Thailands Tourismus-Plan 2027: Mehr Qualität statt Masse

Radikaler Kurswechsel im Paradies: Die Regierung will Schluss machen mit billigem Massentourismus. Doch reicht der neue Fokus auf zahlungskräftige Gäste und Staatszuschüsse, um die Wirtschaft vor dem Absturz zu bewahren?

Thailands Tourismus-Plan 2027: Mehr Qualität statt Masse
Nation

BANGKOK – Thailands Tourismusbehörde TAT hat bei einem mehrtägigen Strategietreffen in Bangkok die Weichen für 2027 gestellt. Das Ziel: mindestens 33 Millionen ausländische Besucher und ein Umsatz von bis zu 2,9 Billionen Baht. Gleichzeitig soll sich der Tourismus grundlegend wandeln – weg von der Masse, hin zu mehr Wert.

33 Millionen Besucher als Minimalziel für 2027

Tourismusminister Surasak Phancharoenworakul machte bei dem Treffen, das bis zum 16. Juli läuft, die Dimension der Herausforderung klar. „Thailands Tourismussektor steht 2027 vor einem weiteren äußerst herausfordernden Jahr“, sagte er.

Die Vorgabe lautet, mindestens das Umsatzniveau von 2026 zu halten und die Marke von 33 Millionen internationalen Gästen nicht zu unterschreiten. 2026 wird ein Gesamterlös zwischen 2,68 und 2,78 Billionen Baht erwartet.

Weg von der Masse, hin zum Qualitätsgast

Die TAT-Führung um Gouverneurin Thapanee Kiatphaibool setzt auf eine klare Zäsur. Unter dem Motto „Das Jahr der Transformation“ soll die gesamte Ausrichtung umgekrempelt werden.

Statt schierer Besucherrekorde rückt künftig die Wertschöpfung in den Mittelpunkt – zusammengefasst als Strategie „Value over Volume“. Der Anteil ausgabefreudiger Qualitätstouristen soll jährlich um zehn Prozent wachsen. Aktuell lassen diese Gäste durchschnittlich 52.000 Baht pro Reise im Land.

Vier Säulen für einen neuen Tourismus

Um den Umbau zu stemmen, hat die TAT vier strategische Felder definiert. Erstens: das Marktportfolio gezielt auf hochwertige Segmente umbauen.

Zweitens soll vom Produktverkauf zum Erlebnismodell gewechselt werden – mit mehr Reisen in weniger bekannte Provinzen. Drittens treiben neue Wachstumsmotoren wie Kreativwirtschaft und nachhaltiger Tourismus die Entwicklung an. Viertens will sich die TAT selbst zu einer agilen, datenbasierten Organisation umformen.

Regierung setzt auf „Team Thailand“ in China

Premierminister Anutin Charnvirakul hat den Tourismus zur Chefsache erklärt und Surasak angewiesen, Auslandsdelegationen gezielt zu begleiten. In dieser Woche bricht der Minister mit einer Regierungsmission nach China auf.

Geplant sind Gespräche mit Unternehmen, Investoren und Airlines wie Sichuan Airlines. Mit der chinesischen Führung soll es um abgestimmte Sicherheitsinformationen gehen, um das Vertrauen der Reisenden zu stärken.

Zuzahlungsprogramm soll Inlandstourismus anschieben

Parallel wird an einer Starthilfe für thailändische Urlauber gearbeitet. Am Mittwoch tagt das gemeinsame Beratungsgremium aus Staat und Privatwirtschaft zum Thema Tourismus.

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ZUM ANGEBOT

Die Privatwirtschaft hat ein zentrales Budget für 2027 vorgeschlagen. Ein Programm namens „Thais Travel Thailand Plus“ soll Reisekosten bezuschussen – neben Hotelübernachtungen möglicherweise auch Mietwagen und öffentliche Verkehrsmittel.

Neue Ferne-Märkte im Visier

Neben den klassischen Quellmärkten rücken Regionen wie Osteuropa, Afrika und Südamerika in den Fokus. Die TAT will dort gezielt Erstbesucher gewinnen und zu Wiederkehrern machen.

Die Reisefrequenz inländischer Gäste soll von derzeit über zwei auf drei Trips pro Person und Jahr steigen. 203 Millionen Inlandsreisen sind für 2027 angepeilt.

Nahost-Krieg belastete 2026 die Bilanz

Der Krieg im Nahen Osten hat dem Tourismus bereits 2026 spürbar zugesetzt. Besonders der arabische Markt brach ein, einzig aus den Vereinigten Arabischen Emiraten kam noch nennenswerte Nachfrage.

Zur Jahresmitte schien eine Erholung möglich, doch erneute Gefechte machten die Hoffnung zunichte. Die TAT hatte ausgerechnet in dieser Region auf Wachstum gesetzt.

Premierminister sucht Kooperation statt Konkurrenz

Bei einem Besuch in Vietnam gab Anutin die Devise aus, das Nachbarland nicht als Rivalen, sondern als Freund zu sehen. Beide Länder könnten die Region gemeinsam voranbringen.

In Malaysia standen grenzüberschreitendes Reisen, bilateraler Handel und eine friedliche Grenzregion auf der Agenda. All das soll dem Tourismus ein günstiges Umfeld schaffen.

Umsatzwachstum von fünf bis sieben Prozent angestrebt

Die TAT peilt für 2027 ein Umsatzwachstum von fünf bis sieben Prozent an. Als Basis dient der erwartete Umsatz von 2,76 Billionen Baht aus dem Jahr 2026.

Das Gesamtziel liegt bei bis zu 2,9 Billionen Baht, wobei die Marketingstrategie auf wertorientiertem Wachstum basiert.

Tourismusklinik und Briefing im Juli, Strategievorstellung im August

Am 21. Juli lädt die TAT heimische Tourismusunternehmen zu einem Markt-Briefing mit den Leitern aller Auslandsbüros ins Queen Sirikit National Convention Centre; eine „Tourism Clinic“ bietet Gelegenheit für Austausch und Kooperation.

Was denkst du darüber? Schreib uns deine Meinung in die Kommentare.

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Quelle: Nation (Business) Thailand
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9 Kommentare zu „Thailands Tourismus-Plan 2027: Mehr Qualität statt Masse

  1. Auf solch einen Unfug muss man mal kommen: da soll der Staat (also der Steuerzahler, z.B. der Taglöhner, der auf seinen Einkauf MWSt zahlt…) private Reisen bezuschussen, damit die sowieso schon besser Betuchten billiger reisen können und verkauft wird das als Wirtschaftsförderung.

    1. Die besser Betuchten sind doch die, die die Steuern zahlen. Der kleine Mann zahlt keine Steuern und reist normalerweise nicht. Wenn an Songkran oder sonstigen Festen die Familie besucht wird, dann wohnt man dort. Also zahlt der besser Betuchte Steuern und erhält dann bei seiner Reise dann einen Zuschuß, der ein winziger Bruchteil von seinen Steuern ist. Wo bleibt der Rest? Das weiß jeder.

      1. Da hast du glaube ich vergessen, dass es außer Einkommenssteuer z.B. auch noch MWSt. gibt. Die Zahlen alle, auch der Taglöhner, deswegen hatte ich genau dieses Beispiel angeführt, was du möglicherweise überlesen hast?

        1. Ja, da war ich nicht konsequent genug. Sorry. Mehrwertsteuer? Dann zahlen auch die, die sich keinen Inlandsurlaub leisten können für die, die das können. Allerdings werden die besser Betuchten in der Regel auch mehr Mehrwertsteuer zahlen. Natürlich nicht gewaltig mehr. Mehr essen tut keiner. Aber in Restaurant gehen, Benz kaufen, 4 Autos im Hof, größeres Haus bauen, alles ist mit MwSt. verbunden. Es wäre interessant das mal im Detail durchzurechnen. Aber das ist mir jetzt zu aufwendig. Aber Danke für den Hinweis.

      2. Jetzt war ich neugierig. Und habe ein bisschen recherchiert: Die thailändischen Steuern betragen 2,7 bis 2,8 Billionen THB pro Jahr, also ca. 75 bis 76 Mrd. USD. Die Steuerquote ist im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt ca. 13 bis 15 %. (Davon kann ein Deutscher nur träumen).
        Und die Verteilung?
        Mehrwertsteuer …… ca. 40-43 % (der Satz liegt gesetzlich bei 10%, aktuell per königlichem
        Dekret auf 7% gesenkt, bis 30.09.2026)
        Unternehmenssteuer ca. 21-24 % (regulär 20% vom Nettogewinn. KMUs reduziert auf 0 bis 15%,
        schrittweise)
        Einkommensteuer …. ca. 10-12 % (die meisten Thais bleiben unter den steuerlichen Freibeträgen, z.B.
        Landwirtschaft, Kleinsthandel)
        Verbrauchssteuern … ca. 15-18 % (erhoben auf spezielle Güter, Erdölprodukte, Autos, Alkohol, Tabak,
        Zuckergetränke)
        Zölle & Außenhandelst. ca. 3-4 % (erhoben auf Importe. Durch Freihandelsabkommen, hauptsächl.
        ASEAN, historisch gesunken)
        Andere Steuern ca. 4-6 % (Spezifische Geschäftssteuer, z.B. auf Bankgeschäfte, Immobilien-
        verkäufe, Stempelsteuer, Grundsteuer, Gebäudesteuer, Abgaben
        von staatlichen Unternehmen)
        Seit einiger Zeit müssen sich auch ausländische Digitaldienste ohne Sitz in Thailand hier anmelden, für die Mehrwertsteuer. Und die Mehrwertsteuer von 7% wurde im Februar 2025 auch auf Billig-Importwaren unter 1500 THB ausgeweitet, um lokale Händler zu schützen.
        Das ist wirklich eine Überraschung für mich. Die Mehrwertsteuer macht hier so viel aus. Kein Wunder, daß die Staatseinnahmen extrem sensibel auf Veränderungen im inländischen Konsum und auf Tourismuszahlen reagieren.
        Hoffentlich ist das auch für andere Leser interessant.

  2. „Qualität statt Masse“ wird doch von der TAT schon seit ca. einem Jahrzehnt propagiert. Langsam wird es langweilig!

    1. Ja, „Qualität statt Masse“. Gute Idee. Aber einerseits wird von immer mehr Einheimischen über zuviel Tourismus geklagt. Andererseits will man die Anzahl der Touristen steigern. Also sollen alle „Nicht-Qualitätstouristen“ Zuhause bleiben. Woher sollen denn all die „Qualitätstouristen“ kommen? Es müssen ja dann mehr als die nicht mehr kommenden „Nicht-Qualitätstouristen“ sein. Das paßt natürlich nicht zusammen. Und die „Nicht-Qualitätstouristen“ übernachten normalerweise nicht in den 5-Sterne-Hotels. Was passiert mit den einfacheren Hotels und deren Mitarbeitern?

  3. Hoffentlich erzählt irgend jemand diesen „ausgabefreudigen Qualitätstouristen“, dass ihr Anteil ab sofort jährlich um 10% steigen wird. Diese „Pläne“ sind ja sowas von lächerlich – kaum zu fassen🙂‍↔️

Kommentare sind geschlossen.

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