BANGKOK – Nach einem handfesten Skandal um falsche Vaterschaftsanerkennungen greift Gouverneur Chadchart Sittipunt durch. Alle 50 Bezirksämter müssen ab sofort Geburtsregistrierungen und Heiratsanträge mit Ausländern weit strenger kontrollieren. Ein Registrierungsbeamter sitzt bereits in Haft.
Festnahme im „Fake-Vater“-Skandal
Der Fall schlägt in Bangkok hohe Wellen. Ein Standesbeamter soll über Jahre hinweg Thailänder als Scheinväter für Kinder ausländischer Mütter eingetragen haben.
Gegen ihn wird wegen Unregelmäßigkeiten bei Geburtsanzeigen ermittelt. Die Masche steht laut Stadtverwaltung in direkter Verbindung zu mehreren privaten Kliniken in der Hauptstadt.
Chadchart setzt drei Sofortmaßnahmen durch
Im Rathaus im Bezirk Phra Nakhon gab der Gouverneur am Dienstag die neuen Leitlinien bekannt. Er forderte Bezirksdirektoren auf, ihre Standesbeamten bei der Ausstellung von Geburtsurkunden lückenlos zu überwachen.
Dokumente allein zu prüfen reiche nicht, betonte Chadchart. Beamte müssten auch ein Gespür dafür entwickeln, ob die gemachten Angaben überhaupt plausibel seien.
Ermittler durchkämmen Bezirksämter
Eine stadtweite Arbeitsgruppe unter Leitung eines Vize-Ständigen Sekretärs inspizierte bereits 31 der 50 Bezirksämter. Die Kontrollen zwischen dem 2. Juni und 7. Juli brachten zunächst keine neuen Verdachtsfälle ans Licht.
Kein Bezirk wies Unregelmäßigkeiten auf, die dem mutmaßlichen Betrug im Bezirksamt Thon Buri ähneln. Die Prüfer suchen gezielt nach Fällen, die die Sicherheit des Meldewesens gefährden könnten.
Aufzeichnungen bis 2017 auf dem Prüfstand
Rückwirkend müssen alle 50 Bezirksämter jede einzelne Geburtsurkunde durchforsten, die seit dem 1. Januar 2017 ausgestellt wurde. Der Fokus liegt auf Kindern ausländischer Mütter mit eingetragenen thailändischen Vätern.
Die Ämter sollen jährliche Fallzahlen melden, Belege auf Korrektheit checken und die Vorgeschichte der genannten Väter überprüfen. Auffällige Muster, etwa viele Kinder bei verschiedenen Frauen, wollen die Ermittler sofort erkennen.
Bezirke müssen bis 27. Juli liefern
Die Stadtverwaltung setzte den Bezirksämtern eine knappe Frist. Alle Ergebnisse der Sonderprüfung müssen bis zum 27. Juli vorliegen.
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Verdächtige oder rechtswidrige Fälle leiten die Behörden an die zuständigen Ermittler weiter. Grundlage dafür ist ein Rundschreiben des Innenministeriums von 2014.
Schärfere Kontrollen vor dem Jawort
Auch vor Heiraten mit Ausländern schiebt das Verwaltungs- und Registrierungsbüro der BMA einen Riegel. Kriminelle Netzwerke könnten gefälschte Heiratsurkunden nutzen, um unrechtmäßig an Aufenthaltstitel oder andere Vorteile zu kommen.
Standesbeamte müssen die Identität von Antragstellern künftig per ThaID-App oder mit offiziellen Dokumenten verifizieren. Bei Zweifeln an der Absicht der Eheschließung sind zusätzliche Befragungen Pflicht.
Gouverneur fordert direkte Verantwortung
Für Chadchart ist die Sache klar: Bezirksdirektoren und Vorgesetzte müssen selbst genau hinsehen, statt sich auf Akten zu verlassen. Selbst vollständig wirkende Dokumente könnten Teil einer ausgeklügelten Täuschung sein.
Die kombinierten Maßnahmen aus Inspektionen, rückwirkender Prüfung und strengeren Heiratskontrollen sollen verhindern, dass offizielle Register durch Betrug ausgehöhlt werden.



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