Sexualmissbrauch-Vorwürfe gegen thailändischen Bier-Erben

Abgrund im Bier-Imperium: Familien-Erbe Siranud Scott bricht das Schweigen und wirft seinem Bruder jahrelangen Missbrauch vor. Der Bericht erschüttert den Singha-Clan und löst landesweit eine beispiellose Welle der Entrüstung aus.

Sexualmissbrauch-Vorwürfe gegen thailändischen Bier-Erben
Photo by Antonio Araujo on Unsplash

Bangkok – Siranudh „Psi“ Scott erhebt schwere Vorwürfe: Sein älterer Bruder Sunit soll ihn als Junge wiederholt sexuell missbraucht haben, die Anschuldigungen gegen die mächtige Bierbrauerfamilie lösen in Thailand eine breite Debatte aus und führten bereits zur Entlassung Sunits aus der Firmenführung.

Siranudh schildert Missbrauch in Jugendjahren

In einem Video, das diesen Monat veröffentlicht wurde, sagt der 29‑jährige Siranudh Scott, der als Psi bekannt ist, sein Bruder habe ihn wiederholt missbraucht, als er zwischen neun und 13 Jahren alt war. Er berichtet, die Übergriffe hätten stattgefunden, wenn Sunit in den Sommerferien vom Internat nach Hause kam.

Siranudh sagte, er habe vor etwa drei Jahren erstmals Familienmitgliedern von dem Missbrauch erzählt, damals habe er eine finanzielle Entschädigung angenommen, um zu schweigen. „Ich hatte das Gefühl, ich müsse mich äußern, sonst wäre ich innerlich gestorben“, sagte er gegenüber AFP.

Sunit bestreitet die Anschuldigungen – Boonrawd reagiert

Der Beschuldigte Sunit bestreitet die Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs, räumte aber in einem online gestellten Clip „roughhouse play“ zwischen Jungen ein. Boonrawd Brewery, die Muttergesellschaft hinter der Biermarke Singha, teilte am Dienstag mit, Sunit sei aus seiner Führungsposition entlassen worden.

Das Unternehmen kündigte an, mit den Behörden bei Untersuchungen zu kooperieren; auf Anfragen um eine ausführliche Stellungnahme reagierte die Firma nicht. Kontaktangaben zu Sunit oder seinem Rechtsbeistand lagen laut Bericht nicht vor.

Familienstreit eskaliert: Klage und mögliche Gegenklagen

Auslöser für Siranudhs öffentliches Auftreten sei eine Klage seiner Mutter dieses Jahr in einem Streit um Immobilien gewesen, bei dem thailändisches Recht gegen „undankbare Kinder“ ins Spiel gebracht wurde, sagt er. Nach diesem Wendepunkt kündigte Psi an, rechtliche Schritte planen zu wollen.

Siranudh hat sich öffentlich von der geschäftlichen Welt seiner Familie distanziert und bezeichnet sich als Umweltaktivisten; er sagte, der Ozean sei sein Zufluchtsort gewesen, nachdem er niemanden gehabt habe, der zu ihm stand.

#PsiScott bringt weitere Opferberichte ans Licht

Die Anschuldigungen lösten unter dem Hashtag #PsiScott eine Welle von Berichten Überlebender aus, viele Prominente und Influencer teilten eigene Erlebnisse von sexuellem Fehlverhalten. Zu den öffentlich genannten Fällen gehören Patinya Kuantrakul, die angab, im Alter von 11 Jahren vergewaltigt worden zu sein, und Taylor Srirat, der von sexuellem Missbrauch durch einen deutlich älteren Chef im Alter von 19 Jahren berichtete.

Viele Betroffene nutzten die sozialen Medien, um erstmals öffentlich zu sprechen; Psi sagte, ihn erreichten daraufhin „so viel Liebe und Unterstützung“ von Nutzern innerhalb und außerhalb Thailands.

Experten sehen kulturelle Hürden – aber Wandel

Menschenrechtsanwältin Busayapa Srisompong, Gründerin der Beratungsstelle Shero, betont, dass die thailändische Gesellschaft starken Wert auf Hierarchie und Familienehre lege, was das Offenlegen von Missbrauch erschwere. Sie forderte, sexuelle Gewalt müsse mit „echter Null‑Toleranz“ begegnet werden.

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Die Sozialpsychologin Apitchaya Chaiwutikornwanich weist darauf hin, dass junge Menschen zunehmend Konzepte von Menschenrechten und das Recht auf den eigenen Körper lernen. Experten sehen soziale Medien als einen Raum, in dem Überlebende sich weniger allein fühlen.

Die Familie hinter Singha und der aktuelle Stand

Siranudh und Sunit gehören zur Bhirombhakdi‑Familie, laut Forbes die 15. reichste Familie Thailands mit einem geschätzten Vermögen von rund 1,75 Milliarden US‑Dollar; die Marke Singha ist international bekannt und sponsert unter anderem Chelsea FC und das Haas‑Formel‑1‑Team. Die Vorwürfe treffen damit auf einflussreiche wirtschaftliche Verflechtungen.

Der letzte belegte Stand: Sunit wurde von Boonrawd entlassen, die Firma will mit Behörden kooperieren, Kontaktangaben zu Sunit sind nicht verfügbar, und Siranudh plant rechtliche Schritte, während seine Mutter ihn dieses Jahr wegen eines Landstreits verklagt hat.

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Quelle: Bangkok Post Thailand

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