AYUTTHAYA, Thailand – Mehr als 700 Millionen Baht an Vermögen stehen im Mittelpunkt der Ermittlungen gegen den früheren Abt Atichot Thanprasert und Punyawee „Ae“ Rungrueang. Die Polizei prüft außerdem den Verdacht, dass rund 92 Millionen Baht aus Spenden und Einnahmen eines königlichen Klosters abgezweigt wurden. Beide Beschuldigten sitzen bis zum 23. September in Untersuchungshaft.
Polizei prüft Vermögen von mehr als 700 Millionen Baht
Nach Angaben der Ermittler werden Atichot Vermögenswerte von rund 498 Millionen Baht zugerechnet. Bei Punyawee geht es um etwa 215,23 Millionen Baht.
Je nach Berechnung beläuft sich die untersuchte Summe auf rund 713 bis 720 Millionen Baht. Die Polizei stellt klar, dass sie nicht das gesamte Vermögen als gestohlen einstuft.
92 Millionen Baht sollen am Tempel vorbeigeflossen sein
Im Zentrum der Finanzermittlungen steht ein mutmaßlicher Verlust von rund 92 Millionen Baht bei Wat Phutthaisawan in Ayutthaya. Etwa 2,8 Millionen Baht sollen aus 22 Geschäften mit sakralen Gegenständen stammen.
Weitere rund 89 Millionen Baht waren nach Angaben der Ermittler für Wartung und Restaurierung des Tempels vorgesehen. Beide Geldströme sollen jedoch nicht auf dem Konto des Tempels eingegangen sein.
Bargeld und Gold in den Räumen des früheren Abts
Bei der Durchsuchung von Atichots Räumen fanden Polizisten 138.308.986 Baht in bar. Außerdem stellten sie mehr als 1.000 Baht-Gewicht Gold im Wert von ungefähr 70 Millionen Baht sicher.
Zusätzlich entdeckten die Ermittler Bankguthaben von mehr als 290 Millionen Baht. Das gesamte Atichot zugerechnete Vermögen beziffern Polizeiberichte auf etwa 498 Millionen Baht.
Hausdurchsuchung legt Punyawees Vermögen offen
In Punyawees Haus fanden die Beamten fast 3,9 Millionen Baht Bargeld und rund 90 Baht-Gewicht Gold im Wert von etwa 6,15 Millionen Baht. Sichergestellt wurden auch zwei Grundstücksurkunden, sieben Sparbücher und Unterlagen zu Land- und Goldgeschäften.
Die Polizei identifizierte außerdem zwei Reihenhäuser im Wert von mehr als vier Millionen Baht, ein Fahrzeug und Bankguthaben von über fünf Millionen Baht. Einige Vermögenswerte sollen auf den Namen ihrer Tochter eingetragen worden sein.
Frühere Insolvenz wirft Fragen auf
Punyawee besaß 60 Prozent der 2013 gegründeten Firma Thong Phan Chang Group (Thailand) Co Ltd. Das Unternehmen war mit einem Kapital von einer Million Baht registriert und handelte mit Reissaatgut und Dünger.
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2014 meldete die Firma Einnahmen von 3,69 Millionen Baht, im Jahr darauf 2,87 Millionen Baht. 2020 lagen die ausgewiesenen Vermögenswerte nur noch bei 553.294 Baht. Die Firma wurde im September 2025 aufgelöst, Punyawee war nach Polizeiangaben von 2019 bis 2022 insolvent.
Anonyme Hinweise brachten die Ermittler auf die Spur
Die Crime Suppression Division erhielt Mitte Juli eine anonyme Beschwerde. Darin ging es sowohl um Atichots Beziehung zu Punyawee als auch um die Herkunft ihres wachsenden Vermögens.
Am 25. August folgte ein weiterer Hinweis von offenbar derselben Person. Auf einem USB-Stick befanden sich Fotos, Videos und weitere Informationen. Nach Angaben des Central Investigation Bureau lieferten auch frühere Schüler des Abts Hinweise.
Überwachungskameras dokumentierten die Beziehung
Aufnahmen aus Atichots privaten Räumen sollen wiederholte Treffen mit Punyawee an verschiedenen Tagen zeigen. Zwei Videos gingen zunächst bei der Polizei ein, weitere Aufnahmen verbreiteten sich später in thailändischen sozialen Medien.
Die Ermittler prüfen auch Atichots Umgang mit seinem Mobiltelefon. Auf dem Gelände sollen zwischen 48 und 60 Überwachungskameras installiert gewesen sein. Eine Kameraperspektive soll mit einem Standort außerhalb seiner Räume übereinstimmen.
Der orange Tisch wurde aus dem Kloster gebracht
Ein runder orangefarbener Esstisch aus Atichots Räumen wurde nach der Verbreitung der Aufnahmen zum Symbol des Falls. Der frühere Abt soll ihn normalerweise für seine Morgen- und Mittagsmahlzeiten genutzt haben.
Das Komitee von Wat Phutthaisawan bat die Crime Suppression Division, den Tisch zu entfernen. Er wurde zunächst zu den Räumen der Ermittlungsbehörde gebracht. Das Nationale Büro für Buddhismus soll später seine Zerstörung angestrebt haben.
Geschlechtsverkehr verstieß gegen die Regeln des Mönchsordens
Nach buddhistischen Ordensregeln zählt Geschlechtsverkehr zu den schwersten Verstößen. Ein Mönch verliert dadurch das Recht, im Mönchsstand zu bleiben.
Atichot und Punyawee weisen die finanziellen Vorwürfe zurück. Gegen beide laufen Verfahren wegen Korruptionsdelikten und Geldwäsche.
Vom Wahrsager zum Abt eines königlichen Klosters
Atichot wurde am 21. November 1959 geboren und arbeitete nach Angaben der Ermittler zunächst als Medium und Wahrsager in Bangkok. Im Alter von etwa 35 oder 36 Jahren bat er seine Ehefrau um die Erlaubnis, Mönch zu werden.
Am 22. Januar 1997 wurde er in Wat Phutthaisawan ordiniert. 2016 wurde er stellvertretender Abt, 2021 kommissarischer Abt und 2022 vollständiger Abt. 2024 erhielt er den kirchlichen Rang Phra Wachirayan.
Punyawee war lange mit dem Tempel verbunden
Punyawee, 47, studierte an einer bekannten Universität, war dort Cheerleaderin und arbeitete später als Moderatorin bei einem Gemeinderadio. Danach wurde sie Geschäftsfrau und alleinerziehende Mutter.
Nach Polizeiangaben besuchte sie Wat Phutthaisawan seit 2007. Später war sie an Geschäften rund um den Tempel beteiligt, darunter Angebote für religiöse Rituale sowie der Verkauf von Feuerwerk und Böllern. Atichot soll erklärt haben, die intime Beziehung habe erst etwa zwei Jahre vor den Festnahmen begonnen.
Beide Beschuldigten bleiben in Haft
Das Gericht lehnte eine Freilassung gegen Kaution ab. Als Grund wurde die mögliche Beeinflussung von Beweismitteln genannt.
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Atichot und Punyawee wurden deshalb in das Provinzgefängnis Saraburi gebracht. Die erste Untersuchungshaft läuft bis zum 23. September, während die Polizei Konten, Vermögenswerte und weitere Personen aus dem Umfeld prüft.

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