BANGKOK – In Thailand bahnt sich ein erbitterter Kampf um die mediale Zukunft des Landes an. Streaming-Giganten wie Netflix, YouTube und TikTok verändern die Sehgewohnheiten der Thailänder dramatisch, während die nationale Regulierungsbehörde NBTC noch um ein neues Regelwerk ringt. Interne Streitigkeiten über eine staatliche Streaming-Plattform und eine drohende Klagewelle der verzweifelten TV-Sender erhöhen den Druck.
Ein Masterplan für die Zeit nach dem Fernsehen
Die National Broadcasting and Telecommunications Commission (NBTC) arbeitet fieberhaft an einem „Digital Television Terrestrial Broadcasting Master Plan“ für die Jahre 2026 bis 2030. Der Plan soll einen Fahrplan für die Branche abstecken, bevor die bestehenden Lizenzen für digitales Fernsehen im Jahr 2029 auslaufen.
Doch die Beratungen ziehen sich bereits seit mehr als zwei Jahren hin. Für die Rundfunkanstalten ist das ein unhaltbarer Zustand. Sie argumentieren, ohne langfristige regulatorische Sicherheit keine Investitionen in Inhalte und Technik tätigen zu können.
Sender drohen mit Klage
Der Druck auf die Behörde wächst nun massiv. Die Digital Television Association hat der NBTC eine klare Frist gesetzt: Liegen bis zum 30. Juni keine greifbaren Ergebnisse vor, wollen die Sender rechtliche Schritte einleiten.
Die Drohung zeigt, wie tief die Verunsicherung in der Branche sitzt. Die Sender sehen sich durch eine unfaire Regulierung benachteiligt, während internationale Konkurrenten weitgehend unkontrolliert den Markt erobern.
Die Zuschauer laufen davon
Die Eile ist begründet. Die Zuschauerzahlen des klassischen Fernsehens sinken kontinuierlich, besonders jüngere Thailänder bevorzugen Streaming und On-Demand-Angebote. Parallel dazu wandern die Werbeeinnahmen von den inländischen Sendern ab und fließen direkt in die Kassen internationaler Technologiekonzerne.
Die wirtschaftliche Basis des traditionellen Fernsehens erodiert damit zusehends. Während lokale Anbieter unter strengen Lizenzauflagen und staatlicher Aufsicht ächzen, können ausländische Dienste ihre Inhalte weitgehend ohne diese Hürden über das Internet nach Thailand streamen.
Das Gesetz hinkt der Technik hinterher
Das Kernproblem ist ein regulatorisches Vakuum. Die thailändischen Rundfunkgesetze wurden für terrestrisches Fernsehen, Kabel und Satellit gemacht, nicht aber für die internetbasierte Verbreitung von Inhalten. Plattformen wie Netflix nutzen keine Funkfrequenzen und benötigen daher keine klassische Rundfunklizenz.
Nun prüft die NBTC zwar einen neuen Rechtsrahmen für diese sogenannten Over-the-Top-Dienste. Doch die Hürden sind hoch. Gerichte müssen klären, ob Streaming-Anbieter rechtlich überhaupt als Rundfunkdienste gelten, und Beobachter halten für tiefgreifende Änderungen eine Reform der Gesetze für notwendig.
Streit um eine nationale Streaming-Plattform
Für besonderen Zündstoff sorgt innerhalb der Behörde der Vorschlag, eine eigene nationale Streaming-Plattform aufzubauen. Der NBTC-Vorstand ist in dieser Frage tief gespalten. Befürworter sehen darin eine Chance, die mediale Souveränität des Landes zurückzugewinnen und die Reichweite inländischer Sender zu sichern.
JETZT den Wochenblitz WERBEFREI lesen!
Gegner im Gremium halten das Projekt für ein finanzielles Fiasko. Sie verweisen darauf, dass fast alle großen Sender bereits eigene Streaming-Apps betreiben. Eine neue, staatlich gestützte Plattform würde bestehende Dienste nur kopieren, ohne echten Mehrwert zu bieten.
Drei Wege aus der Krise
Das NBTC-Büro hat insgesamt drei Strategien für die Zeit nach 2029 vorgelegt. Option eins ist der komplette, kostspielige Aufbau einer neuen nationalen Plattform inklusive eigener Infrastruktur und Personal. Die zweite Option setzt auf eine Stärkung der bereits existierenden Streaming-Angebote der öffentlich-rechtlichen und privaten Sender.
Der dritte, rein regulatorische Ansatz zielt darauf ab, alle Streaming-Betreiber zu mehr Transparenz und fairerer Umsatzbeteiligung zu verpflichten. Nach eingehender Prüfung empfahlen die Beamten des NBTC-Büros, die beiden letztgenannten Strategien zu kombinieren, statt eine teure neue Plattform zu bauen.
Warten auf die Entscheidung
Die Debatte ist damit noch lange nicht entschieden. Während die Technologie die Sehgewohnheiten der Menschen rasant verändert, ringt die NBTC weiter um eine tragfähige politische Lösung. Die einen pochen auf Kontrolle und Souveränität, die anderen warnen vor den wirtschaftlichen Risiken. Die Uhr tickt unaufhaltsam auf das Jahr 2029 zu, wenn die alten Lizenzen auslaufen. Was in den nächsten Monaten in Bangkok entschieden wird, wird daher nicht nur das Schicksal der TV-Sender bestimmen, sondern die gesamte Medienlandschaft des Landes für Jahre prägen.
Was denkst du darüber? Schreib uns deine Meinung in die Kommentare.



Das Bessere ist immer des Guten Feind. In diesem Fall treffen die internationalen Streamingdienste einfach besser den Kundenwunsch. Und das ist gut. Sowohl für die Kunden, als auch für die Streamingdienste. Ein nationaler, thailändischer Streamingdienst, mit Steuergeld gegründet, der wird mit Sicherheit nur Geld verbrennen. Der Wettbewerb wird es zeigen. Und Wettbewerb ist immer gut.