BANGKOK/LEEDS – Ein verurteilter Sexualstraftäter, der sich vermutlich in Thailand versteckt, könnte nach seiner Festnahme von einer umstrittenen vorzeitigen Haftentlassung profitieren. Sein Opfer erhielt diese Hiobsbotschaft per E-Mail mit dem harmlosen Betreff „Developments“.
Die E-Mail, die sich wie Hohn anfühlt
Das Opfer, das in ihrer Kindheit schweren sexuellen Missbrauch durch Brian Green erlitt, bekam kürzlich Post von Verbindungsbeamten. Beim Anblick des Betreffs „Developments“ schöpfte sie kurz Hoffnung.
„Ich dachte: ‚Sie haben ihn'“, sagte sie britischen Reportern. Doch dann die bittere Wahrheit: „Darin stand, sobald er gefasst sei, komme er für eine vorzeitige Entlassung infrage. Das ist keine Gerechtigkeit. Wie kann das richtig sein?“
22 Jahre Haft – aber kein einziger Tag verbüßt
Brian Green, 76, wurde 2024 am Leeds Crown Court in fünf Fällen der Vergewaltigung für schuldig befunden. Das Gericht verhängte eine Strafe von 22 Jahren.
Doch noch vor Prozessbeginn gewährte man ihm Kaution. Green nutzte die Freiheit zur Flucht und tauchte unter. Bisher hat er keinen einzigen Tag seiner Haftstrafe angetreten.
Führte die Spur nach Thailand?
Die Polizei geht davon aus, dass sich der 76-Jährige in Thailand aufhält. Ein konkreter Aufenthaltsort, eine Provinz oder ein Hinweis auf ein bestimmtes Touristenziel liegen den Behörden jedoch nicht vor.
Eine offizielle Bestätigung für eine Festnahme in Thailand gibt es bis heute nicht.
Früher raus durch neue Regeln
Der bittere Beigeschmack für das Opfer entsteht durch eine Gesetzesänderung. Nach dem aktuellen Strafzumessungsgesetz verbüßen schwere Sexualstraftäter zwei Drittel ihrer Haftzeit.
Die Entlassungsregeln der Labour-Partei sahen jedoch vor, dass Häftlinge bereits nach der Hälfte der verbüßten Strafe freikommen könnten. Genau diese Regelung könnte nun auch auf Green angewandt werden.
Programm nach öffentlichem Aufschrei gestoppt
Die Debatte um die vorzeitige Entlassung hatte zuletzt für massive Empörung gesorgt. Auslöser war die Freilassung der verurteilten Mörder des Polizisten Andrew Harper.
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Der neue Premierminister Andy Burnham zog daraufhin die Notbremse und setzte das Programm zur vorzeitigen Haftentlassung aus. Ob diese Pausierung dauerhaft ist und welche Folgen sie für Fälle wie den von Green hat, ist derzeit offen.
Keine Gewissheit für das Opfer
Von Brian Green fehlt weiterhin jede Spur. Das Opfer bleibt in quälender Ungewissheit gefangen – zwischen der Angst vor ihm und der Frage, wann und ob überhaupt Gerechtigkeit geschieht.
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Die Suche nach dem flüchtigen 76-Jährigen läuft unterdessen weiter. Einen konkreten Termin für eine mögliche Festnahme gibt es nicht.

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