Skandal um Senatswahl in Thailand

Die Opposition fordert die Weiterleitung an das Gericht, während vier Kommissionsmitglieder wegen möglicher Interessenkonflikte kritisiert werden. Betroffen sind 138 Senatoren.

Skandal um Senatswahl in Thailand
Naewna

BANGKOK, Thailand – Die thailändische Wahlkommission soll am 14. September über das Verfahren gegen 229 Beschuldigte wegen möglicher Absprachen bei der Senatswahl entscheiden. Die Opposition verlangt, den Fall an das Gericht weiterzugeben, und kündigt für den Fall einer Zurückweisung weitere Schritte an. Die Entscheidung betrifft unter anderem 138 amtierende Senatoren.

Opposition verlangt Gerichtsverfahren für 229 Beschuldigte

Parit Wacharasindhu von der Volkspartei fordert, dass alle sieben Mitglieder der Wahlkommission den Fall an das Gericht überweisen. Damit sei nicht gesagt, dass alle Beschuldigten schuldig seien. Es gebe aber genügend Beweise, um die Vorwürfe im Gerichtsverfahren prüfen zu lassen.

Nach Darstellung der Opposition umfassen die Unterlagen unter anderem Geldflüsse, Treffen, Kontakte und Listen für die Abstimmung. Diese Hinweise deuteten aus ihrer Sicht auf ein organisiertes Vorgehen hin.

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Auch nach einer Zeugenaussage soll der Fall weiter geprüft werden

Parit wies Berichte über einen Zeugen zurück, der seine frühere Aussage geändert haben soll. Die Ermittlungen stützten sich nicht auf eine einzelne Person, sondern auch auf mehrere hundert Zeugen, Finanzdaten, Kontaktverläufe, Abstimmungslisten und Stimmzettel.

Die spätere Aussage, es habe keine Listen gegeben, stehe nach seiner Darstellung im Widerspruch zu Überwachungsbildern, dem Fund solcher Unterlagen an einem Wahlort und ähnlichen Stimmenverteilungen in allen 20 Gruppen. Beide Aussagen müssten mit den übrigen Beweisen verglichen werden.

Vorwurf eines Interessenkonflikts bei vier Kommissionsmitgliedern

Die Opposition kritisiert, dass vier der sieben Kommissionsmitglieder ihre Zustimmung für das Amt von Senatoren erhalten haben, gegen die sich die Vorwürfe richten. Sie könnten deshalb in einen Interessenkonflikt geraten, so Parit.

Er fordert, den Fall an das Gericht zu geben oder zumindest die Einschätzung der drei anderen Kommissionsmitglieder zu berücksichtigen. Diese seien von dem genannten Konflikt nicht betroffen.

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Bei einer Zurückweisung kündigt die Opposition weitere Schritte an

Falls die Wahlkommission die Beschwerde zurückweist oder den Fall trotz der vorliegenden Beweise nicht an das Gericht weiterleitet, werde die Angelegenheit nicht beendet sein, sagte Parit. Die Kommission müsse sich dann bei der Beratung ihres Jahresberichts im Parlament erklären.

Beschuldigte aus der Regierung müssten außerdem mit Fragen bei einem Misstrauensverfahren rechnen. Die Opposition prüft nach eigenen Angaben weitere rechtliche Möglichkeiten, darunter ein Vorgehen wegen möglicher Pflichtverletzung. Ein solches Verfahren könnte von Geschädigten und nicht direkt von einer Partei eingeleitet werden.

Misstrauensantrag soll noch im September eingereicht werden

Die Opposition hat ein Arbeitsteam eingesetzt, das die Einzelheiten des Misstrauensantrags ausarbeitet und die Namen der betroffenen Minister zusammenträgt. Der Antrag soll noch im September eingereicht werden.

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Als bisher feststehende Ziele nannte Parit Ministerpräsident und Innenminister Anutin Charnvirakul sowie Digitalminister Chaichanok Chidchob. Inhaltlich soll es unter anderem um den Vorwurf von Betrug bei einer lokalen Prüfung, die Senatswahl und das Projekt TH-AI Passport gehen. Weitere Themen könnten bis zum Beginn der Debatte hinzukommen.

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Studentenverbände warnen vor Vertrauensverlust

Ein Zusammenschluss aus 20 Studenten- und Bürgerorganisationen forderte eine schnelle und transparente Entscheidung. Nach seiner Darstellung stehen 229 Personen im Verfahren, darunter 138 amtierende Senatoren. Das entspricht zwei Dritteln des gesamten Senats.

Die Gruppen sehen deshalb nicht nur ein Verfahren gegen einzelne Personen, sondern auch eine Frage nach der Legitimität des Senats. Die Organisationen verlangen außerdem Änderungen am Wahlsystem für den Senat und eine Reform der Auswahl von Mitgliedern unabhängiger Institutionen.

Senat stimmte bereits über mindestens 19 Ämter ab

Die Organisationen verwiesen darauf, dass der umstrittene Senat in den vergangenen zwei Jahren bereits über mindestens 19 Ernennungen abgestimmt habe. Dazu gehörten Posten am Verfassungsgericht und in unabhängigen Institutionen.

Nach ihrer Darstellung wächst der Vertrauensverlust, wenn die Entscheidung über das Verfahren weiter hinausgezögert wird. Die Wahlkommission müsse ihre Unabhängigkeit beweisen und ohne Einflussnahme mächtiger Gruppen handeln.

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Chuan fordert Unabhängigkeit und klare Regeln

Der frühere Ministerpräsident Chuan Leekpai sagte bei einer Parlamentsveranstaltung, unabhängige Institutionen sollten Wahlen und staatliches Handeln kontrollieren. Dazu gehören unter anderem die Wahlkommission und die nationale Antikorruptionskommission.

Nach seiner Einschätzung habe politischer Einfluss die Arbeit dieser Institutionen geschwächt. Er warnte außerdem vor einer politischen Geschäftskultur, bei der Mandate und Stimmen als Investition betrachtet würden. Amtsträger müssten ihre Aufgaben ehrlich und ohne Rücksicht auf persönliche Verpflichtungen erfüllen.

Regierung spricht von einem neuen politischen Feindbild

Regierungssprecher Ekaphop Phianphiset warf der Opposition vor, ein neues politisches Feindbild gegen die Regierungspartei Bhumjaithai aufzubauen. Die Bezeichnung eines angeblichen „blauen Systems“ diene aus seiner Sicht dazu, die Regierung vor der nächsten Wahl zum Hauptziel zu machen.

Falls Beweise für Absprachen bei der Senatswahl vorlägen, müssten sie nach dem Gesetz geprüft werden, sagte Ekaphop. Er kritisierte jedoch, dass Namen und Teile der Informationen veröffentlicht würden, obwohl das Verfahren noch nicht abgeschlossen sei.

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Bhumjaithai verteidigt Ermessensspielraum der Wahlkommission

Supachai Jaisamut, Vorsitzender des Rechtsausschusses und Abgeordneter von Bhumjaithai, widersprach der Forderung, die Wahlkommission müsse den Fall automatisch an das Gericht schicken. Nach seiner Darstellung darf die Kommission Beschwerden auch zurückweisen, wenn sie keinen ausreichenden Grund für einen Gesetzesverstoß sieht.

Die Kommission sei kein reiner Übermittler von Ermittlungsakten. Bei jedem der 229 Beschuldigten müsse geprüft werden, welches konkrete Verhalten vorliege. Bhumjaithai schütze keine Schuldigen, sagte Supachai, und neun Parteimitglieder hätten nach seiner Darstellung von den angeblichen Verstößen nichts gewusst.

Sieben Vorwürfe werden einzeln geprüft

Die Wahlkommission soll bei jedem Beschuldigten über sieben Vorwürfe abstimmen. Dazu gehören mögliche Hilfe für Kandidaten durch Parteifunktionäre oder Politiker, die Zustimmung zu solcher Hilfe, Verstöße gegen Wahlregeln sowie die Zusage oder Vorbereitung finanzieller Vorteile.

Geprüft werden außerdem mögliche Bewirtungen zur Beeinflussung von Stimmen, die Annahme von Vermögen oder anderen Vorteilen für eine Kandidatur sowie die Annahme solcher Vorteile durch Wahlberechtigte. Die Abstimmung erfolgt für jede beschuldigte Person einzeln.

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Entscheidung beginnt am 14. September um 10 Uhr

Die Sitzung der Wahlkommission soll am 14. September um 10 Uhr beginnen. Jedes Mitglied will seinen Stimmzettel zu den 229 Beschuldigten und den sieben Vorwürfen abgeben. Anschließend sollen die Mitarbeiter die Ergebnisse sammeln und bekannt geben.

Die Wahlkommission hat sich bereits mit dem Ablauf befasst. Nach der Abstimmung müssen die Stellungnahmen zu einer Entscheidung zusammengeführt werden. Dafür gilt eine Frist von 60 Tagen. Falls der Fall an die Abteilung für Wahlverfahren des Obersten Gerichtshofs geht, stehen für die Erstellung des Antrags ebenfalls 60 Tage zur Verfügung.

Polizei bereitet sich auf Aktivitäten vor

Die Wahlkommission rechnet mit Gruppen, die den Termin vor dem Gebäude begleiten und symbolische Aktionen veranstalten könnten. Deshalb wurden Polizeikräfte zur Sicherung der Ordnung angefordert.

Eine Polizeieinheit soll eingesetzt werden. Medien und Bürger sollen zunächst außerhalb des Gebäudes bleiben. Kurz vor der Pressekonferenz soll nur Journalisten der Zugang zum Bereich für die Bekanntgabe ermöglicht werden.

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Quelle: Naewna

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