NAYPYIDAW – Myanmars vom Militär gestütztes Parlament hat ein Gesetz verabschiedet, das für Betreiber von Online-Betrugszentren und deren Helfer die Todesstrafe vorsieht. Die neue Regelung trifft jeden, der Menschen festhält oder mit Gewalt zur Mitarbeit in den berüchtigten Callcenter-Komplexen zwingt. Führt die Misshandlung zum Tod eines Opfers, ist die Hinrichtung zwingend vorgeschrieben.
Todesstrafe für Menschenhändler und Gewalttäter
Parlamentssprecher Aung Lin Dwe verkündete die Entscheidung am Dienstag live im Fernsehen. Das sogenannte Anti-Online Scam Bill passierte eine gemeinsame Sitzung beider Kammern in Naypyidaw – mit nur geringfügigen Änderungen am ursprünglichen Entwurf.
Abgeordneter Aye Chan bestätigte, dass die Endfassung die Höchststrafe unverändert beibehält. Wer Betrugszentren betreibt oder Kryptowährungsbetrug organisiert, muss mit lebenslanger Haft rechnen. Der Strafrahmen reicht grundsätzlich von zehn Jahren Gefängnis bis zur Hinrichtung.
Erstes Gesetz der neuen Militär-Regierung
Die Gesetzgebung ist das erste verabschiedete Regelwerk unter der neuen, vom Militär gestützten Regierung von Präsident Min Aung Hlaing. Sie kommt zu einer Zeit, in der Myanmar während des anhaltenden Bürgerkriegs eine explosionsartige Ausbreitung von Betrugskomplexen erlebt.
Das Land gilt als zentrale Basis der südostasiatischen Online-Betrugsindustrie. Liebesbetrug und Krypto-Investitionsbetrug zielen auf Opfer in mehr als 80 Ländern weltweit – darunter auch Deutschland.
Verschleppt und zur Arbeit gezwungen
Viele ausländische Staatsangehörige werden mit falschen Stellenangeboten angelockt oder direkt verschleppt. In den Zentren nahe der thailändischen Grenze werden sie festgehalten und mit Drohungen, Gewalt und sexuellem Missbrauch zur Abwicklung der Betrugsmaschen gezwungen.
Die Internationale Organisation für Migration verzeichnete zuletzt einen starken Anstieg des Menschenhandels in asiatische Betrugszentren. Tausende Menschen sitzen Berichten zufolge weiterhin in den Komplexen fest.
China erhöht Druck – und exekutiert selbst
Min Aung Hlaing versprach ein hartes Vorgehen gegen die kriminellen Strukturen. Hintergrund ist wachsender internationaler Druck, vor allem aus China und den Vereinigten Staaten.
China macht ernst: Im Januar richteten Behörden in der Volksrepublik elf Mitglieder eines Verbrechersyndikats hin. Die Gruppe stand in direkter Verbindung zu Betrugskomplexen im Norden Myanmars und war wegen Betrugs, rechtswidriger Inhaftierung und Mord verurteilt worden.
Zweifel an der Wirksamkeit
Menschenrechtsgruppen und Analysten bezweifeln, dass frühere Militäroperationen die Strukturen nachhaltig geschwächt haben. Die Kritik: Trotz Razzien und Verhaftungen sitzen weiterhin Tausende Gefangene in den Zwingern entlang der Grenze.
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Das neue Gesetz könnte die Abschreckung erhöhen – ob es die Netzwerke tatsächlich zerschlägt, bleibt angesichts der Macht der Syndikate offen.

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