PHNOM PENH, KAMBODSCHA – Ein prominenter kambodschanischer Kolumnist schießt scharf gegen das US-Finanzblatt „The Wall Street Journal“. Grund ist die abfällige Bezeichnung „Scambodia“, mit der das Medium das Land aufgrund von Callcenter-Betrugsbanden stigmatisiert.
Wortspiel sorgt für Empörung
Der Geopolitik-Analyst Roth Santepheap findet in der „Khmer Times“ deutliche Worte. Er fordert das weltbekannte Wirtschaftsblatt auf, sofort mit der Bezeichnung „Scambodia“ aufzuhören.
Das Wort ist ein Mix aus dem englischen Begriff „Scam“ (Betrug) und dem Landesnamen Kambodscha. Für Santepheap ist das kein Journalismus, sondern pure Verspottung.
Angriff auf die nationale Würde
Kambodscha sei ein souveräner Staat, der weltweit anerkannt werde. Die Verballhornung des Namens sei ein unprofessioneller Akt, der das ganze Land unter ein negatives Stereotyp stelle.
Ein Medium mit solchem globalen Einfluss solle Verantwortung übernehmen. Die bewusste Herabwürdigung eines ganzen Volkes sei inakzeptabel.
Globales Problem, lokaler Sündenbock
Zwar räumt der Analyst ein, dass Online-Kriminalität ein ernstes Problem sei. Doch er betont, dass es sich um transnationale Netzwerke handelt, an denen viele Länder beteiligt sind.
Kambodscha allein als Zentrum darzustellen, sei falsch. Die Täter kämen aus aller Welt und operierten über Grenzen hinweg.
Regierung rät zum Aufräumen
Santepheap kritisiert, dass die Anstrengungen der kambodschanischen Regierung völlig ignoriert würden. In den letzten Monaten seien hunderte Verstecke von Betrügerbanden zerschlagen worden.
Tausende Ausländer wurden bereits verhaftet oder abgeschoben. Die Gesetze gegen diese Gangs seien massiv verschärft worden.
Vorwurf der Doppelmoral
Die Bezeichnung „Scambodia“ schadet nicht nur dem Image, sondern auch der Wirtschaft. Millionen unbeteiligte Bürger würden durch das Stigma mitbestraft.
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Der Autor fragt provokant, ob das Journal dieselben Wortspiele bei westlichen Ländern anwenden würde. Dort gäbe es ähnliche Kriminalitätsprobleme, doch die Berichterstattung sei eine andere.
Forderungen an die Redaktion
Kritik und Kontrolle durch die Medien seien notwendig, aber Spott sei es nicht. Daher fordert der Analyst die sofortige Löschung des Begriffs aus allen Artikeln.
Zudem solle das Blatt die Fakten korrigieren und zu einer objektiven Berichterstattung zurückkehren. Die Würde eines Landes dürfe nicht für Klicks geopfert werden.
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Was für ein Glück, dass das in einem US amerikanischen Medium veröffentlicht wurde. Sonst hätten wir vielleicht schon wieder einen kleinen Grenzkrieg, nur weil einer da ein bisschen empfindlich reagiert.