Großrazzien in Thailand: Scheinfirmen-Skandal erschüttert Tourismus

Eine dubiose Anwaltskanzlei steuerte über 150 Firmen, um Thailands Gesetze zu umgehen. Ermittler nehmen nun chinesische und israelische Netzwerke ins Visier. Wer steckte wirklich hinter dem millionenschweren Geschäft?

Großrazzien in Thailand: Scheinfirmen-Skandal erschüttert Tourismus
Nation

SURAT THANI – Thailands Behörden weiten den Druck auf mutmaßliche ausländische Strohmann-Netzwerke massiv aus. Fünf Razzien auf Koh Samui und Koh Phangan zielten auf Firmengeflechte, hinter denen Investoren aus China und Israel stecken sollen. Im Visier: eine Anwaltskanzlei mit über 150 Firmenverbindungen sowie Hotels und Luxus-Resorts mit dreistelligen Millionen-Werten.

Razzien auf Koh Samui und Koh Phangan

Ermittler des Handelsministeriums durchkämmten fünf Adressen auf den beliebten Ferieninseln. Insgesamt 34 Unternehmen stehen wegen des Verdachts auf Strohmann-Strukturen im Visier. Der Vorwurf: Thailändische Staatsbürger sollen nur zum Schein als Firmeninhaber fungiert haben. Tatsächlich hätten ausländische Geldgeber die Kontrolle über Immobilien, Hotels und Wellness-Einrichtungen ausgeübt und damit den Foreign Business Act von 1999 umgangen.

Poonpong Naiyanapakorn, Chef der Abteilung für Geschäftsentwicklung, bestätigte die Durchsuchungen. Sämtliche Unterlagen seien an das Department of Special Investigation zur weiteren Strafverfolgung weitergeleitet worden. Es gehe um den Verdacht systematischer Täuschung bei Firmengründungen.

150 Firmen unter einem Dach

Besonders brisant: Die ins Visier geratene Anwaltskanzlei P war offiziell Hauptsitz von mehr als 103 juristischen Personen. Insgesamt fanden die Beamten Verbindungen zu über 150 Unternehmen. Die Kanzlei soll gezielt Aktienbesitz-Konstruktionen eingefädelt haben, die Ausländern die faktische Firmenherrschaft sicherten.

Der Verdacht wiegt schwer, weil das Netzwerk weit über eine einzelne Kanzlei hinausreicht. Die Ermittler vermuten ein ausgeklügeltes System zur Firmenregistrierung, das Beschränkungen für Ausländer systematisch unterlief. Die Prüfung der finanziellen Verhältnisse aller beteiligten thailändischen Anteilseigner läuft.

Chinesische Spur bei Immobiliengruppe J

Ein weiteres Ziel war die Gruppe J, die mit einem chinesischen Projektentwickler verbunden sein soll. Dessen Direktoren gaben laut Ministerium klar die Unternehmenspolitik vor und steuerten das operative Geschäft. Mindestens fünf Firmen teilten sich dieselbe Registrierungsadresse.

Die Struktur deutet auf ein Netzwerk hin, das Bau, Projektmanagement und das Halten von Immobilienvermögen abdeckt. Der Verdacht: Thailändische Strohmänner sollten den Landbesitz verschleiern, der Ausländern nach thailändischem Recht verwehrt bleibt.

Verdacht bei israelisch geführter Wellness-Anlage

Unternehmen B auf Koh Phangan wirbt mit Reha-Zentrum und Yoga-Retreat, bilanzierte jedoch ein Gesamtvermögen von über 100 Millionen Baht. Die Inspektion vor Ort brachte ein Problem ans Licht: Eine Hotelbetriebslizenz konnten die Betreiber nicht vorweisen. Fünf verbundene Firmen waren unter derselben Anschrift gemeldet, gesteuert vom gleichen Personenkreis.

Jetzt prüft das Gesundheitsamt der Provinz Surat Thani, ob überhaupt eine Lizenz nach dem Health Establishment Act von 2016 vorliegt. Die israelisch geprägte Eigentümerstruktur steht dabei im Fokus. Der Wellness-Standort könnte ohne gültige Erlaubnis betrieben worden sein.

Hotel auf Koh Samui mit ungeklärter Geldherkunft

Unternehmen N betreibt seit 2013 ein Hotel auf Koh Samui. Die Anteile liegen bei thailändischen und israelischen Aktionären. Die Beamten durchleuchten nun, woher das Investitionskapital wirklich stammte und ob die thailändischen Teilhaber ihre Anteile überhaupt selbst bezahlen konnten.

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Ein abschließendes Ergebnis zur Eigentümerstruktur steht noch aus. Die finanzielle Leistungsfähigkeit der einheimischen Aktionäre ist ein zentraler Prüfpunkt. Bestätigt sich der Verdacht, handelten die Thailänder nur auf fremde Rechnung.

Resort mit 330 Millionen Baht Vermögen im Fokus

Besonders wertvoll ist das Portfolio von Unternehmen L: drei Grundstücke für über 11 Millionen Baht, dazu über eine verbundene Firma acht weitere Grundstücke im Wert von mehr als 30 Millionen Baht. Das Gesamtvermögen der Firma beträgt laut Bilanz über 330 Millionen Baht. Ein Israeli ist hier Direktor und Aktionär zugleich.

Sechs weitere Firmen residieren unter derselben Adresse, mit identischen thailändischen und israelischen Gesellschaftern. Die Anlage wird vermutlich als Resort nur von ausländischen Touristen genutzt. Die Behörden prüfen nun jede einzelne Grundstückstransaktion auf Strohmann-Verdacht.

Ministerium droht mit Strafverfolgung in alle Richtungen

Poonpong kündigte an, sämtliche Fälle koordiniert mit allen relevanten Behörden strafrechtlich zu verfolgen. Das Handelsministerium werde bei erwiesenen Verstößen gegen das Ausländer-Unternehmensgesetz keine Milde walten lassen. Die Ermittlungen richteten sich ausdrücklich auch gegen thailändische Aktionäre und professionelle Berater, die solche Konstrukte ermöglicht haben sollen.

Rechtlich bindende Feststellungen gibt es noch nicht. Alle betroffenen Firmen und Personen bleiben vorerst Beschuldigte in einem laufenden Verfahren. Die Ermittlungen gegen Unternehmen, thailändische Anteilseigner und professionelle Berater dauern an.

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Quelle: Nation Thailand

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