Thailands Gefängnisse in der Krise: Notstand hinter Gittern

Thailands Gefängnisse am Limit: Mehr als 330.000 Insassen hausen auf engstem Raum. Die Demokraten fordern jetzt eine Radikalreform, da die Zustände hinter Gittern laut Expertin in einer humanitären Katastrophe enden könnten.

Thailands Gefängnisse in der Krise: Notstand hinter Gittern
Pornprom Satrabhaya / Bangkok Post

Thailand – Rudklao Intawong Suwankiri von der Demokratischen Partei fordert eine umfassende Umstrukturierung des thailändischen Gefängnissystems wegen extremer Überbelegung, schlechter Haftbedingungen und hoher Rückfallraten. Sie schlug einen parlamentarischen Sonderausschuss vor, der Haftbedingungen, Rehabilitation und Wiedereingliederung untersuchen soll.

Abgeordnete spricht von Krise

Rudklao Intawong Suwankiri bezeichnet das Strafvollzugssystem als in einer Krise befindlich und verlangt schnelle Reformen. Sie will, dass das Parlament die Zustände, die Justizpraxis und die Wiedereingliederung ehemaliger Häftlinge geprüft.

Ihr Vorschlag sieht einen speziellen parlamentarischen Ausschuss vor, der Maßnahmen zur Verbesserung des Wohlergehens von Insassen und zur Senkung der Rückfallquoten erarbeiten soll. Die Initiative soll vor dem Repräsentantenhaus behandelt werden.

Wie stark überfüllt sind die Gefängnisse?

Thailand hat nach Angaben der Abgeordneten rund 330.000 Insassen, während die Haftanstalten nur Platz für 240.000 Menschen bieten. Das macht das System zu einem der am stärksten überbelegten weltweit.

Rudklao berichtet, Häftlinge müssten auf Flächen schlafen, die nicht größer als eine Yogamatte seien, und lägen die ganze Nacht dicht an dicht. Solche Zustände nannte sie als Ursache für gesundheitliche und psychische Probleme.

Seuchen-, Haut- und psychische Probleme

Die Abgeordnete sieht die Überbelegung als Treiber für Tuberkulose, verschiedene Hautkrankheiten und psychische Belastungen unter Insassen. Enge, unhygienische Verhältnisse würden Krankheiten fördern und die Versorgung erschweren.

Solche Gesundheitsprobleme erschweren laut Rudklao auch die spätere Rückkehr in die Gesellschaft, weil viele Betroffene lange körperlich und psychisch belastet bleiben. Rehabilitation sei daher essenziell, so ihre Kritik.

Wer sitzt hinter Gittern und warum?

Etwa 70 Prozent der Gefangenen seien wegen geringfügiger Drogendelikte inhaftiert, berichtet Rudklao. Viele dieser Menschen könnten sich keine Kaution leisten.

Fast 100.000 Insassen würden zudem in Untersuchungshaft sitzen und auf ihren Prozess warten. Die Abgeordnete nennt die hohe Zahl an Untersuchungshäftlingen als Teil der strukturellen Ungleichheit im System.

Fünf Reformfelder als Plan

Rudklao schlägt Reformen in fünf Bereichen vor: mehr Alternativen zur Haft wie gemeinnützige Arbeit und elektronische Überwachung, Trennung von Untersuchungshäftlingen und Verurteilten, Ausbau beruflicher Ausbildung, Umschichtung von Mitteln zugunsten von Rehabilitation und Maßnahmen zur Wiedereingliederung. Außerdem regt sie an, Regeln zur Löschung von Vorstrafen zu prüfen, wenn jemand drei Jahre straffrei bleibt.

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Sie kritisiert, dass derzeit nur ein Prozent des Gefängnisbudgets in Rehabilitation fließt, während Inhaftierung die Hauptreaktion auf Straftaten bleibe. Eine Umverteilung der Mittel soll laut ihr Rückfallraten senken und Beschäftigungsfähigkeit fördern.

Parlament soll entscheiden

Rudklao forderte die Bildung eines parlamentarischen Sonderausschusses, der Justiz, Haftbedingungen und Wiedereingliederung systematisch untersuchen soll. Ihr Vorstoß wurde vor dem Repräsentantenhaus vorgetragen und richtet sich an Gesetzgeber und Behörden.

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Quelle: Bangkok Post Thailand

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