Norovirus kann bei Kindern plötzliches Erbrechen und wässrigen Durchfall auslösen. Besonders Kinder unter fünf Jahren können dabei schnell austrocknen. Wenn ein Kind nicht trinken kann, deutlich weniger uriniert oder ungewöhnlich schläfrig wirkt, sollten Eltern sofort ärztliche Hilfe holen.
Dr. Krit Pengsa and, ein auf pädiatrische Gastroenterologie und Hepatologie spezialisierter Kinderarzt am Vejthani International Hospital, erklärt, dass Norovirus bei Kindern eine akute Magen-Darm-Entzündung auslösen kann.
Bei diesen Anzeichen droht Flüssigkeitsmangel
Durch Erbrechen und Durchfall verliert der Körper Wasser und Mineralstoffe. Bei Säuglingen und kleinen Kindern kann dieser Flüssigkeitsverlust schnell gefährlich werden. Warnzeichen sind ein trockener Mund, starker Durst, wenig oder dunkler Urin, wenige oder keine Tränen beim Weinen sowie ungewöhnliche Müdigkeit.
Eingesunkene Augen, weniger Spielen, auffällige Reizbarkeit oder Teilnahmslosigkeit sprechen ebenfalls für eine mögliche Austrocknung. Trinkt das Kind nicht, erbricht es immer wieder, uriniert es lange nicht oder lässt es sich nur schwer wecken, muss es sofort ärztlich untersucht werden.
So verbreitet sich das Norovirus
Norovirus gelangt über den Mund in den Körper. Eine Ansteckung ist durch verunreinigtes Essen oder Wasser möglich, ebenso durch Speisen, die von einer infizierten Person zubereitet wurden. Auch Spielzeug, Geschirr und andere Oberflächen können den Erreger übertragen, wenn Kinder danach ihre Hände in den Mund nehmen.
Das Virus kann auch durch engen Kontakt mit Erkrankten, gemeinsam benutzte Gegenstände sowie Erbrochenes, Stuhl oder verschmutzte Windeln weitergegeben werden. Beim Erbrechen können kleine Tröpfchen die Umgebung verunreinigen. In Schulen, Kindertagesstätten und Betreuungseinrichtungen kann sich der Erreger deshalb rasch ausbreiten und anschließend Familienmitglieder anstecken.
Erbrechen und Durchfall beginnen oft plötzlich
Nach der Ansteckung treten Beschwerden meist nach 12 bis 48 Stunden auf. Typisch sind mehrfaches Erbrechen, flüssiger oder wässriger Stuhl, Übelkeit und krampfartige Bauchschmerzen. Hinzu kommen können Appetitlosigkeit, leichtes Fieber, Kopfschmerzen, Gliederschmerzen und Erschöpfung.
Kleine Kinder können Übelkeit oder Bauchschmerzen oft nicht benennen. Eltern sollten deshalb auch auf Weinen, Trinkverweigerung, das Halten des Bauchs, Teilnahmslosigkeit und fehlendes Interesse am Spielen achten. Bei den meisten Kindern bessern sich die Beschwerden innerhalb von ein bis drei Tagen, dennoch können sie das Virus nach dem Abklingen der Symptome weitergeben.
Norovirus ist nicht automatisch eine Lebensmittelvergiftung
Der Begriff Lebensmittelvergiftung umfasst Erkrankungen nach dem Verzehr von verunreinigtem Essen oder Wasser. Auslöser können Viren, Bakterien, Giftstoffe von Krankheitserregern oder andere Ursachen sein. Eine Norovirus-Infektion kann zu diesen lebensmittel- und wasserbedingten Erkrankungen zählen, wenn die Ansteckung über verunreinigte Nahrung oder Getränke erfolgt.
Allein anhand der Beschwerden lässt sich die Ursache nicht sicher feststellen, weil sich die Symptome ähneln können. Ärzte berücksichtigen deshalb den Krankheitsverlauf, mögliche Kontakte zu Erkrankten und die körperliche Untersuchung.
JETZT den Wochenblitz WERBEFREI lesen!
So stellen Ärzte die Infektion fest
Bei der Untersuchung achten Ärzte auf den Beginn der Beschwerden, die Zahl der Erbrechens- und Durchfallepisoden sowie gegessene Lebensmittel. Auch Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen in der Familie oder in der Schule werden abgefragt. Die körperliche Untersuchung soll zeigen, wie stark das Kind ausgetrocknet ist und ob eine andere Erkrankung infrage kommt.
Die meisten Kinder brauchen keinen speziellen Erregernachweis. Eine Stuhluntersuchung kann jedoch erwogen werden, wenn die Beschwerden schwer verlaufen, Blut im Stuhl auftritt, der Verlauf nicht typisch ist oder ein Ausbruch in einer Gruppe vermutet wird.
ORS ersetzt Wasser und Mineralstoffe
Eine spezielle antivirale Behandlung gegen Norovirus gibt es derzeit nicht. Im Mittelpunkt steht deshalb der Ersatz von Flüssigkeit und Mineralstoffen mit einer Lösung zur oralen Rehydrierung, kurz ORS. Eltern sollten die Lösung genau nach den Angaben auf der Packung ansetzen und weder stärker noch schwächer verdünnen.
Erbricht das Kind, sollte es nicht große Mengen auf einmal trinken. Nach einer kurzen Pause können Eltern wieder kleine Schlucke oder einzelne Löffel in kurzen Abständen anbieten. Sportgetränke, Limonade, stark gesüßte Getränke und Fruchtsäfte sind kein Ersatz für ORS, weil ihr Verhältnis von Zucker und Mineralstoffen für Durchfall nicht geeignet ist.
Stillen und leichte Kost bleiben möglich
Gestillte Säuglinge können weiter gestillt werden, am besten häufiger und in kleineren Mengen. Kinder, die noch essen können, sollten altersgerechte Nahrung bekommen. Eine längere Nahrungspause ist nicht nötig.
Geeignet sind kleine Portionen leicht verdaulicher und frisch zubereiteter Speisen. Fettige Speisen, stark zuckerhaltige Lebensmittel und süße Getränke sollten vermieden werden. Medikamente gegen Durchfall oder Erbrechen sowie Antibiotika dürfen Eltern Kindern nicht eigenständig geben. Antibiotika wirken nicht gegen Viren, und manche Medikamente passen nicht zum Alter, zu den Beschwerden oder zum Gesundheitszustand des Kindes.
Bei Fieber sollten Kinder ausreichend trinken, luftige Kleidung tragen und nach Körpergewicht dosierte fiebersenkende Mittel gemäß der Empfehlung von Arzt oder Apotheker erhalten. Dosis oder Häufigkeit dürfen Eltern nicht eigenständig erhöhen.
Wann Eltern sofort zum Arzt müssen
Eine rasche Untersuchung ist nötig, wenn das Kind Wasser oder Milch nicht bei sich behalten kann, anhaltend erbricht, deutlich weniger oder längere Zeit gar nicht uriniert, einen trockenen Mund oder eingesunkene Augen hat oder ohne Tränen weint. Auch zunehmende Teilnahmslosigkeit, schweres Wecken und ungewöhnliche Erschöpfung sind Warnzeichen.
Blut oder blutiger Schleim im Stuhl, hohes Fieber, starke Bauchschmerzen, ausbleibende Besserung oder die Sorge vor einer Austrocknung sprechen ebenfalls für einen Arztbesuch. Säuglinge, kleine Kinder und Kinder mit Vorerkrankungen sollten früher ärztlich beurteilt werden, weil sich Flüssigkeitsmangel oder schwere Beschwerden schneller entwickeln können.
Hände mit Wasser und Seife waschen
Kinder sollten ihre Hände mindestens 20 Sekunden lang mit Seife und fließendem Wasser waschen, besonders nach dem Toilettengang, vor dem Essen und nach der Rückkehr aus der Schule. Betreuungspersonen müssen ihre Hände auch nach dem Windelwechsel sowie nach dem Reinigen von Erbrochenem und Stuhl waschen. Desinfektionsgel kann ergänzend verwendet werden, ersetzt das Händewaschen bei Norovirus aber nicht.
Erkrankte Kinder sollten eigene Trinkgläser, Bestecke und Handtücher benutzen. Beim Kontakt mit Erbrochenem, Stuhl oder Windeln sind Handschuhe sinnvoll. Spielzeug, Türklinken, Wasserhähne und Toiletten sollten mit einem geeigneten Mittel gereinigt und desinfiziert werden. Verschmutzte Kleidung und Bettwäsche müssen sofort gewaschen werden, ohne sie vorher auszuschütteln.
48 Stunden nach den Beschwerden zu Hause bleiben
Ein Kind sollte mindestens 48 Stunden nach dem Ende von Erbrechen und Durchfall nicht in die Schule oder Kindertagesstätte gehen. In dieser Zeit sollte es auch keine Speisen für andere zubereiten und niemanden betreuen.
Lesen Sie auch: Fünf Rentner aus der DACH-Region packen aus
Die meisten Kinder werden innerhalb weniger Tage wieder besser. Eltern sollten trotzdem auf ausreichendes Trinken mit ORS, Anzeichen von Flüssigkeitsmangel und die Reinigung verunreinigter Bereiche achten. Bei anhaltendem Erbrechen, wenig Urin, zunehmender Teilnahmslosigkeit, Blut im Stuhl oder anderen schweren Beschwerden ist eine sofortige ärztliche Abklärung nötig.

Wichtiger Hinweis für unsere Leser
Wir freuen uns auf Ihren Beitrag! Bitte beachten Sie für ein freundliches Miteinander unsere Regeln: