THAILAND – Ausländische Besucher sollen nach einem aktuellen Entwurf 450 Baht Tourismusgebühr zahlen. Wer die Abgabe entrichtet, könnte Thailand innerhalb von 30 Tagen mehrfach verlassen und wieder einreisen, solange der damit verbundene Versicherungsschutz gilt. Die Gebühr ist bisher nur geplant und noch nicht verbindlich.
450 Baht für mehrere Einreisen innerhalb von 30 Tagen
Die geplante Abgabe soll unabhängig davon gelten, ob Reisende mit dem Flugzeug, über die Landgrenze oder auf dem Seeweg nach Thailand kommen. Mit einer Zahlung wären mehrere Ein- und Ausreisen innerhalb eines Zeitraums von 30 Tagen möglich.
Voraussetzung ist, dass der Versicherungsschutz aus der Gebühr während des gesamten Zeitraums besteht. Für Menschen, die regelmäßig Grenzen überqueren, prüfen die Behörden eine Regelung, bei der eine Zahlung mehrere Einreisen abdeckt.
Wer von der Gebühr ausgenommen werden soll
Nicht zahlen müssten unter anderem königliche Gäste, offizielle Gäste der Regierung sowie Inhaber diplomatischer und offizieller Pässe. Auch Ausländer mit Arbeitserlaubnis, Besitzer eines Grenzpasses, Transitpassagiere und Besatzungsmitglieder sollen ausgenommen werden.
Kinder unter zwei Jahren wären ebenfalls nicht betroffen. Die geplante Regelung unterscheidet damit zwischen zahlungspflichtigen Besuchern und mehreren Gruppen mit besonderem Aufenthalts- oder Reisestatus.
Start zunächst nur an Flughäfen
Die Erhebung soll zunächst bei der Einreise über Flughäfen beginnen. Nach Angaben von Natthriya Thaweevong, der ständigen Sekretärin für Tourismus und Sport, könnte die erste Phase 180 Tage nach der Veröffentlichung der entsprechenden Bekanntmachung im Königlichen Amtsblatt starten.
Die Erhebung an Land- und Seegrenzen soll etwa 360 Tage später folgen. Die zusätzliche Vorbereitungszeit soll Staus an stark frequentierten Grenzübergängen verhindern, vor allem an Übergängen mit vielen Reisenden aus Malaysia.
Gebühr liegt unter dem errechneten Satz
Eine aktuelle Untersuchung kam unter Berücksichtigung der Wirtschaftslage, der Inflation und weiterer Kosten auf einen angemessenen Grundbetrag von mehr als 490 Baht. Vorgeschlagen werden trotzdem 450 Baht, um internationale Besucher nicht zu stark zu belasten.
Frühere Überlegungen sahen 300 Baht für Flugreisende und 150 Baht für Besucher auf dem Land- oder Seeweg vor. Die neue Vorlage vereinheitlicht den Betrag unabhängig vom Einreiseweg.
Etwa 15 Milliarden Baht Einnahmen
Bei rund 35,4 Millionen ausländischen Ankünften im Jahr 2027 könnten allein die zunächst erfassten Flugreisenden mehr als 12 Milliarden Baht in den Tourismusförderfonds einbringen. Flugreisende machen mehr als 80 Prozent der internationalen Ankünfte aus.
Wenn später auch Land- und Seegrenzen einbezogen werden, könnten die jährlichen Einnahmen auf etwa 15 Milliarden Baht steigen. Eine separate Berechnung mit 35 Millionen Touristen und erwarteten Einnahmen aus dem Auslandstourismus von 1,65 Billionen Baht kam auf 15,897 Milliarden Baht.
Weniger Besucher, aber ein erwarteter Nettoeffekt
Die Untersuchung rechnet damit, dass die Gebühr die Zahl der Ankünfte um etwa 70.000 Besucher verringern könnte. Dadurch könnten Tourismuseinnahmen von schätzungsweise 3,32 Milliarden Baht entfallen.
Nach Abzug dieses erwarteten Verlusts bliebe laut Berechnung ein Nettoeffekt von etwa 12,577 Milliarden Baht. Die Einnahmen sollen nicht in den allgemeinen Staatshaushalt fließen, sondern für den Tourismus eingesetzt werden.
Versicherung und neue Reiseangebote als Verwendungszwecke
Ein Teil des Geldes soll den Sicherheits- und Gesundheitsbedarf von Touristen absichern. Nach Angaben aus der Untersuchung könnte das auch den Staat entlasten, der derzeit jedes Jahr Hunderte Millionen Baht für ausländische Besucher aufwendet, deren eigene Versicherung nach Unfällen nicht ausreichend zahlt.
Weitere Ziele sind die Entwicklung von Reisezielen und neue Angebote für Besucher. Außerdem soll der Fonds Forschung, Tagungen und die Ausbildung von Fachkräften im Tourismussektor finanzieren.
Forderung nach offener Kontrolle des Fonds
Weerasak Kowsurat, früherer Minister für Tourismus und Sport und Vorsitzender des Beratungsteams von Vizepremierministerin Suphajee Suthumpun, hält eine Gebühr von 450 Baht für die meisten ausländischen Besucher für tragbar. Vergleichbare Tourismusabgaben gebe es bereits in vielen Reisezielen im Ausland.
Er sagte, die Maßnahme würde eine bedeutende Einnahmequelle außerhalb des Staatshaushalts schaffen und Thailand erstmals einen großen zweckgebundenen Tourismusfonds ermöglichen.
Bessere Qualität trotz Gästeverlust
Weerasak fordert zugleich eine besonders transparente Verwaltung des Geldes. Er schlägt ein Modell mit einem zweiten Kontrollgremium aus beteiligten Gruppen vor, das Ausgaben und Haushaltsverwaltung verfolgen kann. Sitzungen könnten nach seiner Vorstellung per Kamera übertragen werden.
Weerasak räumte ein, dass die Abgabe einige preisempfindliche Besucher kosten könnte. Er argumentierte jedoch, dass eine bessere Qualität des touristischen Angebots die Nachfrage stützen werde.
Thailand prüfte Modelle aus 15 Ländern
Thailand hat Tourismusabgaben in 15 Ländern und Gebieten untersucht und sechs Grundmodelle verglichen. Dazu gehören prozentuale Abgaben auf Übernachtungen, feste Beträge pro Person und Nacht sowie Gebühren pro Zimmer und Nacht.
Als Beispiele nennt die Untersuchung Amsterdam, Chicago, Berlin, Paris, Rom, Barcelona, Kyoto, Griechenland, Island und Malaysia. Barcelona begrenzt die Zahl der Nächte, für die die Abgabe gilt. In Malaysia richtet sich die Tourismussteuer an ausländische Passinhaber.
Bali, Neuseeland und Venedig setzen auf Reisegebühren
Ein weiteres Modell ist eine einmalige Gebühr pro Reise. Bali erhebt sie über das System „Love Bali“. Dort wurden laut Untersuchung Probleme mit Ausfällen digitaler Systeme, gefälschten Webseiten, ungleicher Durchsetzung und möglichen Engpässen festgestellt.
Neuseeland verknüpft die Abgabe mit der elektronischen Reisegenehmigung oder dem Visaverfahren. Venedig erhebt eine Gebühr für Tagesbesucher, um die Zahl der Menschen in der Stadt zu steuern. Bhutan nutzt eine spezielle Abgabe, um höherwertigen Tourismus gegenüber möglichst hohen Besucherzahlen zu fördern.
Zahlungsweg noch nicht festgelegt
Wie Besucher die 450 Baht bezahlen sollen, ist offen. Möglich wären ein Aufschlag auf den Ticketpreis, eine Zahlung über eine Webseite oder eine Mobilanwendung, Terminals oder mobile Geräte sowie ein anderes Verfahren, das der Fonds-Ausschuss genehmigt.
Die Regierung würde die Gebühr am liebsten in Flugtickets integrieren. Fluggesellschaften sehen dabei jedoch Probleme, weil ihre Systeme zahlungspflichtige Ausländer von thailändischen Passagieren unterscheiden müssten. Auch Thailänder mit Wohnsitz im Ausland, die einen thailändischen und einen ausländischen Pass besitzen, erschweren die Zuordnung.
Die Fluggesellschaften befürchten solche operativen Probleme auch dann, wenn die Regierung sie für die Abwicklung der Erhebung entschädigt.
Entwurf bleibt in öffentlicher Beratung
Falls keine Einigung mit den Airlines gelingt, könnten Reisende elektronisch per Scan zahlen oder die Gebühr über einen anderen Online-Kanal entrichten, bevor sie die Thailand Digital Arrival Card abschließen. Eine endgültige Entscheidung über den Zahlungsweg gibt es noch nicht.
Die Meinungsabgabe zum Entwurf läuft bis zum 28. September. Danach soll die Vorlage an den Nationalen Ausschuss für Tourismuspolitik zurückgehen und bei Zustimmung an das Kabinett weitergeleitet werden.
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