branchen offenstehen, die sauberen Strom benötigen. Die Regierung will außerdem den Zugang Dritter zum staatlichen Stromnetz für die Stromübertragung fördern und mehr Haushalte zur Installation von Solaranlagen auf den Dächern bewegen.
Stromnetz muss auch abends stabil bleiben
Das Netz soll Schwankungen bei erneuerbaren Energien verkraften. Das gilt vor allem für Solarstrom, der nur bei Tageslicht erzeugt wird.
Nach den vorliegenden Verbrauchsdaten liegt der Spitzenbedarf inzwischen zwischen 21 und 22 Uhr, weil mehr Verbraucher tagsüber eigenen Solarstrom erzeugen und nutzen. Der Plan soll deshalb eine Stromversorgung rund um die Uhr an jedem Tag des Jahres sicherstellen.
Entwurf geht binnen zwei Monaten in die Entscheidung
Das Energieministerium hatte die Anhörung über sein Amt für Energiepolitik und -planung im Grand Ballroom des Rama Gardens Hotels organisiert. Vertreter staatlicher Stellen, privater Unternehmen, Energieentwickler und zivilgesellschaftlicher Gruppen konnten Stellung nehmen.
Die Konsultation läuft noch eine Woche. Danach soll der Plan fertiggestellt und dem Nationalen Energierat sowie dem Kabinett zur Genehmigung vorgelegt werden. Prasert erwartet den Abschluss des Verfahrens innerhalb von ein bis zwei Monaten.
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